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“Was für eine schöne Geschichte”
…lauten die Worte des Alchimisten, den Prolog schließend. Und ich möchte ihm nachsagen, dass er damit sogleich ankündigt, was folgt. Jetzt von pittoresker Literatur reden zu wollen, fiele mir natürlich nicht ein und mit Vokabeln wie spannend und interessant – wie einfallslos – fortzuführen, auch nicht. Wer den Alchimisten vom brasilianischen Beststellerautoren Paulo Coelho liest, die Geschichte um den Jüngling Santiago, einem einfachen andalusischen Hirten, der von Wahrsagern und Königen auf eine Schatzsuche geschickt wird, dem muss schon etwas Besseres einfallen. Vielleicht sollte ich davon erzählen, wie jemand seinem bisherigen Leben den Rücken kehrt, von den Menschen, die er nur deshalb trifft, weil er ersteres getan, von fernen Ländern, von Wüsten, Oasen, Pyramiden. Oder von Abenteuern, Liebe, Hoffnung, Sehnsüchten und Sinn. Von Stoffen also, die nur das Leben selbst weben kann, die man nur anprobieren muss, um sie auch wahrnehmen zu können. Das aber ist Bedingung bei dem virtuosen Literaturesoteriker Coelho, die Augen zu öffnen, die Sinne auf die Flut der Elemente vorzubereiten, die da noch kommen mögen. Was noch? Man könnte sagen, Coelho findet für alles Bilder, die nicht neu sein, aber erfahren werden wollen, Bilder schließlich, die man ausstellen könnte in einer Galerie des Lebens, eine im wahrsten Sinne des Wortes fabelhafte Ausstellung. Dass ich all das nur könnte und es doch letztlich getan habe, ist nicht zuletzt den weisen Worten Coelhos zu verdanken, der seinen Jüngling sogar ein Buch beiseite legen lässt, damit er die Welt erlebt. Was für ein zurückhaltender Autor. Man könnte abschließen, abschließen, den Stift ebenfalls beiseite legen und sich dem Alchimisten einfach nur anschließen: Was für eine schöne Geschichte.
Paulo Coelho: Der Alchimist
Signatur: 338538
von René Kohn
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: “Was für eine schöne Geschichte”
Datum: 26. April 2007
Rubriken: Artikel,No 04 - April 2007,Perlen der Bibo,René Kohn
Adresse: http://www.univista.de/2007/04/26/was-fuer-eine-schoene-geschichte/