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Wildeshausen – Die Alternative zu Schöner wohnen
Fotos: Björn Franke
Wildeshausen. Das klingt wild, prosaisch, und wie der Gegenentwurf zu Schöner Wohnen. Stehen hier die Regale, die Jaqueline in ihren Bann zogen? Entdeckte hier der Techno-Wikinger seine Liebe zur elektronischen Musik? Wohl kaum. Doch was erwartet einen in dem Ort, dessen trashiger rosa Bahnhof wahrscheinlich jedem auf dem Weg nach Bremen schon mal aufgefallen ist?



Fotos: Björn Franke
Die Vorbereitung der Fahrt verlief enttäuschend. Der Luftkurort Wildeshausen ist die älteste Stadt im Oldenburger Land, und mit rund 18000 Einwohnern nur unwesentlich kleiner als Vechta. Eigentlich sollte es also genug geben, worüber es sich lohnt zu berichten. Doch das Druckereimuseum wird in den Wintermonaten nur sporadisch geöffnet, das Brennereimuseum ebenso. Die Großsteingräber, eine aus der Jungsteinzeit erhaltene Grabanlage, liegen deutlich außerhalb, kommen also vor allem dann als Ziel in Frage, wenn man mit dem Auto nach Wildeshausen fährt, und wollen nicht so recht in unsere Unterwegs-Rubrik, in der wir mit der Nord-West-Bahn reisen, passen. Bleiben also noch die Innenstadt und die Alexanderkirche. Na toll! Wobei die Innenstadt gefällt. Klar, als Jagdrevier für jemanden, der den Vorsatz gefasst hat, mit Hardcore-Shopping seinen Dispo auf Anschlag zu bringen, eignet sie sich weniger. Aber mit ihren alten Häusern, die aus diesen für Norddeutschland so typischen roten Backsteinen gebaut sind, und den vielen kleinen Geschäften verströmt sie ein nettes Kleinstadt-Flair, das Vechta mit seiner etwas sterilen Großen Straße fehlt. Und auch wenn es um diese Jahreszeit so interessant ist wie gelber Schnee: Der Weihnachtsmarkt ist wirklich schön. Mit Kinderkarussell und den üblichen Bratwurst-, Mandel- und Glühweinbuden erstreckt er sich reizvoll arrangiert über den von zum Teil historischen Gebäuden umrahmten Marktplatz. Lediglich vom Kauf eines Überraschungspaketes sollte man absehen: Unseres enthielt ein neonfarbiges Haargummi und ein äußerst hässliches Portemonnaie. Wer glaubt, dass es jemanden gibt, der sich über so etwas freut, würde auch einem Veganer ein T-Bonesteak braten. Die Alexanderkirche existiert bereits seit dem 9. Jahrhundert, und ist die älteste Kirche im Oldenburger Land. Der eindrucksvolle rote Backsteinbau zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten Wildeshausens, seine ehemals zwei Türme – heute ist es nur noch einer – finden sich in dem Wappen der Stadt wieder. Gegessen haben wir in der Brasserie am Marktplatz. Der Salat war gut, die Nackensteaks fettig und gut, die Preise fair. Als Luftkurort hat Wildeshausen natürlich auch einen Kurpark. Im Sommer ist es in dem an der Hunte gelegenen Park sicher schön, bei winterlicher Kälte und mit kahlen Bäumen hingegen mäßig spannend. Vor der Kurmuschel stehen keine Haltung annehmenden Rentner, sie scheint als Treffpunkt von Jugendlichen zu dienen und lässt einen dankbar dafür sein, dass man in einer Großstadt aufgewachsen ist. Wer sich noch an Sarah Connor erinnern kann, hat gute Chancen, ihr in Wildeshausen persönlich zu begegnen. Die 27-jährige Sängerin, die 2005 bei der Eröffnung der Allianz Arena mit „Brüh im Lichte dieses Glückes“ unfreiwillig eine höchst individuelle Version der deutschen Nationalhymne sang, dürfte wohl die prominenteste Einwohnerin der Stadt sein.
Mit der Fun Factory gibt es in Wildeshausen sogar eine Großraumdisco. Die Fun – ja, man sagt tatsächlich DIE – öffnet Freitags, Samstags und manchmal auch in der Woche, Informationen zum Programm finden sich auf ihrer Homepage (www.funfact.de). Hier könnt ihr auf drei verschiedenen Areas die ganze Nacht durchtanzen, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Während es in der Soul Suite „strictly Black Music“ heißt, sorgen die Resident DJs in der Mainhall der Fun Factory z.B. mit Charts, Black, Pop und Dance für Stimmung. Für „Snacks & more“ ist im Disco eigenen Restaurant auch gesorgt. Wer also die Nacht in tanzender Bewegung verbringen will, der ist in einer der größten Discotheken im Nordwesten der Republik mehr als gut aufgehoben. Am Mega Snow Party Weekend (18- 19.01) könnt ihr die FUN gleich testen, die Veranstalter garantieren Neuschnee im ganzen Laden.
von Stefan Hirsch und Melanie Ehlert
Und so erreicht ihr Wildeshausen:
Hin: Vechta – Wildeshausen
Mo.-Fr. 5:29 – 20.29 st.
Sa. 7:29 – 12:29 + 13:29 – 19:29 st.
So. 9:29, 11:29, 13:29, 15:29 + 17:29-20:29 st.
Zurück: Wildeshausen – Vechta
Mo.-Fr. 7:00- 23:00 st.
Sa. 9:00- 19:00 st. + 21:00, 23:00
So. 11:00- 17:00 zweist. + 18:00- 23:00 st.

Bilderalbum
uniVista No. 07: Wildeshausen [2]
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Wildeshausen – Die Alternative zu Schöner wohnen
Datum: 16. Januar 2008
Rubriken: Artikel,Melanie Ehlert,No 07 - Januar 2008,Stefan Hirsch,unterwegs
Adresse: http://www.univista.de/2008/01/16/wildeshausen-die-alternative-zu-schoener-wohnen/
Links im Artikel:[1] direkt zum Picasa-Webalbum - http://picasaweb.google.de/115273602157157978866/UniVistaNo07Wildeshausen?feat=directlink
[2] Bild - https://picasaweb.google.com/115273602157157978866/UniVistaNo07Wildeshausen