Artikel aus No 04 - April 2007

Rechterfeld – Come to where the Grünkohl is…

 
 
 
Eines Tages fragte Gott einen Felsen, ob er in Rechterfeld stehen wolle und der Felsen antwortete: „Nein, dafür bin ich nicht hart genug.“
Wir sitzen in einem Triebwagenzug der Nordwest-Bahn und fahren Richtung Bremen. Das müde, laute Fahrzeug trägt uns vorbei an winterkahlen Feldern, blattlosen Baumskeletten, verlassenen Weiden, und Ortschaften, in die nur selten jemand gelangt, dem es frei steht, sich dorthin zu begeben. Nach ungefähr zwanzig Minuten hält der Zug. Zischend öffnen sich die Türen und entlassen uns auf einen nasskalten, grauen Bahnhof, der von braunem Ackerland und einer Fabrik umrahmt wird, die Futter herstellt, mit dem Tiere zu Schlachtkörpern heranwachsen. Eine schlecht gelaunte, vielfach gewundene Asphaltstraße, gesäumt von leer stehenden Baracken, und großen, alten Häusern mit zugewachsenen Grundstückszugängen führt uns in andere Teile Rechterfelds.
Wir folgen ihr, ohne zu wissen wohin, ohne zu wissen wie lange, lassen uns von einer Horde zum Verkauf stehender Traktoren und Erntemaschinen aus grimmigen Stahlgesichtern beäugen, entdecken eine Molkerei, in der Biobrot verkauft wird, eine Schule für Weihnachtsbäume und einen Garten, auf dessen Beeten vorfahrtsregelnde Verkehrsschilder wachsen. Ein Restaurant, das den Namen eines vor langer Zeit verstorbenen Philosophen trägt, schreit gierig nach Kunden, ein anderes wirbt mit Grünkohl-Partys. Erfahrungen mischen sich mit Imaginationen und malen Bilder von enthemmten, alten Menschen, die sich mit Grünkohl bewerfen, sich in Grünkohl wälzen, halbnackt schmutzige Grünkohl-Orgien zelebrieren. Wir durchschreiten einen in trüben Regenwasser ertrinkenden Kirchgarten, kaufen Kaffee in einer kleinen Bäckerei, erwägen den Kauf eines Mähdreschers und begeben uns zurück zum Bahnhof, dessen malades Wartehäuschen uns mit eiskaltem Wasser bespritzt.
In dem zugigen Unterstand sitzend, werden wir von einem Fremden – erfolglos – nach dem Weg gefragt. Wieso erwecken wir den Eindruck, dass wir uns hier auskennen? Sind wir, ohne es zu merken, zu einem Teil dieses Ortes geworden? Mit deutlichen Beklemmungen steigen wir in die Nordwest-Bahn, bereit unserem nächsten Abenteuer entgegen zu eilen…
Und so erreicht ihr Rechterfeld:
Vechta – Rechterfeld
Mo.-Fr. 4.32h – 20.32h st.
Sa. 6.32h, 18.32h, 20.32h + 7.32h – 16.32h st.
So. 8.32h, 10.32h, 12.32h + 14.32h – 20.32h st.
Rechterfeld – Vechta
Mo.-Fr. 7.07h – 20.07h st.
Sa. 9.07h – 19.07h st. + 21.07h, 23.07h
So. 11.07h, 13.07h, 15.07h + 17.07h – 23.07h st.
von Stefan Hirsch

Bilderalbum
uniVista No. 04: Rechterfeld
 

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