In den vergangenen Monaten gab uniVista euch die Möglichkeit, Texte zu verfassen zu allem was euch interessiert oder durch den Kopf geht. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Schreiberinnen und Schreibern bedanken, die unserem Aufruf nachgekommen sind und Texte an uns geschickt haben. Mit Rückblick auf die vergangenen „Ferienwochen” hat sich die Redaktion für einen Urlaubsbericht entschieden und hofft, dass er euch interessante Anregungen für die nächsten Urlaubsplanungen bietet.
Gibt es etwas Schöneres als Urlaub? Viele Leute geben als Urlaubsziel Südeuropa an, Hauptsache Sonne, Strand und warm. Am besten noch einen Pauschalurlaub mit Flug und All-Inclusive. Da aber nur Spießer wirklich All-Inclusive machen, kommt so was für abenteuerlustige Menschen nicht in Frage. Und wenn dann gerade auf MTV „The Trip” läuft, dann kommt man schon mal auf die Idee, einfach mal den Finger rauszuhalten. Als Urlaubsmaxime wurde gesetzt „Der Weg ist das Ziel”, aber da man irgendwo ankommen sollte, wurde einfach mal Schweden auserkoren. Wie wir (ja, ich war nicht alleine, sondern wir waren zwei stramme Kerle im besten Alter) hinkommen ist egal, Hauptsache nichts bezahlen. Da wir beide nicht die größten Asse im Planen sind, haben wir einfach am Tag vor Abreisetag alles zusammengepackt, was wir für nötig hielten.
Nun war es soweit! Der Urlaub konnte beginnen, wir waren bereit, uns den Weg nach Schweden zu bahnen. Nur gab es ein kleines Problem: Sollen wir den Finger raushalten? Oder ein Schild machen? Direkt auf die Leute zugehen?
Um es kurz zu machen: Nach 3 Stunden, 3 Kaffee und 4 Toilettengängen kamen wir zu zwei Erkenntnissen: 1. Keine Sau fährt morgens in der Woche Richtung Hamburg (zumindest nicht in Vechta), 2. Wir müssen auf die Leute zugehen und sie direkt fragen. Gesagt, getan. Wir haben uns schließlich nach anfänglicher Schüchternheit an die nahe liegende Tankstelle gestellt und die Leute direkt angesprochen. Nach mehreren Absagen haben wir eine Zusage bekommen, jedoch wollte dieser Geschäftsmann nach Damme (also nach Süden) und nicht Richtung Hamburg. Tja, wir erinnerten uns an die Maxime: Der Weg ist das Ziel. Und bevor wir der Dame in der Raststätte noch einen Besuch mehr abstatten, sind wir erstmal Richtung Damme gefahren. Dort angekommen, wurde ein Fahrbahnseitenwechsel vollzogen. Wir haben uns einen strategisch günstigen Platz direkt beim Ausgang der Raststätte gesucht und einfach alle Leute gefragt, ob sie uns ein Stück Richtung Hamburg mitnehmen könnten. Schnell haben wir ein Ehepaar gefunden, das in Hamburg ihre Tochter besuchen wollte und auch noch 2 Plätze frei hatte. 2 Stunden und ein Päckchen Lakritz später sind wir dann in einer Raststätte vor Hamburg rausgelassen worden. Langsam hatten wir den Dreh raus, wir haben weiterhin alle Leute angequatscht, die wir gesehen haben. So kam es, dass wir wahrhaftig abends um 18 Uhr in Travemünde am Skandinavienkai angekommen waren. Hier musste wieder unsere hartnäckige Überredungskunst herhalten, da wir eigentlich keine Nachtfahrt ohne Kabine machen durften. Na ja, die nette Dame am Schalter hat uns dann für 15e die Tickets gegeben. Doch da fiel uns noch was ein…: Schweden …richtig! Bier = teuer! Also sind wir noch mal in einen Getränkemarkt (sehr beliebt für die Schweden) gegangen und haben uns für die Fahrt eingedeckt. Nachdem wir festgestellt haben, dass der Kaffee in der Truckergaststätte, in der wir eine kleine Pause gemacht haben, kein „Muckefuck” ist und der Löffel darin stehen bleibt, sind wir schließlich an Bord gegangen und haben unsere erste Nacht an Deck verbracht. Morgens sind wir dann in Trelleborg angekommen und haben uns als erstes Ziel Malmö gesteckt. Leider hat uns hier der Mut verlassen, die Leute anzuquatschen oder den Finger rauszuhalten, also sind wir mit dem Bus weitergefahren. In Malmö angekommen, musste zuerst eine Schlafgelegenheit organisiert werden. Direkt an der Öresundbrücke, an einem lauschigen Campingplatz wurde es sich gemütlich gemacht. Das Zelt war schnell aufgebaut und natürlich: Es regnete …also her mit der Tütensuppe und dem Kaffee! Da wir mehr oder weniger planlos waren, haben wir uns am nächsten Tag in den Zug gesetzt und sind nach Bastad gefahren. Man kann sich nicht vorstellen, dass in diesem winzigen Dörfchen die Swedish Open stattfinden… neuer Ort, neuer Campingplatz, nur leider sollte sich das als schwierig herausstellen. Also kam uns das „Jedermannsrecht” zugute, was einem erlaubt, überall sein Zelt aufzuschlagen, einzige Bedingung ist, dass es außer Sichtweite eines Hauses ist und man nicht länger als 24h dort ist. Wir haben uns natürlich einen Platz direkt am Strand gesucht. Am nächsten Tag entschlossen wir uns, zu Fuß weiterzugehen und setzten uns ein optimistisches Ziel in Richtung Süden. Auf der Karte waren es wenige Zentimeter bis zum Campingplatz, in der Realität waren es Welten. (was nicht daran lag, dass wir an jedem schönen Platz eine Kaffeepause gemacht haben… Nein! Es lag schlicht und einfach daran, dass wir den Maßstab nicht ordentlich lesen konnten) Na ja, aus diesen paar Zentimetern wurde ein ganzer Tagesmarsch. Wenn ein Tag schon nicht so verläuft wie man das gerne hätte, dann passiert was? Richtig, es wird schlimmer! Uns beglückte ein Tornado, der von einem Gewitter begleitet wurde. Auf den Schock gönnten wir uns am Campingplatz erstmal Pizza und Bier. Der Rest des Trips war richtig guter Urlaub ohne böse Überraschungen oder Weltuntergängen.
Jedoch mussten wir auch wieder nach Hause und das einzige Problem war, dass die Dame von TT-Line (also der schwedischen Fährseite) das nicht so locker mit der Kabine sah. Die einzige Möglichkeit war, die Verbindung Trelleborg-Rostock zu nehmen. Wir kauften schließlich die Tickets und gaben die letzten Kronen für Bier aus. An Bord lernten wir 2 Schwedische Jungs (ja, immer nur Jungs) kennen, die aus Stockholm kamen und die unsere Idee geklaut hatten, allerdings mit dem Ziel Berlin. Wir lernten auch noch 2 Mädchen (geht doch) aus Bielefeld kennen, die mit dem Zug bis nach Kiruna (nördlichste Provinz Schwedens) gefahren sind. Wir teilten das Bier untereinander auf und tauschten unsere Erfahrungen, die wir in Schweden gemacht hatten, aus.
Am nächsten Tag war wieder Trampen angesagt und das klappte endlich bestens. Zuerst nahm uns ein Busfahrer vom Hafen ein Stück umsonst mit, der uns dann dort rausgelassen hat, wo er meint, wo man am besten wegkommt…. Der Busfahrer begegnete uns noch 4-mal und wir standen wieder 3 Stunden an der gleichen Stelle, aber irgendwann war es soweit als wir in einem Auto Richtung Heimat saßen und der Urlaub sich dem Ende neigte, einem guten Ende…
von Hauke Witte