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Trinken hilft…
Der alkoholisierte zwischenmenschliche Kontakt zwischen Männern und Frauen

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Es ist ja so eine Sache mit dem Trinken – warum eigentlich? Haben wir doch schon so oft festgestellt, dass es fatale Folgen haben kann… insbesondere am nächsten Morgen, wenn man mal von dem unangenehmen Hämmern im gerade in Betrieb genommenen Dickschädel absieht. Es könnte das peinlichste Erwachen deines Lebens sein. Warum zum Geier tut man sich das an?
Und dann diese Theorie, man könne sich das andere Geschlecht schön trinken… nun gut, Männer können das vielleicht, wenn ich mir so manche Vertreterin des eleganteren Geschlechts anschaue, die an einem eigentlich viel zu schönen Mann dran klebt, bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass dieser seine Erkennungsfähigkeit schlichtweg ertränkt hat. Was vor zwei 0,4 l Long Island Ice Tea noch aussah wie ein fleischgewordenes Verhütungsmittel, kann in seiner Welt urplötzlich zu einem göttlichen Aphrodisiakum mutieren.
Aber wir Frauen machen doch so was nicht! Der Mann sieht noch genauso so aus wie vorher… und trinken wir noch so viel… er wird immer noch so aussehen. Und jetzt wird es nämlich interessant… meine Theorie ist: Frauen trinken sich gleichgültig! Ganz nach dem Motto: „Der ist doch nicht schön… aber egal, ich brauch jetzt ´nen Kerl“, fällt die betrunkene Frau über das vermeintliche Objekt ihrer Begierde her. Konsequenzen – Nebensache! Für die betrunkene Frau zählt nur der Augenblick, die Selbstbestätigung. Und hat man erst mal einen hässlichen, männlichen Rochen aus dem eh schon total überfischten nächtlichen Gewässer gezogen, ja herrje, dann kommt man sich doch wirklich einen Augenblick lang begehrenswert, gut aussehend und verführerisch vor, oder? Aber ist das das Erwachen am nächsten Morgen wert… die Erkenntnis, wenn sich der nebelige Dunstschleier im Gehirnskasten hebt, wenn das Herz kurz für einen Moment aussetzt und man mit weit aufgerissenen Augen die nächtlichen Taten Revue passieren lässt, oder dem Schrecken gar gegenüber liegt?
Bildnachweis: me
Foto: Melanie Ehlert
Naja, ihr könnt euch sicher sein, dass ihr in ein paar Jahren darüber lachen werdet, und ein bisschen Spaß ist auch gesund, aber abwägen solltet ihr schon und euch nicht unter Wert verkaufen… und jetzt könnt ihr euch mal überlegen, was es für ein Kompliment ist, wenn euch ein nüchterner Mann anspricht.
von Melanie Ehlert
Natürlich gibt es Prinzipien. Und es gibt Geschmack. Mein Prinzip: Ab einem bestimmten Pegel etwa keine Frauen mehr anzusprechen. (Ausnahme: Die, die man sicher kennt.) Mein Geschmack: Nehmen wir den Klassiker mit den blonden langen Haaren, Bikinifigur, schulterlang ist auch ok. Ach ja, und nicht zu vergessen: ein dufter Charakter.
Es gibt aber auch noch andere Prinzipien, etwa: Keine Uniparty ohne Bier. Und auch hier gibt’s Geschmäcker: nehmen wir das bremersche Heimatgebräu. Prost! Und nun wird’s interessant, wir befinden uns auf einer der berühmtberüchtigten Unipartys. Das letzte Prinzip macht das erste vergessen. Das kühle, blonde, prickelnde Nass steigt mir zu Kopf und lässt mich plötzlich oben beschriebenes weibliches Geschöpf einbilden. Aus zehn Metern Entfernung werden fünf. Dann ist sie nur noch einige Schritte entfernt. Irgendetwas in mir will sich mitteilen und mir etwas sagen. Ich kann es aber nicht genau hören, sondern nur die Musik, das Gerede und Gesinge um mich herum. Gute, ausgelassene Stimmung.
Mein Kumpel, der neben mir steht, schwankt. Oder soll es eine Art Tanz sein? Er macht eindeutige Anzeichen in seiner Gebärdensprache und seinem Mienenspiel: Komm schon, mach dich ran, die ist geil. Da hört man doch drauf, oder? Und die eigene Stimme sagt ja ohnehin nichts anderes mehr. Bis auf das unterschwellige Flüstern in meinem Kopf, eine zweite andere Stimme. Ich will dem inneren Monolog gerade Einhalt gebieten, will das Gewissen oder was auch immer als Spaßbremse be…, da vergess ich auch schon, was ich sagen will und denk auf einmal ganz wichtig: Wenn zwei Menschen das Gleiche sehen und denken, dann kann das nur objektiv der Wahrheit entsprechen. Oder? – Richtig. Die bierernste zweite Geige im trunkenen Chor hört eh keiner mehr.
Ich mache nun einen Schnitt. Der Absatz soll das noch mal verdeutlichen. Mittlerweile ist Zeit vergangen. Es ist morgens. Mir ist leicht schwindlig, ich habe Durst. Alles ist wie immer. Nur: dass ich feststelle, dass ich nicht allein in meinem Bett bin. Da liegt sie, und ich habe eine wage Erinnerung. Daran, dass alles irgendwie ganz anders gewesen ist. Denn eine blonde Bikinibekanntschaft liegt da nicht.
Ich höre das Lachen einer bekannten Stimme. Eher Gelächter. Es schwillt an, wird immer lauter. Irgendwann ist es schrill. Kaum noch auszuhalten. Der Wecker klingelt. Gott, hab ich Durst. In meinem Schädel hämmerts.
Ich drehe mich um, mache den Wecker aus, erleichtert bemerke ich, dass niemand da ist und ich meinem ersten Prinzip treu geblieben bin.
von René Kohn

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