Kinder kriegen oder Karriere machen oder beides gleichzeitig? Diese Frage müssen sich junge Frauen heute wahrscheinlich mehr denn je stellen. Einerseits verlangt die Emanzipation und das eigene Selbstwertgefühl natürlich das Streben nach Höherem. Andererseits ist da die von den Medien propagierte „Pflicht“ zum Kinder kriegen. Denn ansonsten würden wir ja aussterben. So die feste Überzeugung mancher einflussreicher Medienmacher.
Doch wenn ich Karriere mache und ein Kind habe, bin ich eine Rabenmutter. Wenn ich Kinder kriege und für deren Erziehung zu Hause bleibe, bin ich „nur“ eine Hausfrau. Ich verdiene kein eigenes Geld mehr und das mit der Karriere kann ich wohl vergessen. Mache ich Karriere und verzichte ich auf Kinder, dann bin ich ein egozentrischer Mensch, der ja nur an sich denkt.
Egal, wie ich mich entscheide, es ist doch nie richtig. Denn etwas bleibt dabei immer auf der Strecke. Kulturoptimisten mögen jetzt einwenden, dass die Männer ja auch mithelfen können bei der Kindererziehung und überhaupt sei das ja eine Entscheidung von zwei Menschen. Letzteres ist sicher richtig. Doch gerade bei der Frage, wer den Erziehungsurlaub nimmt, ist unsere Gesellschaft nicht viel weiter gekommen. Männern, die es gern wollen, werden Steine in den Weg gelegt und die Bezeichnung „Hausmann“ findet bei den wenigsten Mitmenschen ein positives Echo. Die gesellschaftliche Realität sieht so aus, dass der Mann in der Regel den besser bezahlten Job hat und sein Ausscheiden aus dem Beruf undenkbar ist, da die Familie von dem Gehalt der Frau allein nicht leben kann. Denn Frauen verdienen auch im 21. Jh. weniger als Männer, selbst wenn sie die gleiche Arbeit verrichten und da hören die Ungerechtigkeiten noch lange nicht auf. Da eine Frau, warum auch immer, natürlich für die Versorgung der Kinder zuständig ist, stellen Arbeitgeber Mütter nur äußerst ungern ein. Bei Vätern haben sie dieses Problem nicht. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sinken also für eine Frau mit Kind rapide. Wenn man nicht gerade Ursula von der Leyen heißt, ist es auch mit der Kinderbetreuung nicht gerade zum Besten bestellt. Kindergartenplätze gibt es viel zu wenig, Tagesmütter kosten viel Geld und ein intaktes Familiennetzwerk, in dem Oma und Opa auf das Kind aufpassen können, ist heute nicht mehr die Regel. Denn ein Arbeitnehmer muss ja mobil und flexibel sein. Diese Schlagwörter wurden uns in den vergangen Jahren von Wirtschaft und Politik nur so um die Ohren gehauen. Die Folge davon ist nicht selten, dass Oma und Opa Hunderte von Kilometern entfernt leben.
In Art. 3,2 GG heißt es: „Frauen und Männer sind gleichberechtigt.“ Doch die gesellschaftliche Wahrheit ist eine andere. Die wiederbelebte Diskussion und die zahlreichen Publikationen zum Thema zeigen, dass es noch viel zu tun gibt, auch für die Generation nach Alice Schwarzer. Denn kaum haben wir uns an unsere Rechte gewöhnt und eine Frau an der Spitze der Regierung, fordert eine andere ihre Geschlechtsgenossinnen auf, wieder zurück an den Herd zu gehen und ihr Leben der Familie und dem Mann zu widmen. Das scheint mir mehr als paradox, zumal besagte Autorin selbst lieber karrierefördernd am Freitagabend eine Talkshow moderiert anstatt sich pflichtbewusst ihren Kindern und ihrem Mann zu widmen.
Sehen wir den Fakten ins Auge: auch wenn wir jetzt Bundeskanzlerin sind, so finden sich doch erschreckend wenig Frauen in führenden Positionen. Dies gilt sowohl für die Wirtschaft (laut DIW waren es im Jahre 2004 gerade mal 30 % weibliche Führungskräfte und gar nur 22% mit umfassenden Führungsaufgaben), als auch für den akademischen Bereich (so promovieren gerade mal 37,9% aller Studentinnen – Bilanz Chancengleichheit der Bundesregierung 2006).
Bezeichnend ist bei den Führungskräften auch, dass weibliche Führungskräfte in der Wirtschaft bis zu 33 % weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.
Im Fernsehen scheint die Welt in Ordnung. Die Frauen moderieren Nachrichtensendungen zur besten Sendezeit, leiten Diskussionsrunden, dürfen Kommissarin spielen und sogar die geheiligte Sportschau moderieren. Doch wer hinter die Kulissen schaut, sieht deutlich, bei wem die Macht liegt. Die Fäden ziehen nach wie vor die Männer. So gibt es selbst in den Öffentlich-Rechtlichen nur eine einzige Intendantin.
Doch damit nicht genug, dass Frauen nur einen geringen Anteil in den Führungspositionen haben. Sie müssen dann auch noch den Ansprüchen von Weiblichkeit genügen. Eine Frau muss also klug und sexy sein und darf in ihrem Führungsstil auf keinem Fall zu maskulin wirken. Es ist doch erschreckend, dass allen Ernstes im deutschen Fernsehen die Frage thematisiert wird, ob Frau Merkels Frisur dem neuesten Trend entspricht oder warum sie nicht wie Magret Thatcher einst eine Handtasche mit sich herum trägt. Diese wirklich lächerliche Diskussion über das Äußere unserer Regierungschefin zeigt doch nur allzu deutlich, dass sie zu dieser Zeit nicht ernst genommen wurde und wahrscheinlich von manchen Wegbegleitern bis heute nicht ernst genommen wird. So mussten wir nach dem Wahlsieg aus allen Mündern hören: Die kann’s doch nicht.
Egal, wo ich hinschaue. Die Frauen scheinen mir noch lange nicht gleichberechtigt gegenüber den Männern und ich denke, dass es noch lange dauern wird und noch viele Schlachten gefochten werden müssen bis es soweit ist. Es gilt, für unsere Rechte und Chancen einzutreten!
von Stefanie Bruns