Auswirkungen für die Studentenschaft:
Die Auswirkungen für die Studierenden werden von eher indirekter Natur sein, da sie selten Aktieneigentümer sind. Die großen Geldmassen, welche jetzt auf den Markt geworfen werden, können eine Inflation zur Folge haben. Das heißt, unser Geld wir immer weniger wert und die Güter des täglichen Bedarfs immer teurer.
Die anhaltende Verunsicherung auf dem Kreditmarkt sorgt dafür, dass Unternehmen keine Kredite mehr für ihre Investitionen bekommen. Dies hat zur Folge, dass Arbeitsplätze in Gefahr sind. Dies macht natürlich auch einem Absolventen der Hochschule den Einstieg ins Berufsleben nicht unbedingt leichter.
Der Staatshaushalt gerät unter Druck und erforderliche Mehrausgaben (Rettungspakete für die Banken, Konjunkturprogramm für bestimmte Wirtschaftszweige) müssen irgendwie kompensiert werden. Es wird also Kürzungen geben. Diese werden traditionell zuerst in Bildung und sozialen Projekten angesetzt. Es werden also weniger Lehrer eingestellt, und die Gelder für Projekte für Straßenkinder, Drogenberatungsstellen etc. werden stark gekürzt oder gestrichen, so dass auch hier Arbeitsplätze wegfallen.
Liebe Manager,
es ist schlimm, was zurzeit in ihrer Welt passiert. Ihr Posten ist nicht mehr sicher, und Sie bekommen statt 20 Millionen Dollar Abfindung nur noch die Hälfte und das, obwohl Ihr Jahresgehalt doch nur läppische 10 Millionen betragen hat. Mal abgesehen von den Aktien- und Gewinnbeteiligungen. Aber das ist ja eh nur Kleingeld. Schließlich haben Sie gute Arbeit geleistet, und es ist nicht Ihre Schuld, dass die Kreditnehmer in den USA nicht mehr zahlen konnten. Das tut mir wirklich Leid für Sie.
Doch nach all diesen bitteren Erkenntnissen freue ich mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass es Ihnen trotz allem gar nicht so schlecht geht. Denn 1,5 Millionen Häuser werden in diesem Jahr in den USA zwangsversteigert. Das sind 65 Prozent mehr als in den Vorjahren. Können Sie sich das überhaupt vorstellen, wie es wäre, wenn Sie Ihre geliebte Villa und das Penthouse-Appartement nicht mehr hätten? Schrecklich, oder?
Auch mit Ihrem Schicksal des Arbeitsverlustes sind Sie nicht allein. Denn nach Schätzungen werden bis zu
100.000 Arbeitsplätze in der Finanzindustrie im Zuge dieser Krise verloren gehen, und wer weiß, wie viele noch, wenn die Finanzkrise sich auf die Wirtschaft ausweitet.
Aber es kommt noch besser: Stellen Sie sich vor, die Steuerzahler der USA und der EU wollen Ihnen helfen, das kleine Missgeschick wieder auszubügeln und Ihr Unternehmen zu retten. Sie geben Ihnen allein in Deutschland 500 Milliarden Euro! Sie müssen nur noch über ihren Schatten springen und zugreifen.
Das ist doch toll, oder?
Gruß,
uniVista
Die Finanzkrise – ein Abriss der Entwicklung:
Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 senkt die US Notenbank den Leitzins immer wieder (von 2001-2003 von 6,5 auf 1 Prozent) um die Märkte zu stabilisieren.
Eine Senkung des Leitzinses macht Kredite und damit Geld billig. Dies nutzen viele amerikanische Bürger um sich ein Eigenheim zu bauen, finanziert ohne einen Cent Eigenkapital. Die einzige Sicherheit für die Banken ist die Immobilie selbst. Durch die hohe Nachfrage steigen auch die Preise am Immobilienmarkt
Um das Risiko dieser Kredite zu minimieren entwickeln US Banken eine Anlageform, indem Sie die Kredite verkaufen. Kredite werden gestückelt, vermischt. Undurchsichtige Finanzpakete entstehen
Ab 2004 werden die Zinsen wieder angehoben. Da die amerikanischen Kredite an den Leitzins gebunden sind, bringt das die Kreditnehmer in Schwierigkeiten, so dass sie ihre Raten nicht mehr bezahlen können.
2006: Das Angebot an Häusern ist nun größer al die Nachfrage, was die Preise rapide sinken lässt. Damit wird die einzige Sicherheit, welche die Banken haben, quasi wertlos.
Im Sommer 2007 wird das Ausmaß der Krise deutlich. Die riskanten US-Hypothekenkredite liegen nun direkt oder indirekt in vielen Portfolios und bringen damit Banken und Großanleger ins Schleudern. Durch die undurchsichtige Vorgehensweise beim Schnüren dieser Finanzpakete schwindet das Vertrauen der Banken untereinander. Niemand weiß wie weit die Banken involviert sind. Deshalb leihen sich die Banken kein Geld mehr untereinander. Die Zentralbank springt ein und pumpt 300 Milliarden Dollar in den Kreditmarkt.
Im letzten Quartal 2007 müssen die Finanzriesen Farbe bekennen und geben Abschreibungen in Milliarden Höhe an. Die Finanzkrise weitet sich inzwischen global aus, weil auch europäische Banken beim Geschäft mit den US- Hypothekenkrediten mitgemischt haben.
Januar 2008 fallen die Börsenkurse rapide, da Investoren befürchten, dass sich in den Bilanzen weitere Abschreibungen verbergen.
Liebe Politiker,
Sie sind im Moment nicht zu beneiden. Da hatten Ihnen die Manager und Wirtschaftsexperten soviel versprochen und Sie hatten sich die Zukunft schon so rosig ausgemalt. Ein ausgeglichener Haushalt war Ihr Ziel. Doch nun müssen Sie die Banken vor dem Bankrott retten und zusehen, wie ein Wirtschaftszweig nach dem anderen drastische Umsatzrückgänge vermeldet und Arbeitnehmer entlassen will. Jetzt bleibt Ihnen nur noch die Schadensregulierung. Eilig schnüren Sie und Ihre Kollegen nun Rettungspakete, bezahlt vom Steuerzahler. Der ist zwar Ihr Wähler und findet das gar nicht gut. Aber letztlich sitzen Sie dann am längeren Hebel und bis zur nächsten Wahl ist das ganze Debakel sicher wieder vergessen. Das heißt, nur wenn diese Milliarden, welche Sie auf den Markt werfen, nicht zur Inflation führen und somit wieder der kleine Bürger, welcher um seinen Arbeitsplatz bangt, noch weniger Geld zur Verfügung hat. Nein, Sie sind wirklich nicht um Ihren Job zu beneiden.
Dennoch würde ich gern mal mit Ihnen tauschen, um zu verstehen, warum Sie das Geschehen auf dem Geldmarkt nicht stärker regulieren. Selbst in den Landesbanken, in denen Sie Vorstandsmitglieder zur Kontrolle sitzen haben, wurde in die riskanten Papiere investiert. Wie kann das sein?
Gruß,
uniVista
Anmerkung:
Die im vorlegenden Text benannten Statusgruppen sind selbstverständlich nicht die alleigen Verantwortlichen der Finanzkrise. Diese hat vielfältige Ursachen und damit auch viele Beteiligte. Zum Beispiel die Börsianer und auch die Kreditnehmer in den USA, welche über ihre Verhältnisse gelebt haben. Wir haben diese zwei Statusgruppen ausgewählt, weil jene am meisten in der Öffentlichkeit stehen und aus ihren Positionen heraus den größten Einfluss haben.
von Stefanie Bruns