Artikel aus No 14 - Februar 2010

Das Streben nach Wissen

 
 
 
Foto: Jenniffer Malenz
Der Raum ist heute viel dunkler als sonst, doch fällt es mir kaum auf, da ich gebückt über meinem Block hänge und verzweifelt überlege, wie ich mir weitere Informationen über die Lesegewohnheiten meiner Mitstudenten aneignen kann. Das ist das Thema, was mich interessiert. Wie um Himmels Willen übersteht man diese Vorlesung ohne sich nicht nebenbei auch auf andere Dinge zu konzentrieren. Natürlich nur zur Überbrückung. Wir wollen ja etwas lernen und das nicht zu wenig.
Und just in diesem Moment bemerke ich, dass der Raum so dunkel ist, weil die Rollläden aus unerfindlichen Gründen unten sind und der Winter langsam aber sicher ins Land gezogen ist. Das Wetter ist grau und kein Mensch kommt auf die Idee das Licht einzuschalten. Vielleicht ist man von diesen ganzen sonnenfreien Stunden so sehr neben sich, dass es keinen mehr stört. Während mein Blick also im Raum umherschweift und ich überlege, ob ich es riskieren soll uns zu erleuchten, nehme ich eine junge Frau wahr, die es schafft in dieser einbrechenden Dämmerung unter ihrem Pult zu lesen. Wahrhaftig und freudig kann ich schon auf den ersten Blick erkennen, dass es sich weder um Luhmann noch um eine sonstige Lektüre der Sozialen Arbeit handelt. Obwohl es hier sicherlich definitionsabhängig ist. Fakt ist, dass sie liest. Sie findet die Zeit, sich mit Wissen voll zu stopfen, egal in welchem Sinne. Und ich erinnere mich an die Sätze, die uns zig Dozenten in der Einführungswoche sagten und die sich in mein Gehirn einbrannten, wie wohl kaum ein anderer Satz. “Studieren heißt Lesen.” oder auch “Eine eigene Meinung kann man sich nur durch Lesen aneignen.” Meine Kommilitonin steckt mittendrin in diesem Versuch eine gute Studentin zu sein, oder eben eine vorzeigbare.
Wie dem auch sei. Meine Frage dreht sich nun darum, was sie liest. Also nehme ich mir vor dies herauszufinden. Was lesen die Studenten? Diese Frage werde ich allerdings nicht in dieser Vorlesung im heute düsteren B1-Saal stellen. Nein, ich befrage im R-Gebäude meine Mitstudenten der Sozialen Arbeit nach ihren Lesegewohnheiten und stelle tatsächlich fest, dass diese ebenso bestrebt sind sich ihr Wissen lieber anzulesen. Angeblich lesen sie neben ihren privaten Wälzern tatsächlich Literatur, die sie durchs Studium bringen soll. Ohne Zwang, sondern rein aus Interesse. Kann das stimmen?
So lasse ich meinen Blick weiter schweifen und entdecke hier und dort den ein oder anderen mit seiner Lektüre. So lügt man mit Statistik bis hin zu diversen Romanen. Von Diekmann bis Rowling. Ich entdecke sogar das Vörlesbook för Wiehnachten von Heinrich Höpken in den Händen eines Kommilitonen. Alle streben sie nach Wissen. Oder wenigstens ein Teil davon.
Jedenfalls beschließe ich dem nachzugehen, obwohl die Antwort doch auf der Hand liegt. Es ist nicht von Nachteil sich zu belesen. Das weiß jeder. Doch wählen wir dabei das Richtige? Und was ist schon richtig? Was falsch? Reicht es nicht, überhaupt zu lesen? Hilft das allein nicht schon dabei, sich beispielsweise besser ausdrücken zu können?
Doch was lesen meine Mitstudenten? Was bewegt sie? Was interessiert sie? Was hilft ihnen weiter? Was bringt ihnen wiederum nichts? Und wann finden sie überhaupt die Zeit dafür? Diesbezüglich habe ich schon einiges herausfinden können. So bevorzugen die Zugfahrer unter uns das Lesen während der Fahrt, was durchaus naheliegend scheint. Andere wiederum entdecke ich lesend während der Vorlesungen bzw. des Seminars. Und so sitzen sie zusammengekauert und wissbegierig über ihren Büchern und tauchen ein in ihre, von ihnen ausgewählte, verschriftlichte Welt, ohne auch nur ein Wort vom Dozenten wahrzunehmen, der ihnen möglicherweise gerade in diesem Moment erzählt, wie wichtig das Lesen für ihre weitere Entwicklung und welches Buch dafür besonders geeignet sei. Doch wir stecken schon mittendrin. Noch bevor diese Sätze fielen, wie mir scheint, waren wir bestrebt zu lesen. Liegt es an den Worten der Lehrenden oder an uns selbst?
Ein Blick in die Bibliothek spricht ebenso Bände. Hier wird gesucht, gelesen, recherchiert und kopiert, als hinge ihr Leben davon ab. Ist es wahr? Macht nur das Lesen Euch groß und gebildet? Eröffnet es Euch abkürzende Wege zum angestrebten Ziel?
Um diese Fragen zu klären und mehr über Eure Lese- und Bildungsgewohnheiten herauszufinden, haben wir für Euch eine Umfrage vorbereitet, dessen Auswertung Ihr in der uniVista No. 15 lesen könnt. Anregungen und Wünsche hierzu nehmen wir gerne entgegen und versuchen es in unsere weitere Planung zu integrieren. Auch sonstige Rückmeldungen sind gerne gesehen.
Außerdem sei angemerkt, dass Ihr vom 18 bis 21. März 2010 die Möglichkeit habt, auf der Leipziger Buchmesse nach weiteren wissenswerten Büchern Ausschau zu halten.
Ich wünsche Euch viel Erfolg!
von Jenniffer Malenz

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