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Oldenburg
Gibt es im Leben eines Studenten eigentlich etwas Wichtigeres als die Freizeitgestaltung? Also, eigentlich ja, aber uneigentlich…nein! Genau deswegen haben wir, die Redakteure der uniVista, das Studententicket dazu genutzt, um zu schauen, wohin es uns trägt und was man dort erleben kann.
Die erste Station unserer knallharten Recherche war die wunderschöne Stadt Oldenburg, ein Kleinod im deutschen Nordwesten, berühmt für Dieter Bohlen, Wigald Boning, Kramermarkt und Grünkohl Da wir aber weder den einen noch den anderen ausfindig machen konnten und es nicht wirklich die Zeit für Grünkohl oder Kramermarkt war, haben wir uns doch dazu entschlossen, für euch die kulturellen Highlights auszuloten und sie hier zu präsentieren, auf dass ihr euch an einem langweiligen Wochenende am inoffiziellen Hintern der Erde aufrappeln könnt und den Entdeckergeist spielen lasst.
Am Anfang gibt es natürlich die obligatorischen harten Fakten mitten auf den Tisch, damit ihr auch wisst, worauf ihr euch einlasst, wenn ihr Oldenburg besucht: Oldenburg liegt etwa 40 km westlich von Bremen und 30 km entfernt von der Nordseeküste. Erreichen kann man Oldenburg per Autobahn A28 und A29, aber da das Studententicket nicht für die Autobahn gilt, muss wohl oder übel die Nordwestbahn herhalten. Mit Zwischenstopp wahlweise in Bramsche oder Delmenhorst, erreicht man Oldenburg von Vechta aus in etwa 90 Minuten. Die Stadt hat 160000 Einwohner, Tendenz steigend und wird deshalb im nächsten Jahr Osnabrück als drittgrößte Stadt Niedersachsens ablösen. Das ist dochmal was. Besonders stolz ist Oldenburg auf die Mischung aus vielen Grünflachen und historischen Bauten. Wesentlich wichtiger für Studenten wird aber wohl sein, dass es in Oldenburg eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands gibt, die natürlich zum ausgiebigen Shoppen einlädt. Aber nicht nur das große Angebot an feinen Einkaufsmöglichkeiten, sondern der Fakt, das Oldenburg viele Sehenswürdigkeiten, Museen und vor allem ein exzellentes Nachtleben besitzt, haben uns dazu angetrieben, dieses schöne Fleckchen Erde zu besuchen. Aber lest doch selbst, was wir für euch herausgefunden haben.
Das Horst-Janssen Museum
Schwere Kunst erwartet den, der diese Räumlichkeiten betritt. In einem architektonisch sehr interessanten Bau nahe des Pferdemarktes gelegen, befindet sich das Horst Janssen Museum, in dem, unglaublicher Weise, Stücke des Grafikers Horst Janssen ausgestellt sind.
Jeder, der dieses Museum betritt, sollte sich allerdings vorher im Klaren sein, was ihn erwartet, denn nicht jeder wird hier etwas nach seinem Geschmack finden. Janssen war berühmt für seine satirische Bildsprache, was man den hier ausgestellten bizarren Zeichnungen durchaus ansehen kann; Liebhaber von großen Ölgemälden sind hier also an der falschen Adresse. Wer hingegen meint: „Der hat mich schon immer interessiert”, der findet hier so ziemlich jeden Lebensabschnitt dokumentiert, inklusive das nachempfundene Atelier Janssens, das, leider nicht begehbar, immer noch ein Highlight darstellt. Und sonst? Nehmt euch doch einfach das Zitat von Horst Janssen selbst als Beispiel für sein Museum: „Was sie nur heutzutage alle mit der Kunst haben.” Genau, klare Aussage Meister.
Aktuelle Ausstellung: Henri de Toulouse-Lautrec
Das Schloss
Nachdem wir uns einigermaßen gesammelt hatten, ging es zu DEM Anziehungspunkt für Touristen in Oldenburg schlechthin, dem Schloss. Der wunderschöne, alte Bau im klassizistischen Stil ist aber nicht nur ein Muss für Touristen, überraschenderweise wurden wir die offiziellen Hochzeitscrasher des Tages, da am 9.9. immerhin ca. 10 Paare sich das Jawort im Schloss geben wollten.
Für 1,50 Euro als Student (also Eintritt, nicht Hochzeit!) ist das Schloss sein Geld wirklich absolut wert. Herrlich restauriert, gibt es hier viel zu entdecken: Unzählige Ausstellungsstücke aus der Jahrhunderte langen Geschichte der Stadt und seiner Regenten, des Umlandes und der Bewohner.
Die prachtvollen Räume mit edlen Verzierungen und den riesigen Ölgemälden lassen einen ab und an das Atmen etwas vernachlässigen.
Insgesamt war das Schloss ein absolut lohnenswertes Erlebnis, wir haben es erst nach 90 Minuten und nur unter eigenem Zwang nach draußen geschafft, da es hier wirklich viel zu entdecken gibt. Absolut weiter zu empfehlen.
Der Schossgarten
Wieder an der frischen Luft, entschieden wir uns auch gleich dazu, dort erst einmal zu bleiben. Unser Weg führte uns in den Schlossgarten. Im englischen Stil angelegt, lädt er vor allem zum Verweilen ein. Oldenburg ist zwar nicht die größte Stadt der Welt, aber wenn man zu lange in Vechta war, bemerkt man doch, dass der Puls einer richtigen Stadt lauter und schneller schlägt und genau in diesem Moment sollte man diese grüne Oase aufsuchen. Wer gerne spazieren geht, ist hier genau richtig, wer das nicht gerne tut, sollte sich nicht zu weit in den Garten wagen, denn die Wege können verdammt lang sein. Sehenswert ist auf jedenfall der Rosengarten, der wirklich gut gepflegt ist. Sogar die wenigen Männer, die es in Vechta gibt, werden zumindest etwas Gefallen hier dran finden, mit der richtigen Begleitung an der Seite auch etwas mehr.
Ganz Verwegene können zur richtigen Jahreszeit ein Tretboot chartern und den Garten umrunden. (Die Tretboote wollen übrigens beim Verleiher wieder abgegeben und nicht irgendwo stehen gelassen werden!)
Das Theater und das PFL
Im Stechschritt gingen wir an diesen beiden wunderschönen Bauten i vorbei, die absolute Sehenswürdigkeiten sind und viel Geschichte mit sich bringen. Das Staatstheater, eines der wenigen Sechsspartentheater Deutschlands, bietet einen bunten Mix an Stücken in faszinierender Atmosphäre (Großes Haus) und darüber hinaus Führungen durchs Haus an. Wenigstens die “Lange Theaternacht für Studierende” berücksichtigt unsere Klientel bereits im Titel einer wirklich lohnenswerten Aktion: Hier bezahlt man einmaligen Eintritt, für Studis natürlich wie immer ermäßigt, und kann den ganzen Abend bis in die Nacht hinein die verschiedensten Angebote bestaunen (traditionelle Aufführungen im Großen wie im Kleinen Haus, unklassisches Playback-Theater, Szenen auf Toilette, Klavierspiel an der Garderobe etc…)
Das PFL (steht für Peter Friedrich Ludwig) war früher ein Hospital (in Oldenburg auch bekannt als das „Todeskrankenhaus” wegen der beängstigend hohen Sterberate) und ist heute eine Mischung aus Tagungsstätte, Begegnungs- und Jugendzentrum. Wenn ihr den Drang verspüren solltet, ein Buch auszuleihen, könnt ihr dem in der hier zu findenden Stadtbibliothek nachgehen. Das PFL zählt zwar nicht zu den Hauptattraktionen Oldenburgs, aber ein kurzer Besuch des architektonisch sehenswerten Gebäudes lohnt sich durchaus.
Die Wallstraße und der Lappan
Die Wallstraße diktiert quasi den Herzschlag der Stadt. Je nachdem, wie viel hier los ist, ist auch im Rest der Stadt los. Die Kneipen und Bardichte ist nirgendwo in Oldenburg so hoch, für jeden Geschmack ist hier etwas zu finden. Cocktails trinken, ein bisschen Headbangen im Heavy Metal-Lokal des Vertrauens oder gemütlicher Loungemusik lauschen, hier liegt alles nur Sm auseinander. Mindestens zweimal im Jahr ist hier kaum ein Durchkommen: Die frühjährliche Wallringsause und das spätsommerliche Stadtfest zeigen die Innenstadt im feierlichen Ausnahmezustand.
Vom Waffenplatz über die Wallstraße fahrt der Weg direkt zu Oldenburgs Wahrzeichen, dem Lappan. Heute eher der Begriff für eine dicht befahrene Bushaltestelle, ist dieser uralte kleine Turm ein Zeichen für die Beständigkeit der Stadt, überlebte dieser doch einen Großbrand im 16. Jahrhundert, der alle anderen Gebäude dem Erdboden gleich machte. Damals noch als Turm eines Hospitals genutzt, ist der Lappan heute die große Uhr der Innenstadt.
Loft
Unsere erste Station im Oldenburger Nachtleben war das Loft, eine Mischung aus Bar, Lounge und Club. Das Loft ist eine oldenburgtypische Disco, denn dadurch, dass die Häuser in der Innenstadt sehr alt sind, kommt es einfach häufig vor, dass Diskotheken in den Keller verlegt werden. Der Club ist recht klein, weswegen das Ambiente zwar nicht spektakulär ausgefallen ist, aber sehr gemütlich und trotzdem modern. Die Musik kann man durchaus als sehr gut bezeichnen, wenn man die Bandbreite von Charts bis Gassenhauern aus den 80ern mag. Das Publikum ist gemischt und gemischt bedeutet, das von Studenten bis Mitdreißiger (manchmal kann das auch ein und dieselbe Person sein) alles vertreten ist. Die Preise sind absolut human und studententauglich, weswegen das Loft ein besonders guter Start ist, um des kulturelle Nachtleben beginnen zu lassen.
Das Amadeus
Das Ama ist in Oldenburg eine absolute Institution, sein Ruf eilt ihm stets voraus. Früher eher als Laden für düstere Typen mit langen Ledermänteln verschrien, ist es heute eine Disco für jeden. Die Musik variiert von HipHop bis Punk und wieder zurück mit Zwischenhalt bei Robbie Wilhams, ist vor allem aber rocklastig. In die Deko wurde nicht viel Geld gesteckt, im Ama machen Publikum und Musik die Atmosphäre, dafür sind die Preise freundlich. Für Leute mit voyeuristischer Ader ist der Laden ganz besonders zu empfehlen, denn es gibt einen zweiten Stock, von dem aus man sehr schön die komplette Tanzfläche im Blick hat, was gerade zu später Stunde ein großer Spaß ist.
Civa
Das Civa ist gerade bei den Jugendlichen der absolute In-Laden und zu fortgeschrittener Stunde immer stark gefüllt. Kleiner Tipp: Am Anfang des Abends schon mal hingehen und einen Stempel holen, das erleichtert den Wiedereintritt wenn die Party richtig losgeht. Das Civa ist auf Südsee getrimmt, viel Bambus, Grün und Gelb, wobei das Thema zwar erkennbar ist, aber trotzdem nebensächlich wirkt. Gespielt wird vor allem House und Blackmusic, aber auch Kurt Cobain Fans haben manchmal Glück und können ihre Matte schwingen. Die Preise sind gesalzen, entschädigt wird man aber mit einer der wenigen Abgeh-Locations in Oldenburg, denn das Civa ist vor allem Disco, nicht Bar oder Lounge. Das Publikum könnte man von 15 – 25 einordnen, die Jugend übernimmt aber gerade in den Anfangsstunden des Abends das Kommando, weswegen man ungefähr den Weg gehen sollte, den wir gegangen sind.
Metro
Als letzte Station steht für uns das Metro auf dem Programm, wieder einmal eine Kellerdiscothek. Wer sich traut, die Treppe hinunter zu gehen und die schwere Stahltür zu öffnen, den erwartet die kleinste der vorgestellten Discotheken. Auf ihren drei Ebenen kann man tanzen, sich entspannt unterhalten und kickern. Die Musik ist vielseitig und individuell, neben Rocknummern und Elektrosounds ist hier auch Experimentelles zu hören, lasst euch überraschen. Wer öfter ins Metro geht, wird darüber hinaus feststellen, dass es nur zwei Zustände gibt, jeweils im Extremen:
Entweder das Metro ist extrem leer oder es ist extrem voll. Aber welche Disco kann von sich behaupten, dass man sowohl entspannen als auch abfeiern kann?
Neben diesen schönen Lokalitäten gibt es in Oldenburg einige Feste die man sich im Jahr nicht entgehen lassen sollte. Dazu gehören das Stadtfest, die Wallringsause und der berühmte Kramermarkt, das Volksfest, dass jährlich knapp 1,2 Millionen Gäste anzieht.
Ihr seht also, Oldenburg ist eine Stadt, die nicht nur einen Besuch wert ist und wir hoffen, dass unser Guide euch dazu veranlasst, diese schöne Stadt mit eurer Anwesenheit zu beehren.
von Sebastian Dargel, Melanie Ehlert, Stefan Hirsch und René Kohn

Bilderalbum
uniVista No. 01: Oldenburg [2]
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Oldenburg
Datum: 23. Oktober 2006
Rubriken: Artikel,Melanie Ehlert,No 01 - Oktober 2006,René Kohn,Sebastian Dargel,Stefan Hirsch,unterwegs
Adresse: http://www.univista.de/2006/10/23/oldenburg/
Links im Artikel:[1] direkt zum Picasa-Webalbum - http://picasaweb.google.de/115273602157157978866/UniVistaNo01Oldenburg?feat=directlink
[2] Bild - https://picasaweb.google.com/115273602157157978866/UniVistaNo01Oldenburg