Fünfzehn Jahre im Gegensatz zu fünf Tagen. Fünfzehn Jahre sieht Vittorio Kowalski seine Jugendliebe Anni nicht mehr, welche wohnhaft in seinem Ferienort der Kindheit ist. Fünfzehn Jahre lang studiert er das Wetter in besagtem Ort und kann sich an jeden Tag erinnern. Überredet zu einem Auftritt bei “Wetten, dass…” wird er zwar Wettkönig, muss sich aber der Erinnerung stellen: Wie war das Wetter vor 15 Jahren, was überschattete die unbeschwerten Ferientage, dass er seine Jugendliebe so lange nicht mehr sah?
Dieser Roman ist kein simpler Liebesroman. Es ist ein Interview. Wolf Haas wird von einer Journalistin der “Literaturbeilage” an fünf Tagen über das imaginäre, oben beschriebene Buch interviewt. Dabei erfährt man nicht nur den Ablauf der „wahren Begebenheit”, auf der das Buch beruht, der Leser kriegt auch vieles über die Gedankenwelt und das Handwerk des Autors mit. Und dabei schafft er es, Spannung aufzubauen und den Leser wünschen zu lassen, das fiktive Buch in Händen halten zu können.
Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren (Gewinner des Wilhelm-Raabe Preises)
Signatur: 373 27
von Julia Stock