1976 wird das erste Frauenhaus eröffnet. Den ersten Notruf für Vergewaltigungsopfer gibt es ´78. ´80 wird das Gesetz zur „Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz“ verabschiedet. Vergewaltigung in der Ehe ist seit ´97 strafbar. Am 22. November 2005 wurden wir sogar Kanzlerin.
In den letzten Jahren hat nichts so viele Umwälzungen angeregt wie der Feminismus. Wir sind näher an der Gleichberechtigung denn je. Warum also schämen wir uns unserer Vorkämpferinnen? Sind wir des Kämpfens, welches wir nur aus der Geschichte kennen, leid? Oder haben wir etwa das Gefühl, es gäbe nichts mehr zu tun?
Oder liegt es an unserem patriarchalistisch geprägten Bild von Feministinnen: ungepflegt, frustriert, unmodische, unattraktiv und bierernst?
Wenn wirklich das der Grund unserer peinlichen Berührtheit gegenüber ambitionierten Frauen (das Wort „Frauenrechtlerinnen“ wollte ich in diesem Zusammenhang nicht benutzen, ist es doch sicher ähnlich negativ besetzt) ist, bleiben uns nur zwei Handlungsmöglichkeiten: dem Feminismus den Rücken und zurück in die – dann selbstverschuldete – sozialpolitische Unmündigkeit kehren. Oder uns überlegen, wie wir die veralteten Bilder aufbrechen und verändern können.
Lasst uns überlegen, uns bewusstwerden, handeln. Verbinden, was uns gefällt – Musik, Literatur, Kunst, Lifestyle – und selbstbewusst für unsere Rechte eintreten. Werden wir aktiv, in E-Zines, auf Demos, in der (Hochschul-) Politik, im täglichen Leben. Lasst uns sagen, was wir denken, meckern, wenns uns passt, uns benehmen, wie es sich nicht ziemt. Immer mit dem Recht, weiblich sein zu können.
Ich starte den Aufruf zur neuen Weiblichkeit!
von Julia Stock