Was das Quietscheentchen uns erzählen könnte
Was machen diese Wesen, die nicht mal merken, wenn wir Frauen eine neue Frisur, geschweige denn neue Schuhe haben, diese Wesen, die sich selber für total unkompliziert halten, die sich damit rühmen, ganz natürlich (schön) zu sein, die von sich behaupten, keine Beautyprodukte zu benötigen, was machen diese Wesen so lange im Bad?
Laut oben genannten Selbsteinschätzungen und nach dem von uns bemerkten Desinteresse dürften Männer höchstens 10 Minuten für die Morgentoilette brauchen. Betreten, Radio anmachen, Zähne putzen: zahnprophylaktisch- nett geschätzte 3 1/2 Minuten. Toilettengang: 1/2 Minute. (Immerhin brauchen sie auf Partys ja auch nicht länger und mokieren sich nur immer, dass sie auf ihre Begleiterinnen warten müssen.) Duschen, da ja nichts enthaart oder gepeelt wird, und abtrocknen: 3 Minuten. Die restlichen 3 Minuten sollten für den natürlich- schönen Mann ja wohl für Rasur und Styling reichen. Ob die lesende Männerschaft nun verlogen mit dem Kopf nickt und zustimmt? Ihr angeblich von der Natur sonnengebräuntes Gesicht beschämt senkt? (Obgleich uns Frauen die neue Niveawerbung eines Besseren belehrt.) Ihr penibel gestyltes Haar hinters Ohr streicht? Die manikürten Finger selbstgefällig über der babyweichen Haut des Bauches faltet?
Laut oben genannten Selbsteinschätzungen und nach dem von uns bemerkten Desinteresse dürften Männer höchstens 10 Minuten für die Morgentoilette brauchen. Betreten, Radio anmachen, Zähne putzen: zahnprophylaktisch- nett geschätzte 3 1/2 Minuten. Toilettengang: 1/2 Minute. (Immerhin brauchen sie auf Partys ja auch nicht länger und mokieren sich nur immer, dass sie auf ihre Begleiterinnen warten müssen.) Duschen, da ja nichts enthaart oder gepeelt wird, und abtrocknen: 3 Minuten. Die restlichen 3 Minuten sollten für den natürlich- schönen Mann ja wohl für Rasur und Styling reichen. Ob die lesende Männerschaft nun verlogen mit dem Kopf nickt und zustimmt? Ihr angeblich von der Natur sonnengebräuntes Gesicht beschämt senkt? (Obgleich uns Frauen die neue Niveawerbung eines Besseren belehrt.) Ihr penibel gestyltes Haar hinters Ohr streicht? Die manikürten Finger selbstgefällig über der babyweichen Haut des Bauches faltet?

Bin ich gehässig? Nein, ich erkenne die „Naturschönheit“ ja. Ich bin nur eines Besseren belehrt worden und weiß, dass männliche Wesen oft genau so lange oder länger im Bad brauchen wie wir. Nur, dass sie es nicht zugeben. Was uns Frauen unweigerlich auf dumme Gedanken bringen muss: wenn der Mann nur 10 Minuten in der Kacheloase braucht, aber 25 Minuten darin verbringt, was tut er dann da? Vorm Spiegel posen? Mitsingen? Den Abfluss mit unserer Zahnbürste reinigen? Die Kosmetika der Freundin/ Mitbewohnerin testen? Aus der Kloschüssel trinken? Sich selbst befriedigen?
von Julia Stock
Einen Moment für den Klassiker, bitte! Frauen im Bad. Ein abendfüllendes Gespräch, wozu es natürlich allein deshalb nicht kommt, weil es sich so schlecht sprechen lässt, wenn man nicht zusammen in einem Raum ist. Dazu noch Föngeräusche und Dirty Dancing-Mucke und alles ist arrangiert für die Ausrede fürs Zuspätkommen, natürlich dem männlichen Part zukommend. Ich versuch, oh mein Gott, ich versuch die Frauen jetzt einmal zu verstehen, weil ich gerade ein wenig Zeit habe.
Weil Sinnfragen auch immer mit einem Warum anfangen, will ich das mal dabei belassen: Warum also brauchen Frauen so lange im Bad? Weil wir in einer Welt leben, in der Frauen lange im Bad brauchen. Ganz einfach. Das ist nun mal so. Klingt ironisch. Also nehme ich es nicht einfach so hin und hinterfrage das, weil ich ja nicht nur ein Mann, sondern auch Student bin. Neugierig und kritisch… Was steckt dahinter? Eine Annäherung: Langes Haar zum Beispiel gilt immer noch eher als weibliches Attribut, will gewaschen, geföhnt und gebürstet werden. Hier müssen bereits die einzelnen Schritte näher beleuchtet werden, denn Waschen heißt nicht mal eben nur mit Shampoo. Nein, hinzu kommt eine Spülung und diese muss i.d.R. erstmal einwirken. Zu guter letzt gibt’s noch ne Kur. Doppelte Einwirkzeit. Auf dass es helfe! Und auch die weiteren Vorgänge sind nicht zu unterschätzen. Lange, nasse Haare brauchen neben Liebe auch Wärme und damit nicht alles aussieht wie Hulle, muss die Bürste her. Ok, zugegeben, es gibt auch Kurzhaarfrisuren. Nun gut, aber die behaarten Beine gibt’s ja auch und die Werbung, in der so nen samt-seidenes Tuch über dieses Körperteil gleitet, ohne zu rucken, auch. Behaarte Beine, das muss folgerichtig und um der Ästhetik willen natürlich geändert werden. Respekt! Vergleiche Mann einmal die Oberflächen von Gesicht und Beinen. Wer schön sein will, muss ja bekanntlich leiden.
Natürlich sind solche Betrachtungen oberflächlich und durch die Tiefe des Schlüssellochs – nein, ich bin kein Spanner, das soll lediglich ein Wortspiel sein – erkennt man natürlich mehr: Frauen im Bad, hierbei geht es um etwas ganz Besonderes, um innere Werte etwa, die wir natürlich nicht sehen, weil wir ja nicht hineingucken können. Welch Dilemma!
Aber ich bleibe oberflächlich und schließe ab: Mann wartet insgeheim ganz gern. Und: Vorfreude ist die schönste Freude.
Entnervt lege ich den Stift beiseite. Das war hart. Ich glaube, die Zeilen werde ich für mich behalten. Ich stehe auf, rufe ganz unbeherrscht und schon kurz vor hysterisch: Schatz, bist du bald fertig? Wir müssen los. Nein, wir hätten schon da sein müssen. Vor einer Ewigkeit. Von wegen Vorfreude. Einen Moment,…
Weil Sinnfragen auch immer mit einem Warum anfangen, will ich das mal dabei belassen: Warum also brauchen Frauen so lange im Bad? Weil wir in einer Welt leben, in der Frauen lange im Bad brauchen. Ganz einfach. Das ist nun mal so. Klingt ironisch. Also nehme ich es nicht einfach so hin und hinterfrage das, weil ich ja nicht nur ein Mann, sondern auch Student bin. Neugierig und kritisch… Was steckt dahinter? Eine Annäherung: Langes Haar zum Beispiel gilt immer noch eher als weibliches Attribut, will gewaschen, geföhnt und gebürstet werden. Hier müssen bereits die einzelnen Schritte näher beleuchtet werden, denn Waschen heißt nicht mal eben nur mit Shampoo. Nein, hinzu kommt eine Spülung und diese muss i.d.R. erstmal einwirken. Zu guter letzt gibt’s noch ne Kur. Doppelte Einwirkzeit. Auf dass es helfe! Und auch die weiteren Vorgänge sind nicht zu unterschätzen. Lange, nasse Haare brauchen neben Liebe auch Wärme und damit nicht alles aussieht wie Hulle, muss die Bürste her. Ok, zugegeben, es gibt auch Kurzhaarfrisuren. Nun gut, aber die behaarten Beine gibt’s ja auch und die Werbung, in der so nen samt-seidenes Tuch über dieses Körperteil gleitet, ohne zu rucken, auch. Behaarte Beine, das muss folgerichtig und um der Ästhetik willen natürlich geändert werden. Respekt! Vergleiche Mann einmal die Oberflächen von Gesicht und Beinen. Wer schön sein will, muss ja bekanntlich leiden.
Natürlich sind solche Betrachtungen oberflächlich und durch die Tiefe des Schlüssellochs – nein, ich bin kein Spanner, das soll lediglich ein Wortspiel sein – erkennt man natürlich mehr: Frauen im Bad, hierbei geht es um etwas ganz Besonderes, um innere Werte etwa, die wir natürlich nicht sehen, weil wir ja nicht hineingucken können. Welch Dilemma!
Aber ich bleibe oberflächlich und schließe ab: Mann wartet insgeheim ganz gern. Und: Vorfreude ist die schönste Freude.
Entnervt lege ich den Stift beiseite. Das war hart. Ich glaube, die Zeilen werde ich für mich behalten. Ich stehe auf, rufe ganz unbeherrscht und schon kurz vor hysterisch: Schatz, bist du bald fertig? Wir müssen los. Nein, wir hätten schon da sein müssen. Vor einer Ewigkeit. Von wegen Vorfreude. Einen Moment,…
von René Kohn
