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Offener Brief an die Vermieter
Liebe Vermieter, ich denke es wird Zeit Euch etwas Zeit zu widmen. Nach unzähligen Gesprächen mit Freunden, Bekannten, Mitstudenten usw. über deren Wohnverhältnisse, bin ich mir bewusst geworden, dass Ihr ein ganz schön lustiges und vor allem merkwürdiges Völkchen seid. Ihr macht Sachen bei denen sich andere Leute an den Kopf fassen und fragen: „Woher nehmt Ihr all die Zeit, all den Elan?“
Es geht schon damit los, dass Ihr oft wisst, wann genau der eigene Mieter die Wohnung verlässt, wann er wiedergekommen ist und in welchem desolaten Zustand er sich befand. Doch da gibt es noch eine Steigerung, eine Übung für Profis so gesehen: Wer mehr als einen Mieter in seiner Wohnung hat, also sein persönliches Gut an eine Wohngemeinschaft vermietet, kann versuchen die einzelnen An- und Abreisemomente aller Bewohner zu erhaschen und, je nach professioneller Vorgehensweise, aufzuschreiben. Für die Bewohner kann das ja auch hilfreich sein. Beispielsweise wenn sie nicht wissen, ob sich Mitbewohner X schon mal wieder hat blicken lassen. Aber Vorsicht! Diese Übung erfordert tagelanges sitzen am Küchen- bzw. Wohnzimmerfenster und kann zur Vernachlässigung des eigenen Lebens führen.
Bildnachweis: pixelio 188672
Vorsicht, Vermieter!
© Bredehorn.J / PIXELIO [1]
Es ist ja oft so, dass Vermieter und Mieter sehr nah beieinander wohnen (müssen). Manche sogar im selben Haus. Ein Dach, ein Flur, zwei Reviere! Dennoch sollte eines klar sein: Wer Miete bezahlt erkauft sich monatlich ein Stückchen Privatsphäre. Da möchte man nicht auf jeden Besucher oder jedes Telefonat hingewiesen und deswegen ausgefragt werden. Nein! Nein!
Oh ja, Besucher. Man muss echt nicht noch mehr Miete bezahlen, wenn man Besuch bekommt. Wer setzt Euch solche Flausen in den Kopf? Und schon gar nicht muss der Besucher dann Miete bezahlen. Ja, sicher benutzt mein Besuch auch das Wasser aus meinen Leitungen. Aber macht man das nicht auch, wenn man woanders zu Besuch ist? Ich kann, wenn ich will, das ganze Psychoseminar PS 1 als Lerngruppe zu mir einladen. Bezahlt Ihr wenn ihr jemanden besucht oder haben alle eure Freunde eigene Häuser? Ach ich vergaß. Es ging ja um Vermieter. Ich stelle mir das so vor: Es gibt da diesen Club. Der heißt irgendwas mit „Vechtaer Fensterblicke“ oder so. Dann trefft Ihr Euch wöchentlich und erzählt von den fiesen Schandtaten Eurer Mieter. Wer was gemacht hat, wer welche Art von Besuch bekam (besonders gern seht Ihr natürlich Damen- bzw. Herrenbesuch beim anderen Geschlecht, da kann man morgens schon mal mit einem Zwinkern rechnen) usw. Aber Stopp, Denkfehler meinerseits! Wer sitzt denn dann am Fenster?
Ich wünsche mir einen Rollentausch. Ihr, liebe Vermieter, begebt Euch auf die Suche nach einem Zimmer in einer WG. Ein paar Rahmenbedingungen solltet Ihr dabei beachten. Das Zimmer darf nur zwischen 200,- und 250,- Euro warm kosten und soll mindestens 15qm besitzen (damit mache ich es euch noch leicht). Außerdem müsst Ihr euch als Studenten ausgeben (immer Haltung bewahren) und Ihr müsst Euch sicher sein, dass Ihr die Kaution noch wiederbekommt. Ich möchte die Blicke sehen, wenn Ihr den Wohnungen und den unannehmbaren Angebote Eurer Vermieterkollegen gegenübersteht. „Ja ja, das Zimmer wo alle durchgehen müssen um zu den eigenen Zimmern zu kommen wird auch vermietet. Ja, 230 Euro sind richtig. Nein, das Bad teilen sie sich noch mit der Wohnung unter ihnen.“ Und so weiter….
Um nicht alle Vermieter über einen Kamm zu scheren, – es gibt Euch auch in gut. Da sind die Zimmer in Ordnung und der Umgangston ist freundlich. Wenn Reparaturen anstehen kann man sich mit Euch einigen und beim Auszug macht Ihr keinen Aufstand, nur weil ein bisschen Farbe abgeblättert ist. Dafür möchte ich Euch hiermit herzlich danken. Ihr seid die Jedi Ritter unserer Wohnwünsche. Nur leider gibt es da halt noch die dunkle Seite der Eigenheimbesitzer und deren Todesstern wird im Winter wegen fehlender Isolierung bis zu 6 Grad kalt und die Heizung lässt sich „nicht mehr höher drehen“.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Überlegt doch mal, Ihr lieben Vermieter, ob Ihr selber in euren angebotenen Mietwohnungen wohnen wollen würdet und ob ein eigenes Leben außerhalb des Fensterrahmens nicht auch möglich ist.
Beste Grüße,
Eure uniVista
von Kai Pröpper
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Offener Brief an die Vermieter
Datum: 1. Juli 2008
Rubriken: Artikel,Kai Pröpper,No 09 - Juli 2008,Studentisches
Adresse: http://www.univista.de/2008/07/01/offener-brief-an-die-vermieter/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de