Wettbewerbe und Stipendien versprechen nicht nur ein dickes Plus auf dem Konto, sondern auch große Anerkennung und einen Blickfang für den Lebenslauf. Das Vorurteil, dass dabei nur Musterstudenten mit dem Schnitt 1,0 eine Chance haben, trifft dabei nur bedingt zu. Gute Noten sind sicher von Vorteil, aber nicht alleiniges Kriterium.
Gerade bei den Studentenwettbewerben, welche von Bundesministerien, Botschaften, Stiftungen oder Zeitschriften sowie vom deutschen Studentenwerk ausgeschrieben werden, ist zu erst einmal Kreativität gefragt. Es werden Aufsätze zu bestimmten Themen, eine Kurzgeschichte oder auch die Gestaltung eines Plakats, das Drehen eines Films oder die Entwicklung eines Spiels gefordert. Es ist also für jeden etwas dabei und die Mühe lohnt sich. Die Preise reichen von 500 Euro bis hin zu 10 000 Euro, ganz abgesehen von dem Prestige, das jeden Gewinner durch einen solchen Preis erwartet. Zudem wird meistens nicht nur der erste Platz ausgezeichnet, sondern auch der zweite und dritte. Trotz der oftmals hohen Summen, welche ausgeschrieben werden, ist die Beteiligung an solchen Wettbewerben in der Regel eher gering, was wohl daran liegt, dass die meisten Studierenden von der Existenz dieser Bewerbe gar nicht wissen. Die Chance also, einer unter wenigen oder sogar der Einzige zu sein, ist somit nicht gering. Mitmachen lohnt sich in jedem Fall. Weitere Informationen zu den aktuellen Ausschreibungen findet ihr am Ende des Artikels.
Stipendien sind in Deutschland noch nicht so populär wie zum Beispiel in den USA. Aber es gibt Bemühungen unserer Bundesbildungsministerin, Anette Schavan (selbst Stipendiatin der Konrad Adenauer-Stiftung), eine möglichst hohe Zahl von StudentInnen durch die 11 großen Begabtenförderungswerke zu fördern. Die aktuelle Quote liegt bei 0,7 % aller Studierenden und soll auf 1 % erhöht werden. Die Begabtenförderungswerke haben so viel Geld wie selten zuvor. Die Möglichkeit ist also günstig. Auch unsere Uni hat jüngst 20 Stipendien ausgeschrieben, welche den Auserwählten die Studiengebühren ersparen. Doch eine einmalige Zahlung ist eher untypisch für diese Art von Förderung.
Die Stipendien, welche vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMF) und von verschiedenen Begabtenförderungswerken (z.B. Konrad Adenauer-Stiftung, Friedrich Ebert- Stiftung, Heinrich Böll-Stiftung, Cusanuswerk u.v.m.) vergeben werden, enthalten eine monatliche Unterstützung von bis zu 525 Euro, je nach Einkommen. Hinzu kommt noch Büchergeld in Höhe von 80 Euro pro Monat. Die inländischen Studiengebühren sind nicht Teil des Stipendiums. Die finanzielle Förderung ist jedoch längst nicht alles: Ebenso ist eine ideelle Förderung Bestandteil eines Stipendiums bei den großen Stiftungen. Den Stipendiaten wird persönliche Beratung bei Studienfragen und Berufsfindung geboten. Zudem werden eine Vielzahl von Seminaren nur für die Stipendiaten organisiert, welche für eine umfangreiche zusätzliche Bildung sorgen und die Möglichkeit beinhalten sich mit anderen Studenten anderer Fachrichtungen auszutauschen und Netzwerke zu bilden. Die Reisekosten, welche für die Seminare anfallen, werden dabei von der Stiftung übernommen. Eine Bewerbung sollte möglichst früh im Studium geschehen. Bereits Abiturienten können sich für eine Studienförderung bewerben. Es wird empfohlen, dass man sich ab dem 2. bis zum 4. Semester bewirbt. Als Faustregel gilt, dass der Bewerber noch nicht 2/3 seiner Studienzeit rum haben sollte.
Bei Bachelorstudenten, welche den Master ranhängen wollen, gelten noch einmal andere Maßstäbe. Auswahlkriterien sind neben überdurchschnittlichen Studienleistungen (1-2 im Notenschnitt) auch ehrenamtliches Engagement in Kirche, Verein und/oder an der Uni etc. Denn die Begabtenförderungswerke wollen Biographien fördern, keine Karrieren und das induziert, dass das Verantwortungsbewusstsein junger Menschen einen hohen Stellenwert hat. Aus diesem Grund sollte man sich auch mit den Grundsätzen der Stiftung identifizieren können, bei der er oder sie sich bewirbt.
Nähere Informationen zu den Begabtenförderungswerken und den einzelnen Stiftungen könnt ihr auf den jeweiligen Homepages finden. Wer nicht die Möglichkeit hat, sich im Internet zu informieren, kann sich auch innerhalb der Hochschule an den Referenten für Forschungsförderung Lars Hoffmeier (E021) wenden. Außerdem sind an der Hochschule zwei Stiftungen mit jeweils einem Vertrauensdozenten vertreten. Das ist zum einen Prof. Dr. Joachim Kuropka, Vertrauensdozent für die Konrad Adenauer-Stiftung, zum anderen Prof. Dr. Martin Winter, Vertreter der Hans Böckler-Stiftung.
Bewerben lohnt sich in jedem Fall. Denn entgegen der langläufigen Meinung, dass sich da bestimmt Tausende bewerben und man sowieso keine Chance hat, ist die Bewerberzahl auch bei den großen Stiftungen eher gering, gemessen an der Gesamtzahl der Studierenden im Bundesgebiet. So haben sich bei der Konrad Adenauer- Stiftung im vergangenen Jahr 1072 Studenten beworben, von denen letztlich 392 in die Stiftung aufgenommen wurden. Die Chance steht also nicht schlecht. Wer dennoch glaubt, dass er bei keiner der oben genannten etablierten Stiftungen eine Chance hat, für den gibt es auch noch unbekannte, kleine Organisationen, die Stipendien teilweise nach Ortszugehörigkeit oder Studiengang vergeben. Beispiele hierfür sind: Für die Historiker und Archäologen die Gerda Henkel-Stiftung
(
www.gerda-henkel-stiftung.de [1]), für arme Ärztekinder der
Hartmannbund (
www.hartmannbund.de [2]), für diskriminierte Examenskandidaten die
Peter Fud-Stiftung, für Studenten mit Migrationhintergrund etwa die
Vodafone-Stiftung (
vodafone-stiftung.de [3]) u.v.m. Es lohnt sich also einfach mal, bei Google das Stichwort Stipendium einzugeben. Und auch hier zählt, ähnlich wie bei den Wettbewerben: Wer wagt, der gewinnt. Neben den bereits oben genannten finanziellen Vorteilen eines solchen Stipendiums ist auch die karrierefördernde Wirkung nicht zu unterschätzen. Viele Politiker wie Ex-Kanzler Schröder oder Oskar Lafontaine sind beispielsweise Stipendiaten und auch die Sprecherein der Tagesschau (Petra Gerster) ist in ihrer Studienzeit in den Genuss der Begabtenförderung gekommen.
Auch für Doktoranten oder solche, die es werden wollen, gibt es die Möglichkeit, über die Stiftungen gefördert zu werden (Graduiertenförderung). Innerhalb der Hochschule sind die KFN (Kommission für Nachwuchsförderung) und auch die KFG (Kommission für Frauenförderung und Gleichstellung) für diese Form von Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zuständig.
Also Vorteile über Vorteile für vergleichsweise wenig Aufwand. Deshalb: Traut euch und bewerbt euch! Letztlich könnt ihr nur gewinnen.
von Stefanie Bruns