Um ehrlich zu sein, habe ich den Sinn dieses Spiels nun wirklich nie verstanden, aber gut, der Kleiderschrank einer Frau mag dem einen oder anderen auch ein Rätsel aufgeben. Nun ist das WM-Jahr rum und die Euphorie über die Ballkunst hat sich ebenfalls gelegt. Geblieben ist die Bundesliga und ein Mysterium, welches mich jedes Wochenende erneut den Kopf schütteln lässt. Fast möge man glauben, mit Eintritt in den Freitagabend entwickeln sich friedliebende, kultivierte Männer in Wesen, die die Tatsache, dass der Mensch vom Affen abstammt, immer wieder deutlich in Erinnerung rufen möchten. Dabei stellen sich mir als Beobachterin immer wieder dieselben Fragen: Wieso stört es sie eigentlich nicht, sich gegenseitig die Genitalien auf dem Feld zu kraueln bzw. sich liebevoll den Hintern zu tätscheln, wenn sie gleichzeitig im Alltag schon bei der Andeutung „homo…“ häufig dazu neigen, Ausschläge zu entwickeln. Weshalb gleicht die Jubelszene im Duschraum des Bundesligameisters einem einschlägigen Videothekenfilm, während gemeinsames Duschen sonst wohl eher Mangelware ist. Und warum eigentlich gibt es im Schalker Stadion ein Taufbecken?? Glauben die Männer tatsächlich, wir würden es zulassen, dass unser Erstgeborener in einem nach Fußschweiß riechenden Gewölbe auf den Namen Rudi getauft wird??? Fragen, die wohl ewig ihre Antwort suchen. Interessant ist auch die Sicht auf den Frauenfußball. Eigentlich müsste doch eine Fußballspielende Frau das perfekte Gegenstück zu ihnen sein. Keinen Samstag mehr ewiges Bummeln, stattdessen Kicken auf dem Bolzplatz und Entgegenfiebern der 18:00 Uhr Sportschau.

Kein ewiges Fragen nach dem Sinn eines Ballspiels, stattdessen gemeinsames Komponieren weiterer Stadienhymnen und auch in den heimischen vier Wänden kann die Erotik durch einen fröhlichen Trikottausch und Vorstoß in den Strafraum am Leben gehalten werden. Allerdings scheint die Nachfrage in diesem Bereich eher gering zu sein. Was tun? Anfreunden mit dem Lederfeind? Lächeln und Nicken lautet wohl die Devise, denn schließlich können wir uns ausgiebig revanchieren, wenn der Liebste dann einen Marathon von Gilmore Girls, Desperate Housewives und Grey´s Anatomy ertragen darf…und wird!
von Britta Simon
Was eigentlich ein Männerthema ist, war zumindest zur WM ein Thema für alle. Das schönste Spiel der Welt, im Alltag eigentlich kein Spiel, sondern eher eine gesunde Mischung aus Krieg und Religion, der Fußball. Was war das doch schön, als der Bäckermeister-Jürgen seine Jungs über den Rasen schickte und Mann und Frau gemeinsam eine schöne Zeit hatten. Doch was war es danach überraschend, dass Frauen dem Bundesliga-Alltag so gar nichts abgewinnen konnten. Der frühe Samstagabend wurde wieder zum Abenteuer, denn die Sportschau war nicht länger ein geduldeter Gast in hiesigen Wohnzimmern und die Männer stellten sich die Frage, wie Frau es denn schafft, ihren Schalter so schnell umzulegen? Hass, Liebe und dann wieder Hass? Sehr merkwürdig. Was ist da denn los, verdammt? Hassen die Frauen wirklich dieses von Gott gegebene Spiel und haben während der WM nicht wirklich den Fußball sondern dieses Sommermärchenhafte Feeling genossen? Fragen über Fragen. Leider ist es aber wohl Letzteres. Die meisten Frauen (ja genau, einige wenige sind sogar ausgeschlossen!) haben nicht den Spaß an ihren besoffenen Männern und den Bällen auf dem saftigen Grün gefunden, sondern ganz einfach an dem Spaß den diese Wahnsinnveranstaltung verbreitet hat. Und wahrscheinlich war es auch einfach das friedliche Miteinander und das alle (zumindest fast alle) auf der Seite ein und derselben Mannschaft standen. Vielleicht ist aber das Verständnis nicht da, das, zumindest für 90 Minuten, die besten Freunde zu den größten Feinden werden. Ich für meinen Teil, verstehe die Frauen nach der WM weniger als vorher…allerdings habe ich einen Deal ausgehandelt! Samstagabend wird nicht über Fußball gemeckert und ich schaue im Gegenzug „Desperate Housewives“. Nur ein Scherz, so einen Muff schau ich mir nicht mal mit vorgehaltener Pistole an! Kann es sein, dass genau diese Einstellung uns den Hass auf den Fußball einhandelt?
Mann weiß es nicht. Frau sicher.
von Sebastian Dargel