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Von Mordlust und Markenkleidung, Geldgeschäften und Gewaltorgien
„Ich habe alle Merkmale eines Menschen: Fleisch, Blut, Haut, Haare. Aber keine einzige klar identifizierbare Emotion abgesehen von Gier und Abscheu.“
Auf den ersten Blick ist Broker Patrick Bateman ein lebendes Klischee: Jung, gutaussehend, arrogant und ehrgeizig. Mit seinen Arbeitskollegen trifft er sich in teuren Clubs, kokst und führt sterbenslangweilige Gespräche über Mode, Frauen und die ewige Arbeit. Dazugehören ist alles, alle sind reich, haben tolle Jobs, sind perfekt gekleidet. Individualität gibt es in Batemans Kreisen nicht, ständig wird er verwechselt, erscheint austauschbar. Doch teils unbemerkt, teils ignoriert lebt er eine perverse Lust auf Sex und Gewalt aus, ermordet beinahe wahllos Obdachlose, Prostituierte und Disko-Bekanntschaften.
Verstörend ist der Aufbau von American Psycho: Obwohl nicht völlig klar ist, ob die von Ich-Erzähler Bateman verübten Taten wirklich passiert oder nur die Phantasien eines Wahnsinnigen sind, beschreibt er seine Welt äußerst detailreich. Er teilt z.B. auf ca. 2 1/2 Seiten mit, wie seine Stereo-Anlage aussieht. Diesen eher langatmigen Passagen stehen die Mordszenen gegenüber, die – anders als im Film – mit einer derart gnadenlosen Präzision beschrieben werden, dass einem beim Lesen tatsächlich übel werden kann. Wer sich diesen Klassiker der amerikanischen Popliteratur ausleihen will, sollte also starke Nerven haben, nicht umsonst war der Roman von `96 bis `01 in Deutschland indiziert.
Bret Easton Ellis: American Psycho
Signatur: 354893
von Stefan Hirsch
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Von Mordlust und Markenkleidung, Geldgeschäften und Gewaltorgien
Datum: 23. April 2008
Rubriken: Artikel,No 08 - April 2008,Perlen der Bibo,Stefan Hirsch
Adresse: http://www.univista.de/2008/04/23/von-mordlust-und-markenkleidung-geldgeschaeften-und-gewaltorgien/