Adieu, StudiVZ!

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Vor ein paar Wochen habe ich meinen Account im StudiVZ gelöscht. Es kostete einige Überwindung, denn im Laufe der Zeit waren auch viele Personen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis dort versammelt, und Kommunikation ist dort ja so schön einfach. Man stellt in interessenorientierten Gruppen fest, welcher der Kommilitonen auch gerne „Monk“ schaut, kann sich in der Jakki-Gruppe über die bildungsferne Schicht amüsieren, und herausfinden, ob das Mädel, welches letzte Woche in einem Seminar ein Referat hielt, solo ist.
An sich ist das StudiVZ ja auch eine nette Idee, doch das Berliner WG-Startup, Ausdruck von Web 2.0 schlechthin, brachte so seine Probleme mit sich. Anfangs häuften sich die „Kaffeepausen“, sofern die Server überhaupt mal erreichbar waren. Einer der Gründer des VZ lud zu seiner Geburtstagsparty mit einer Imitation des NS-Propagandablattes „Völkischer Beobachter“ und veröffentlichte auf YouTube Videos von fremden Frauen, die er in der Berliner UBahn und bei einer Party auf dem WC filmte. Vielleicht wollte er mit Letzterem die Nähe zu den 700 Nutzern des VZ ausdrücken, die einer Gruppe zugehörten, die mitunter nicht öffentliche Bilder von Nutzerinnen verlinkten und die Miss StudiVZ des Monats kürten. Der Preis: von allen Gruppenmitgliedern gegruschelt werden. Als jemand Beschwerde über diese Gruppe einreichte, wurde der Gründer der Gruppe gebeten, die Beschreibung der Gruppe zu entschärfen – zugleich wurde um eine Einladung für einen der StudiVZ-Gründer in die Gruppe gebeten. Zudem, das Feature, dass man sieht, in welcher Verbindung man zu einem Nutzer steht, hatte, als es noch keine Captchas (Sicherheitsabfrage, um zwischen Computer und Mensch zu unterscheiden, siehe Screenshot) gab, auch seine Nachteile: das so genannte Crawling. Ein Programm durchforstet mit einem Account die Profile und erstellt Statistiken sowie Soziogramme.
sog. Captcha im StudiVz
Anfang des Jahres wurde das StudiVZ von Holtzbrinck Ventures, einer Tochterfirma des Holtzbrinck Verlages, übernommen, für eine Summe im zweistelligen Millionenbereich. Man möge sich doch fragen – wieso investiert ein Unternehmen eine derartige Summe in ein Projekt, welches momentan eher nur Kosten verursacht – Server, Supportmitarbeiter etc. kosten schließlich auch Geld. Neben Holtzbrinck sind unter anderem auch noch die Samwer-Brüder am VZ beteiligt, die vor einigen Jahren „Jamba!“ gründeten. Ob man sich diesen Menschen mit seinen Daten anvertrauen will, ist wohlmöglich eine berechtigte Frage.
Vor ein paar Wochen wurde in einigen Blogs gemeldet, dass man im Netz nicht zuviele Daten über sich preisgeben soll. So wurde in einem Artikel gar vom „Karrierekiller StudiVZ“ gesprochen. Denn auch wenn das gruscheln, Kontakte knüpfen und die Planung der nächsten Party das Studentenleben angenehmer machen, kann man nicht davon ausgehen, dass jeder Nutzer des VZ auch wirklich ein Student ist. Schließlich genügen eine E-Mailadresse und ein bisschen Phantasie, um sich anzumelden. Da nützen auch die neuen AGB nichts, in denen mit Vertragsstrafen gedroht wird, falls man falsche Angaben macht: „Der Nutzer versichert, dass die bei studiVZ angegebenen persönlichen Daten (einschließlich Fotos der eigenen Person) der Wahrheit entsprechen und den Nutzer persönlich beschreiben.“ Es kann sich also gewissermaßen jeder anmelden und Personen ausspionieren, seien es die sexuellen Vorlieben, ob die betreffende Person ein zeitliches Problem mit universitären Veranstaltungen am Vormittag hat, oder ob sie die meiste Zeit damit verbringt, stoned in der Hängematte zu liegen.
Das Problem im Vergleich zu anderen Communities ist, dass diese Daten unweigerlich mit dem Realnamen des Nutzers verknüpft sind. Man hat keine wirkliche Kontrolle darüber, wer die Daten erfährt. Sperrt man dagegen sein Profil für andere User, geht andererseits auch der Reiz verloren.
Aber eine Frage stelle ich mir bis heute: Wo kann man bitte Facility Management studieren? In Vechta jedenfalls nicht.
von Björn Franke

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