Artikel aus No 09 - Juli 2008

Wii

 
 
 
Da stand er nun: Ein kleiner weißer Kasten, gerade mal so groß wie zwei oder drei DVD-Hüllen übereinander. So ein Blödsinn, so eine Zeitverschwendung, so viel Geld. Was hätte man mit dem Geld alles anstellen können? Seitdem diese technische Neuheit nun den Platz neben dem Fernseher in Anspruch nahm, war das Zimmer gefüllt mit Menschen. Aufgeregt wie Kinder am ersten Schultag wurde das Gerät vorsichtig berührt, gestreichelt, ein Jauchzen ertönte. Schnell vermehrten sich die abenteuerlichsten Spiele in dem Regal unterhalb des Fernsehers, keines war wirklich von langer Dauer, aber dennoch wurde jedes mit einer Begeisterung empfangen, die mir immer unverständlicher wurde, ganz zu schweigen von den albernen Verrenkungen, die erwachsene Menschen vor dem TV-Gerät vollbrachten. Diese kleine technische Errungenschaft fing an, mich kräftig zu nerven. Wo lag bitte der Reiz?
Es war doch letztlich nur eine Konsole, kaum etwas Neues für die Nintendo-Generation der 80er Jahre.
Bildnachweis: bs
Foto: Britta Simon
Ein paar Wochen sollten vergehen, bevor endlich ein Abend mit Ruhe einkehrte und ich mich alleine mit dem weißen Kasten im Raum befand. Ich blickte ein paar Mal von meiner Zeitschrift auf den Fernseher. Dann stand ich auf und schaltete den Knopf der Konsole ein. Alsbald erschien ein kleines Männchen auf dem Bildschirm, welches mir ausführlich erklärte, was ich zu tun hatte. Ich nahm den Controller in die Hand, wickelte ihn mir wie vorgeschrieben mehrfach um den Arm (lächerlich, aus dem Alter der Wutanfälle war ich nun wirklich heraus) und begann das Spiel. Kurze Zeit darauf befand ich mich auf einem Tennis Court, welcher mich in steigendem Tempo durchaus forderte. Auch Golf stellte sich als unterhaltsam heraus. In den nächsten Tagen probierte ich weitere Spiele aus, erstellte meine eigene Persönlichkeit, gewann sogar die ersten Wettkämpfe. Es machte Spaß, verdammt viel Spaß. Schweiß lief mir beim Baseball Spielen die Stirn herunter: Dieser Rekord musste doch zu knacken sein. Tags darauf fragte ich besorgt, woher die Schmerzen in meinem Körper kamen. Gut drei Wochen lang spielte ich in jeder freien Minute und entwickelte ein Talent für einzelne Disziplinen. Ich konnte es kaum erwarten, meine Rekorde zu erweitern. Dann kam der Abend, an dem ich mich messen wollte. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass mein Gegner kaum das nötige spielerische Potential besaß, um mich zu schlagen. Zufrieden feierte ich meinen Triumph. Ganz nach dem Motto „Übung macht den Meister“ präzisierte ich stetig meine Wurftechniken. Dann kam der Abend, der alles verändern sollte: Wieder stand ich vor meinem Gegner, er machte kaum Anstalten, sich vom Sofa zu erheben. Wie sollte man bitte jemanden wie mich mit diesem Null-Aktionismus schlagen?
Es war doch letztlich nur eine Konsole, kaum etwas Neues für die Nintendo-Generation der 80er Jahre.
Ein paar Wochen sollten vergehen, bevor endlich ein Abend mit Ruhe einkehrte und ich mich alleine mit dem weißen Kasten im Raum befand. Ich blickte ein paar Mal von meiner Zeitschrift auf den Fernseher. Dann stand ich auf und schaltete den Knopf der Konsole ein. Alsbald erschien ein kleines Männchen auf dem Bildschirm, welches mir ausführlich erklärte, was ich zu tun hatte. Ich nahm den Controller in die Hand, wickelte ihn mir wie vorgeschrieben mehrfach um den Arm (lächerlich, aus dem Alter der Wutanfälle war ich nun wirklich heraus) und begann das Spiel. Kurze Zeit darauf befand ich mich auf einem Tennis Court, welcher mich in steigendem Tempo durchaus forderte. Auch Golf stellte sich als unterhaltsam heraus. In den nächsten Tagen probierte ich weitere Spiele aus, erstellte meine eigene Persönlichkeit, gewann sogar die ersten Wettkämpfe. Es machte Spaß, verdammt viel Spaß. Schweiß lief mir beim Baseball Spielen die Stirn herunter: Dieser Rekord musste doch zu knacken sein. Tags darauf fragte ich besorgt, woher die Schmerzen in meinem Körper kamen. Gut drei Wochen lang spielte ich in jeder freien Minute und entwickelte ein Talent für einzelne Disziplinen. Ich konnte es kaum erwarten, meine Rekorde zu erweitern. Dann kam der Abend, an dem ich mich messen wollte. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass mein Gegner kaum das nötige spielerische Potential besaß, um mich zu schlagen. Zufrieden feierte ich meinen Triumph. Ganz nach dem Motto „Übung macht den Meister“ präzisierte ich stetig meine Wurftechniken. Dann kam der Abend, der alles verändern sollte: Wieder stand ich vor meinem Gegner, er machte kaum Anstalten, sich vom Sofa zu erheben. Wie sollte man bitte jemanden wie mich mit diesem Null-Aktionismus schlagen?
Der kleine Kasten und ich haben unseren Frieden geschlossen. Er ziert zwar immer noch den Platz neben dem Fernseher, doch habe ich mich wieder den Zeitschriften zugewandt. Über eine anonyme Suchtgruppe denke ich jedoch immer noch nach.
von Britta Simon

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