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uniVista im Gespräch mit dem StuPa-Präsidenten
Kurz vor Weihnachten trafen wir Eugen Reck, Präsident des Studentenparlaments und fragten nach, was das eigentlich ist: das Studentenparlament oder im Uniabkürzungsdeutsch: StuPa. Und was eigentlich macht der Präsident selbst? Wie steht er zu aktuellen Themen, etwa zum Boykott 2007, zu der Master- Problematik? Heraus kam ein offenes Gespräch, das weder kritische Töne noch Selbstkritik missen ließ.
Zunächst einmal das, was man fragen muss, wenn man an der HS Vechta studiert: Warum Vechta?
(lacht) Das frage ich mich schon die ganzen letzten sieben Semester. Nein, ehrlich: Vechta ist einfach eine tolle Stadt. Tolles Umfeld hier, dieses Familiäre, Kleine.
Also schon eine bewusste Entscheidung gewesen, nach Vechta zu kommen? Oder lieben gelernt?
Zur Person:
Eugen Reck, 23 Jahre alt
Umweltwissenschaften (7. Sem.)
StuPa-Präsident seit einem Jahr
Nein, nein, schon bewusst. Das Studium hier hat mir zugesagt, bereits im Vorfeld, als ich das Curriculum gelesen habe. Von daher war Vechta eine gute Lösung.
Bist du noch in anderen Gremien außer im Studentenparlament aktiv?
Ja, ich bin der ZKLS (Zentrale Kommission für Lehre und Studium), mittlerweile, ich glaube, im zweiten Jahr.
Kommen wir zu deiner Beschäftigung im Studentenparlament: Wie kam es dazu, dass du ins StuPa gekommen bist?
Ich wurde von so einer Art Fachrat Umweltwissenschaften angesprochen. Bei uns hat sich das so ergeben, dass wir relativ zeitnah, nachdem unser Studium begonnen hatte, erfahren haben, dass wir eine auslaufende Betreuung erhalten. Da kamen dann höhere Semester auf mich zu und meinten, wir bräuchten frische Leute in den Gremien, damit auch unsere Belange mit vertreten werden und ein ordentliches Studium gewährleistet wird.
Wie plötzlich kam die Präsidentschaft auf dich zu?
Ja, die kam in der Tat plötzlich. Ich war ja nur studentischer Vertreter und wurde dann von den alten Hasen, die noch drinnen waren, angesprochen.
Es wurde also eher an dich herangetragen?
Ich habe nicht danach geschrien: Ich möchte unbedingt! Aber es macht mir Spaß… Ich bin in diese Position hineingewachsen. So ein Amt ist auch nicht gerade einfach. Man muss die ganzen Formalia drauf haben, früher oder später. Ich habe mir aber von vornherein gesagt, wenn du Präsident bist, dann machst du eine eigene Politik, mit der sich die Leute identifizieren können. Auch wenn das manchmal etwas unbürokratischer zugeht.
Wie kann man sich das denn vorstellen: den Alltag eines StuPa-Präsidenten?
Jetzt zur Weihnachtszeit relativ stressig. Am letzten Freitag war dann auch die Examensfeier, der ich auch tatkräftig zur Seite stehen durfte. Als StuPa-Präsident hat man meist auf solchen Veranstaltungen ein studentisches Grußwort zu halten, deswegen sollte das Bedürfnis eine Rede zu halten auch da sein.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den anderen Gremien an der Uni? Beispielsweise mit dem AstA. Wie kann man sich das vorstellen?
In dem letzten Jahr, in dem ich StuPa-Präsident gewesen bin, war die Zusammenarbeit sehr gut. Ich bin in die Strukturen eingeführt worden, die mir vorher so nie bekannt waren.
Zu dem StuPa im studentischen Alltag: Wann wende ich mich als Student eigentlich ans StuPa?
Quasi immer, wenn du denkst, du wirst in deinem Studium falsch behandelt Wir haben zum Beispiel gerade relativ zeitnah ein Problem, und zwar geht es um die Leute, die in den Master of Education gewechselt haben. Das Zeitproblem ist so gravierend ist, dass es mittlerweile Gespräche mit Frau Rieken und Herrn Jungwirth gegeben hat. Und es wurde festgestellt, dass zwei Semester für so ein kompaktes Studium, mit Fachpraktikum dazwischen und Masterarbeit gleich im Anschluss und im Vorfeld zig Referate und Klausuren einfach nicht zu schaffen sind.
Also man hat eine Prüfungsordnung erstellt, ohne darauf zu achten, ob die auch realisierbar ist?
Nein, nein. Die Hochschule selbst hat damit relativ wenig zu tun. Sie kriegt einen Rahmen vom Land, welches sagt: In zwei Semestern müsst ihr das alles durchpauken, was wir uns vorstellen. Frau Rieken sagte mir, sie hätte mit dem Staatssekretär gesprochen, der wiederum meinte: Alles klar, wir können auf drei Semester gehen, aber dann können wir auch gleichzeitig tausend Lehrer weniger einstellen, weil die Absolventen durch einen dreisemestrigen Master in eine höhere Besoldungsstufe kommen. Das ist ein ganz einfaches Rechenspiel. Und da bitten Frau Rieken und Herr Jungwirth auch um eine breite Front in der Studentenschaft… Solchen Problemen versuchen wir dann Herr zu werden, indem wir Komissionen zu solchen Problemstellungen bilden, die dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten (Stichworte im Fall des Masterstudiengangs sind etwa Veränderungen am Modulaufbau sowie bei den Leistungsnachweisen) konstruktive Lösungen suchen und die Vorschläge sodann an die ZKLS weiterreichen.
Das StuPa hat also durchaus Einfluss?
Ja, das StuPa ist ein ausführendes Instrument. Von uns geht eine Initialzündung aus bzw. von den Studierenden.
Also, man kann schon sagen: Ihr vom StuPa seid die fleißigen Arbeiter im Hintergrund, die auch durchaus entscheidungsbefugt sind. Davor steht dann etwa der AStA, der in der Regel ja der Ansprechpartner für die Studenten ist. Kann man das so sagen?
Ich würde das gar nicht so abtrennen. Natürlich macht der AStA viel Öffentlichkeitsarbeit. Und viele gehen erst einmal zum AStA, wenn sie Probleme haben, da sie auch feste Sprechzeiten haben.
Die hast du nicht?
Da hat mich noch nie jemand drauf angesprochen. Ich bin quasi immer in der Sprechstunde. Sprecht mich an! Das ist kein Thema. Also das StuPa ist öffentlich!
Vielen ist auch gar nicht bekannt, dass man als Öffentlichkeit an den Sitzungen des StuPas teilnehmen kann?
Ja, das ist richtig. Jedes Mal wird das mit auf die Einladungen drauf geschrieben. Vielleicht spiegelt sich darin der politische Verdruss wider. Viele kommen halt nur, wenn sie aktuell ein Problem haben. Wenn natürlich alles gut läuft, dann machen sich die wenigsten die Mühe, beispielsweise an Sitzungen von uns teilzunehmen. Das ist natürlich falsch, da es immer was zu tun gibt. Ich würde mir schon wünschen, dass mehr Öffentlichkeit vertreten wäre.
Du hast die Politikverdrossenheit angesprochen. Immerhin gab es im letzten Jahr eine regere Wahlbeteiligung, ganze zehn Prozent mehr als zum Vorjahr, also über zwanzig Prozent. Aber das ist ja immer noch erschreckend gering. Wenig Rückhalt aus der Studentenschaft, die ja letztlich auch euch bestätigt in der Arbeit, die ihr macht. Was fehlt hier?
Ich würde sagen, es fehlen uns die Mittel. Es wird andererseits schon seit Jahren immer wieder beschlossen, dass wir eben mit geringen Mitteln werben wollen. Die Uni soll nicht plakatiert werden.
Also keine Atmosphäre der Konkurrenz?
Wir wollen ein StuPa schaffen, das wirklich zusammen arbeitet. Man könnte natürlich einiges machen. Ich habe in der Wahlkommission vorgeschlagen, ein Online-Voting einzuführen, das auch den Etat nicht allzu sehr belastet und darüber hinaus an anderen Unis praktiziert wird. Das Online-Voting erscheint mir eine ganz praktikable Lösung für eine höhere Beteiligung, wird wahrscheinlich aber erst in ein, zwei Jahren kommen. Ich hoffe natürlich, dass auch ohne diese Möglichkeit, die Wahlbeteiligung bei den kommenden Wahlen wieder ein wenig steigen wird.
Noch ein paar Worte von dir zum Boykott 2007, der ja nun unmittelbar bevorsteht.
Ich war auf der Vollversammlung, die ich insgesamt als gelungen empfunden habe. Ich selbst werde am Boykott 2007 teilnehmen.
Dein Tipp, wie viele machen mit?
Ich hoffe, wir schaffen die tausend. (grübelt)
Noch einmal zum Fastschluss dieses Gespräches: Warum sollten sich Studenten engagieren in studentischen Gremien? Was hat er/sie davon?
Erst einmal glaube ich, dass man alles, was man vorgesetzt bekommt, hinterfragen sollte. Wer hier nicht nachfragt, ist selber schuld. Allein deswegen sollte jeder zur Wahl gehen. Man muss sensibilisiert werden für die Probleme auf dem Campus. Letztlich bekommt aber auch jeder aktive Student im Studienbetrieb mit, was falsch läuft, seien es überfüllte Räume, Probleme mit den Dozenten. Diese Stimmen brauchen wir. Studentische Gremien und Organe leben vom Input.
Eugen, wir danken dir für das Gespräch.
Das Interview führten René Kohn und Stefanie Bruns
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: uniVista im Gespräch mit dem StuPa-Präsidenten
Datum: 29. Januar 2007
Rubriken: Artikel,Interviews,mit Aktualität,No 03 - Januar 2007,René Kohn,Stefanie Bruns,uniVista im Gespräch
Adresse: http://www.univista.de/2007/01/29/univista-im-gespraech-mit-dem-stupa-praesidenten/