Von C-Promis, fallenden Sternchen und Goldenen Himbeeren
Die Redaktion auf der Suche nach den schlechtesten Filmen
Filmabende mit Freunden sind eine schöne Sache. Entweder Tempos, Sekt und Schoki bei Mädelsabenden, Bier und Pizza beim Fußball oder Kurze bei Sissi. Filmabende mit der Redaktion dagegen sind die pure Qual. Des Nachts im Wald ausgesetzt werden (der geneigte Leser weiß es vielleicht noch…) ist nichts dagegen.
Die Goldene Himbeere und Internet Movie Database halfen uns bei der Auswahl, damit wir auch ja nicht einen nur mittelschlechten Film gucken würden. Und so entschieden wir uns für vier Filme, von denen einer sogar im Besitz eines Redaktionsmitgliedes ist…
Die Goldene Himbeere und Internet Movie Database halfen uns bei der Auswahl, damit wir auch ja nicht einen nur mittelschlechten Film gucken würden. Und so entschieden wir uns für vier Filme, von denen einer sogar im Besitz eines Redaktionsmitgliedes ist…
Zuerst Crossroads – Not A Girl mit Britney Spears. Meine KollegInnen waren schon nach wenigen Minuten der Meinung, schlimmer könnte es nicht kommen. Ha, wie sie sich geirrt haben!
Crossroads ist ein Coming-of- Age-Film. Darunter versteht man Filme, deren jugendliche Helden von grundlegenden menschlichen Fragen bewegt werden. In diesem Film wendet sich Britney alias Lucy den grundlegenden menschlichen Fragen zu (die uns sicher alle in unserer Jugend bewegt haben): Werde ich dank meines 1er-Zeugnisses an die beste Uni überhaupt gehen? Schlafe ich mit dem Schwerverbrecher, den ich gerade erst kennengelernt habe, obwohl ich noch Jungfrau bin? (Oops!… I Did It Again.) Oder werde ich doch erfolgreiche Popsängerin?
Crossroads ist ein Coming-of- Age-Film. Darunter versteht man Filme, deren jugendliche Helden von grundlegenden menschlichen Fragen bewegt werden. In diesem Film wendet sich Britney alias Lucy den grundlegenden menschlichen Fragen zu (die uns sicher alle in unserer Jugend bewegt haben): Werde ich dank meines 1er-Zeugnisses an die beste Uni überhaupt gehen? Schlafe ich mit dem Schwerverbrecher, den ich gerade erst kennengelernt habe, obwohl ich noch Jungfrau bin? (Oops!… I Did It Again.) Oder werde ich doch erfolgreiche Popsängerin?

Foto: Kathi Biehler
Adam Sandler kennt ihr sicher? Immerhin hat er in so grandiosen Filmen wie Die Wutprobe, 50 erste Dates oder Klick mitgespielt. Und auch sein Film Punch-Drunk Love wurde viel gelobt und ausgezeichnet. Für mich persönlich gibt es aber kaum einen weniger auszuhaltenden Film. Und auch die anderen fragten sich nach kürzester Zeit, wo der Sinn dieser Story und wie der Rest des Filmes zu überstehen sei. Adam Sandler alias Barry, Verkäufer von mysteriösen Klopröpfen, hängt den ganzen Tag in seiner Firma-Garage rum, wo er dann auch seiner großen Liebe Lena vorgestellt wird. Von seiner Schwester. Davon hat er einige und alle sind nervig. Bei einem Familientreffen rastet er aus und zerschlägt Fensterscheiben. Am Abend will er Telefonsex, wird im Anschluss erpresst und kriegt Probleme mit prügelnden Brüdern. Am Ende aber entdeckt er seine inneren Kräfte und alles wird gut. Auch irgendwie ein Coming-of-Age-Film…
Nach Punch-Drunk Love waren wir so hibbelig, dass wir uns auf Battlefield Earth mit John Travolta regelrecht freuten. Battlefield – das hörte sich nach Action, Geballer, Weltraumfights und tollen Specialeffects an, das klang wie eine Offenbarung! Oder zumindest wie einfache Ablenkungskost. Wir würden sehen… Der Film entstand nach der Romanvorlage von L. Ron Hubbard. Na, was bemerkt? Ja, das ist der Gründer von Scientology. Aber so was kann uns nicht schrecken. Und auch die Tatsache, dass der Film mit mehreren Goldenen Himbeeren ausgezeichnet wurde und als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten gilt, war uns nur Ansporn. Und ja, der Film ist schlecht. Sehr schlecht. Und kein Stück actionreich oder spannend. Mir sind nicht mal Einzelheiten der Geschichte im Kopf geblieben. Irgendwie will die Menschheit sich von den bösen Aliens (unter anderem Travolta auf Plateau-Schuhen) befreien und schafft es auch. Jetzt habe ich das Ende verraten, ist aber nicht schlimm, guckt euch den Film einfach nicht an. Denn ich weiß nicht, ob ich je wieder Pulp Fiction genießen kann…
Die Krönung eines schlimmen Abends: Daniel der Zauberer. Schlechte Story, schlechtes Drehbuch, schlechte Schauspieler (u.a. Küblböck selbst), schlechter Dreh (mit einer Videokamera), schlechte Drehorte, schlechte Dialoge und schlechte Musik (von Küblböck daselbst). Ich habe noch nie einen so schlechten Film gesehen. Daniel alias Daniel – denn es geht ja um Küblböcks Geschichte- wird „von Millionen geliebt, von Vielen gehasst“ (so der Untertitel) und ganz besonders von zwei ältlichen Jugendlichen und einem ganz bösen Opa. Die hassen ihn so sehr, dass sie den armen Daniel umbringen wollen! Aber der hat einen lieben und toten Opa, der mit dem bösen Opa kämpft. Daniel wird dann doch entführt (Reaktion der Redaktion/ Reaktion jedes Zuschauers: „Nun tötet ihn endlich!“), aber durch seine positive Energie kann er Alles zum Guten wenden und an Weihnachten liegt unterm Baum sogar ein Zauberstab!
…dies war die inhaltliche Einführung – jetzt folgen erfahrene Wirklichkeiten oder auch „Nah-Tod-Erfahrungen“. „Coming-of-Age“ oder wohl eher: „Coming-of-Mind“: Also begleitet uns ins X-treme!
von Julia Stock
Schon das Gefühl, mir einen wertvollen Abend meines kurzen Lebens für „schlechte Filme“ zu reservieren, möchte mich zu dem Satz bewegen: „Oh, wisst ihr, an dem Abend kann ich leider auch nicht. Da müsst ihr wohl bedauerlicherweise ohne mich durch.“ – Ihr musstet wirklich ohne mich und: Ich konnte wirklich nicht! Therapeutische Hilfe auf psychodramatischer Basis biete ich euch nachträglich kostenlos an.
von Johanna Olberding
Aller Anfang ist Britney Spears. Na ja, hoffentlich nicht aller, aber so sollte es an diesem Abend sein.
Die Handlung versteckt sich gekonnt hinter flachen Dialogen und den Schmachtsongs der selbsternannten Pop-Prinzessin. Drei pubertierende Weiber, die sich nicht ausstehen können, fahren mit einem wildfremden Kerl, der auch noch ein Schwerverbrecher sein soll quer durch die USA. Ja klar! Selbstverständlich sind sie am Ende alle super dicke Freunde. Die Spears angelt sich natürlich den Typen, der kein Verbrecher sondern ein Held ist und sie startet als Sängerin durch. Also alles wie im richtigen Leben, oder? Ich habe keine Ahnung wer sich sowas ausdenkt. Zu ertragen war es für mich nur dank einer Menge Popcorn. Trotz allen Widerstandes konnten wir nicht verhindern, dass wir bei den darauf folgenden Filmen dann und wann, wenn es gerade irgendwie passte „I’m not a giiirl“ trällerten.
Die Handlung versteckt sich gekonnt hinter flachen Dialogen und den Schmachtsongs der selbsternannten Pop-Prinzessin. Drei pubertierende Weiber, die sich nicht ausstehen können, fahren mit einem wildfremden Kerl, der auch noch ein Schwerverbrecher sein soll quer durch die USA. Ja klar! Selbstverständlich sind sie am Ende alle super dicke Freunde. Die Spears angelt sich natürlich den Typen, der kein Verbrecher sondern ein Held ist und sie startet als Sängerin durch. Also alles wie im richtigen Leben, oder? Ich habe keine Ahnung wer sich sowas ausdenkt. Zu ertragen war es für mich nur dank einer Menge Popcorn. Trotz allen Widerstandes konnten wir nicht verhindern, dass wir bei den darauf folgenden Filmen dann und wann, wenn es gerade irgendwie passte „I’m not a giiirl“ trällerten.
von Stefanie Bruns

© Anne Bermüller / PIXELIO
Ein Film mit Adam Sandler kann gar nicht schlecht sein – dachte ich. Ich dachte auch, nach den Filmen, die wir bisher gesehen haben, kann es gar nicht schlimmer werden. Doch bereits nach wenigen Minuten Spielfilmzeit brachte mich dieser an den Rand des Wahnsinns. Tatenloses wie Sinnloses begleitet von aggressiv machenden Psychomelodien schien einfach kein Ende zu nehmen. Ich wühlte in meinem Hirn nach Ausreden, den Raum verlassen zu müssen, doch meine Leidensgenossen ließen nicht zu, dass ich dem Grauen entfloh. Also betrank ich mich mit Mineralwasser und hoffte darauf, bald und häufig die Toilette aufsuchen zu müssen. Denn dies war der einzig erlaubte Grund, sich aus dem Raum zu begeben. Nachdem wir unsere Zeit erfolgreich durch diesen Film verschwendet hatten, wussten wir: Solche Filme lassen Aggressivität entstehen und wachsen. Versteckt sie also vor euren Kindern!
von Mira Brink
So, mittlerweile müssten die Aliens ja mal gelandet sein. Ginge es nach dem Streifen „Battlefield Earth – Kampf um die Erde“ aus dem Jahr 2000, wurde die Erde kurz nach der Jahrtausendwende von übelgelaunten Aliens überfallen, ihre Streitmacht innerhalb von 9 Minuten vernichtet und die Überlebenden für 1000 Jahre ABM in den Fabriken der Aliens verpflichtet. Bis, ja bis eines Tages ein charismatischer, junger Menschen-Mann beginnt aufzubegehren… Ein „Achtung, Spoiler!“ erspare ich mir. Ich bitte Euch, liebe Kommilitonen, seht Euch diesen Film nicht an! Schlaft 2 Stunden länger, geht spazieren oder kuschelt Euch an Eure Liebsten, aber bitte verschwendet Eure Zeit nicht mit diesem Film! Was von den Eckdaten annehmbar nach Popcornkino klingt („Wow, millionenschweres Endzeitepos mit immerhin John Travolta und Forest Whitaker!“), entpuppt sich als filmisches Zäpfchen gespickt mit groben Logikschnitzern, ätzenden Kostümen, gähnenden Dialogen. An plateaubesohlte Rastafari erinnernde Aliens nerven mit ihrer Bürokratie („Das muss ich dem Senat melden!“ „Sie werden strafversetzt!“), während die Menschen, die inzwischen wieder zu Wilden wie in der Steinzeit degeneriert sind, dank bestens gepflegter und frisierter Haare Heidi Klums Modelclique jeden Werbeauftrag wegschnappen würden. Sie bereiten ihre Befreiung vor, indem sie erst in einem 1000 Jahre alten Simulator fliegen lernen und sich anschließend die seit ebenfalls 1000 Jahren herumstehenden voll getankten Bomber der, na klaro, U.S. Air Force schnappen. Mit ihnen wollen sie auf dem Alienplaneten, der über ein nicht gezeigtes Portal mit der Erde verbunden ist, eine Atombombe zünden, und weil die Atmosphäre da drüben so ne ganz besondere ist, reicht eine Bombe auch für den ganzen Planeten. Falls Euch das noch nicht reicht: Die Bedienungsanleitung liegt übrigens neben der Atombombe. Auf einem Tageslichtprojektor.
Neben unzähligen Malen fremdschämen, dass so ein teures Machwerk nicht in der Produktion gestoppt wurde, kann ich meine einzige Reaktion während des Films schnell formulieren: „Alter, dauert der noch lang?!?“
Neben unzähligen Malen fremdschämen, dass so ein teures Machwerk nicht in der Produktion gestoppt wurde, kann ich meine einzige Reaktion während des Films schnell formulieren: „Alter, dauert der noch lang?!?“
von Christopher Vielhaber
Gegen Ende des Abends, nach dem grandiosen Battle um die Earth dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn es könnte nicht schlimmer kommen. Aber wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt immer noch was Schlimmeres daher. Dieses Etwas entpuppte sich als trashiger, grellbunt gekleideter, ohne Führerschein in Gurkenlaster rasender C-Promi. Daniel Küblböck, 81 Minuten lang, in seiner vollen Pracht. Nie war meine Blase schwächer, nie lagen meine Nerven blanker, nie habe ich verzweifelter um das Ende eines Filmes gebeten als an diesem Abend. Halbdokumentarisch lässt uns der Gurkenlastervandale an seinem verkorksten Leben und seinen Wunschvorstellungen teilhaben, quäkt zwischendurch fröhlich seine Lieder. Jede Sekunde hofft man mehr, dass es den Attentätern aus dem zweiten, mehr als schlechten fiktiven Handlungsstrang, gelingt ihn zur Strecke zu bringen bevor er sie mit seiner positiven Energie dazu bringt dem Küblböckismus zu verfallen. Ich bitte meine Mitstreiter aussichtslos die DVD aus dem Player zu reißen, falls mich Krämpfe durchschütteln oder mir Schaum vor dem Mund stehen sollte. Aber sie sind unerbittlich, wir müssen es bis zum Ende durchstehen sagen sie. Es war mit Abstand der schlechteste Film den ich jemals gesehen habe, eine peinliche, groteske, no-budget Selbstüberschätzungs-Show. Und was zum Geier sollten die armen Baby-Tiger in dem Musikvideo? Wo sind die die Greenpeace Aktivisten, wenn sie gebraucht werden? Fazit: Dieser Film ist schon wieder sooooo schlecht,… dass solltet ihr unbedingt einmal erlebt haben… aber bitte nicht nüchtern.
von Melanie Ehlert
