Mord als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen…
Über den schwedischen Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell

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Der 1948 in Härjedalen geborene Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell ist der erfolgreichste und meistgelesene schwedische Autor der Gegenwart. Allein in Deutschland liegt seine Gesamtauflage bei über 11 Mio. verkauften Büchern, mehr hat bisher nur Harry Potter geschafft. Hier ist Mankell vor allem wegen seiner Kriminalromane um den Kommissar Kurt Wallander bekannt.
Wallander, ein nachdenklicher und schwermütiger Polizist, der so gar nicht dem Typ des aus der Hüfte schießenden Großstadt- Sheriffs entspricht, deckt bei seinen Mordermittlungen in dem schwedischen Nest Ystad (mit ca. 17000 Einwohnern deutlich kleiner als Vechta) immer auch soziale Tragödien und gesellschaftliche Missstände auf, die oft Folge von Rechtsradikalismus oder Einsparungen in Rechtssystem und sozialem Netz sind. Mankell, (dessen Name übrigens auf der zweiten Silbe betont wird) will dadurch zum Nachdenken anregen, Gesellschaftskritik üben, oder wie er selbst in einem Interview formulierte: „…den Spiegel des Verbrechens nutzen, um gesellschaftliche Entwicklungen zu beleuchten…“.
Bildnachweis: Ulla Montan / henningmankell.se
Foto: Ulla Montan / henningmankell.se
Dies gelingt dem 59jährigen Schriftsteller, ohne lehrerhaft oder aufdringlich zu wirken. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß, seine Romane zu lesen, sie sind spannend, Wallander wirkt so realistisch, als könnte man ihm in seiner kleinen Stadt tatsächlich begegnen. Die 9-bändige Kurt-Wallander-Reihe, die auch verfilmt wurde, sieht Mankell mittlerweile als beendet an. In seinen neueren Romanen ist Wallanders Tochter Linda die Hauptfigur. Unter seinen weiteren Werken finden sich nicht nur Krimis, sondern auch Kinder- und Jugendbücher, die zum Teil prämiert wurden. Der Junge der im Schnee schlief erhielt er 1996 den Astrid- Lindgren-Preis.
Viele von Mankells Geschichten sind in Afrika angesiedelt. Der Chronist der Winde handelt vom Leben afrikanischer Straßenkinder, Kennedys Hirn vom Umgang mit afrikanischen Aids-Kranken. Afrika bereist Mankell seit 1972 regelmäßig. Inzwischen verbringt er hier die meiste Zeit des Jahres, in Schweden hält er sich nur während der Sommermonate auf. In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, leitet er das Teatro Avenida, das einzige professionelle Theater des Landes. Die Theatergruppe, an deren Aufbau er seit 1985 beteiligt ist, spielt vorwiegend afrikanische Stücke, um die kulturelle Identität des Landes zu stärken. Zudem engagiert er sich in der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
von Stefan Hirsch

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