Dezember 2007: In einer Zeit, in der Stuntmen in Klärgruben tauchen um eine trashige Popularität zu erlangen, erscheint der Tod eines amerikanischen Motorrad- Artisten im Ruhestand in der Süddeutschen Zeitung. Kein Wunder, Robert Craig „Evel“ Knievel war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Seine Motorrad-Stunts, meistens Sprünge über lange Reihen von Trucks und seine Flüge in selbstgebastelten Raketen zogen Tausende in ihren Bann.
Seinen Künstlernamen erwarb sich Evel (ja, mit zwei E) Knievel übrigens im Gefängnis. Nachdem er seinen Job als LKW-Fahrer verloren hatte, angeblich, weil er beim Wheelies fahren mit seinem Truck eine Stromleitung gekappt hatte, wurde er mehrfach straffällig. Zumeist waren es relativ harmlose Delikte, Diebstähle und kleinere Einbrüche. Nach seiner Haft versuchte er es mit halb-seriöser Arbeit. Halb-seriös, weil er Gerüchten zufolge als Versicherungsvertreter einen Großteil seiner Policen an die Insassen einer psychiatrischen Anstalt verkaufte, und weil er als Anbieter von Jagdreisen mit seinen Kunden in Naturschutzgebieten wilderte.
Im Alter von 27 Jahren gründete der 1938 in Montana geborene Knievel die Evel Knievel’s Motorcycle Daredevils, und begann seine Karriere als Stuntman. Seinen großen Durchbruch erlangte Knievel, als er 1967 versuchte, über die Brunnenanlage des Caesars Palace in Las Vegas zu springen.
Die missglückte Landung beförderte ihn in die Schlagzeilen, und mit 40 Knochenbrüchen für 29 Tage ins Koma. Überhaupt waren zahlreiche seiner Stunts extrem gefährlich und endeten oft genug mit lebensbedrohlichen Verletzungen. So zum Beispiel 1974 der Sprung über den Snake-River-Canyon in Idaho, bei dem sich der Bremsfallschirm seines raketengetriebenen Motorrades zu früh öffnete. Insgesamt 38 mal verunglückte Evel Knievel spektakulär. Er steht im Guiness Book of Records als der Mann mit den meisten Knochenbrüchen der Welt. Diese reale, unmittelbare Gefahr war es wohl auch, die seine Stunts für viele so faszinierend machte, ihn in den Augen mancher sogar zum Helden werden ließ. Bereits 1976 gab es ein Evel Knievel-Computerspiel, zweimal wurde sein Leben verfilmt, unter anderem mit Pamela Anderson in der Rolle seiner Freundin.
Er selber lehnte diese Verklärung seiner Person ab, sagte einmal: „Ich war ein guter Motorradfahrer und ein ziemlich guter Geschäftsmann. Ein Held war ich nicht.“ 1980 hörte Knievel auf, unterstützte nur noch gelegentlich seinen Sohn Robbie bei dessen Stunt-Shows. Mit dem Alter machten ihm die Spätfolgen seiner zahlreichen Operationen mehr und mehr zu schaffen. Zuletzt litt er unter Atembeschwerden und Leberproblemen. Robert Craig „Evel“ Knievel starb am 30. November 2007 im Alter von 69 Jahren.
von Stefan Hirsch