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Chancengleichheit für alle
... auch an der Uni Vechta
Die Menschenrechte sichern jedem einzelnen Chancengleichheit zu. Das heißt, jeder Mensch soll die gleichen Rechte und Möglichkeiten für den Zugang zu Bildung und die Teilhabe an der Gesellschaft haben.
Dieser Ansatz findet sich auch in der Gesetzgebung wieder. So soll zum Beispiel das viel diskutierte Antidiskriminierungsgesetz verhindern, dass jemand aufgrund seiner Herkunft, Religion oder des Geschlechts benachteiligt wird. Auch der Nachteilsausgleich für Menschen mit Schwerbehinderung oder chronischer Krankheit soll der Chancengleichheit dienen.
Doch all diese Rechte und Gesetze sind zunächst nicht mehr als schwarze Buchstaben auf ziemlich dünnem weißem Papier zwischen zwei Buchdeckeln. Um sie mit Leben zu füllen, müssen sie im alltäglichen Leben umgesetzt werden.
Rollstuhlgerechter Umbau
des Haupteingangs der Uni
Foto: Alexander Dressler
Nun reicht ein kurzer Blick auf unser Bildungssystem, um zu erkennen, dass Chancengleichheit auf vielen Ebenen nicht gegeben ist. Wie in kaum einem anderen Land hängen in Deutschland die Chancen eines Kindes vom Geldbeutel und dem sozialen Status seiner Eltern ab. Dies fängt beim Kindergarten an und hört in der Uni noch lange nicht auf.
Wenn dazu noch eine Schwerbehinderung oder eine chronische Krankheit kommt, dann kann von Chancengleichheit nicht mehr die Rede sein.
Stellt Euch vor, dass ihr im Rollstuhl sitzt und motorisch stark eingeschränkt seid. Ihr habt das Abitur geschafft und wollt nun studieren. Ihr schaut Euch also in der Hochschullandschaft um. Doch bevor ihr Euch eine Uni näher anschauen könnt, müsst ihr erstmal die Stadt prüfen. Sind die Innenstadt und der Supermarkt mit dem Rollstuhl befahrbar? Gibt es die Möglichkeit, barrierefrei zu wohnen? Gibt es Fahrdienste und Stellen, bei denen ich mir persönliche Assistenzen holen kann? Ist das alles zur Zufriedenheit gegeben, geht der Blick zur Uni. Kann ich hier mit den Anforderungen, die ich mitbringe, adäquat studieren? Oft ist die Antwort nein. Auch an der HS Vechta hätte es ein Student im Rollstuhl schwer. Er käme trotz des neuen Haupteingangs längst nicht überall hin und müsste immense Umwege in Kauf nehmen. Doch nicht nur die baulichen Vorrausetzungen würden ein Studium in Vechta erschweren oder ganz und gar unmöglich machen. Auch die im Landesgesetz verankerten Nachteilsausgleiche, welche sich in den Prüfungsordnungen widerspiegeln sollten, werden gar nicht oder nur unzureichend umgesetzt. Selten ist in einer Prüfungsordnung ein Passus zu finden, welcher adäquate Prüfungsformen für Menschen mit chronischer Krankheit oder Schwerbehinderung zulässt. Hinzu kommt schließlich noch, dass das neue System von Bachelor/Master mit seinem sehr strengen Studienraster kaum Abweichungen zulässt. Doch ein Mensch, welcher zur Organisation seines Alltages sehr viel Zeit braucht, weil er viele Barrieren überwinden muss, benötigt eine flexible Uni, welche bereit ist, auch auf seine Bedürfnisse einzugehen.
An der HS Vechta gibt es jedoch niemanden, der sich dafür zuständig fühlt, die Rechte behinderter und chronisch kranker Studierender umzusetzen. Dadurch wird es Studierenden, welche ohnehin gegenüber ihren gesunden Kommilitonen benachteiligt sind, noch schwerer gemacht.
Es gibt jedoch seit dem vergangenen Semester eine Initiative an der HS Vechta, welche sich dafür einsetzt, das Bewusstsein zu stärken und die vorhandenen Lücken zu füllen. Leider steht diese sehr allein da. Es gab keine Unterstützung von Seiten des Studierendenparlaments und bisher auch keine des AStA. Das ist insofern schockierend, als dass der überwiegende Teil dieser Menschen doch einen sozialen Beruf ergreifen möchten.
Wenn Du diese Initiative unterstützen möchtest oder selber darunter leidest, dass Dir keine adäquaten Prüfungsformen zugestanden werden, dann kannst Du Dich unter ag.schwerbehinderung[at]yahoo.de melden. Hier kannst Du Information und Unterstützung bekommen.
Damit wir der Chancengleichheit ein kleines Stück näher kommen.
von Stefanie Bruns
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Chancengleichheit für alle
Datum: 17. November 2008
Rubriken: Artikel,mit Aktualität,No 10 - November 2008,Stefanie Bruns,Studium
Adresse: http://www.univista.de/2008/11/17/chancengleichheit-fuer-alle/