Da liegt er nun… zusammengekauert, wimmernd, winselnd, jammernd. Mit zitternder und vor Krankheit geschwächter Stimme verkündet er: „Scha…schahatz…ich glaub, ich bin krank…“ und sinkt erschöpft zusammen. Sein flacher Atem, seine geröteten Augen und sein lautes Schniefen unterstützen seine waghalsige These, tatsächlich! Eine todbringende Erkältung.
Mal ehrlich, liebe Männer, Ihr wollt früher Mammuts gejagt und Schlachten geschlagen haben? Zugegeben, es gibt auch Männer der Kategorie: Eine Erkältung ist der sichere Tod, aber wenn wirklich etwas Ernstes, ist verschweige ich es besser – plötzliche Dissimulation und Bagatellisierung. Welch verquere Welt. Ich meine, wovor habt ihr Angst? Dass ihr im Allgemeinen schlecht warten könnt, ist uns Frauen ja bekannt, aber ist zum Arzt gehen in eurem Kopf ein Zeichen von Schwäche? Der Nachbar könnte einen ja sehen, wenn man vermummt die Praxis betritt! Auf dem Sofa rumjammern und ins Kissen zu schniefen ist natürlich viel männlicher, ihr habt schon Recht. Rein biologisch betrachtet müsst ihr euch eh damit auseinandersetzen, dass ihr von der Natur auf den Tod programmiert werdet, sobald ihr euer reproduktionsfähiges Alter erreicht habt. Immer noch eine Tatsache, und die hab ich mir nicht mal ausgedacht. Aber dieser Tod wird bestimmt nicht durch eine Erkältung eingeläutet, auch wenn ihr euch in diesem Moment so fühlen möchtet. Die Krone der Schöpfung, der Mann, durch einen klitzekleinen Virus plötzlich zu Fallobst geworden, tja. Aber manchmal sind es gerade diese Fallobst-Momente, die euer Inneres offenbaren und uns Frauen weich werden lassen. Da sitzt das kleine, kümmerliche, schniefige Etwas mit der roten Nase und krächzt nach einem Tee… kann man ihm das verwehren? Eigentlich bin ich froh über den Lauf der Dinge… die Regelung der Natur. Unsere testosteron gesteuerten Freunde sind zwar arg im Nachteil, was die Gesundheit angeht, aber so können wir Östradiol-Vertreter zeigen was in uns steckt.
Liebe Männer ganz ehrlich, ihr könnt froh sein, dass wir das mit dem Kinderkriegen und den Menstruationsbeschwerden übernehmen. Herrje, nicht auszudenken wie es andersherum wäre…
von Melanie Ehlert
Männer und ihr Verhalten während einer Krankheit sind vor allem für Frauen schwer nach zu vollziehen. Zunächst gibt es drei verschiedene Arten von Männern und wie sie mit Krankheit umgehen: Die einen behaupten, dass sich auch ein offener Oberschenkelhalsbruch ganz leicht mit Pferdesalbe kurieren lässt. Dem ist definitiv nicht so, aber manche leiden lieber als Schwäche zu zeigen. Andere dagegen meinen, dass ein Kratzen im Hals sofort ein Anflug von SARS ist und sie sich deswegen schnellstmöglich in Quarantäne begeben müssten.
Die dritte und am meisten verbreitete Art sind Männer, die eine normale Erkältung ausnutzen, um drei Wochen flach zu liegen und sich wahlweise von Mutti oder der Freundin pflegen zu lassen. Lieber allerdings von Mutti, denn man will der Freundin gegenüber keine Schwäche zeigen, so dass man mal eben sämtliche Treffen für die nächsten Wochen im Voraus absagt. Denn mal ehrlich, es ist doch wirklich mehr als peinlich, im Bett zu liegen, Tee zu schlürfen und umringt von verrotzten Taschentüchern zu sein, während die Superfrau den dahinsiechenden Freund bemitleiden muss und den Dreck, den er über die letzte Woche angesammelt hat wegräumen „darf“.
Dazu hat Frau natürlich auch recht wenig Bock. Ein herausragender Grund für eine solche Unlust ist nicht unbedingt, dass das ganze ziemlich ekelig werden kann, sondern dass der Anblick des kranken Freundes als Blick in die Zukunft erschreckt: Kranker Ehemann, kranke Kinder, Frau darf alles machen, aber keinen interessiert‘s, wenn die Frau krank ist.
Deswegen wird also eine blöde Ausrede gefunden, die die Freundin akzeptiert und dann wird zu einem großen Teil zu Hause bei Mami gekränkelt. Denn die hat immer ein paar Tipps auf Lager, von denen wir wissen, dass sie sicher nichts gegen die Erkältung bringen werden. ABER: Dafür müssen wir uns nicht bewegen und können endlich unser Beachtungsdefizit wieder ausgleichen. Denn wenn sich jemand Sorgen um uns macht, dann die Frau, mit der wir den größten Teil unseres Lebens bereits verbracht haben. Sie kocht nicht den ekeligen Kamillentee, sondern den schönen Instant-Zitronentee, denn der schmeckt einfach besser. Sie bekocht uns, denn trotz guter Mensa schmeckt es einfach nirgendwo so gut wie zu Hause. Sie räumt voller Freude und Dankbarkeit hinter uns her, weil wir den Mülleimer mit den Rotzfahnen einfach nicht treffen können.
Und warum? Das ganze Leben ist ein Geben und Nehmen. Auch dessen sind wir Männer uns bewusst. Und wenn wir uns mal wieder seit 10 Wochen zu Hause nicht gemeldet haben, ist eine Erkältung der perfekte Grund wieder in die alte Heimat zu fahren. Die Familie freut sich uns zu sehen und Mama ganz besonders. Denn entgegen jeglichem Empfinden, dass sich Eltern freuen, wenn die Bälger endlich aus dem Haus sind, brauchen Mütter immer mal wieder das Gefühl, gebraucht zu werden und benötigen ein Zeichen von uns, dass wir sie trotz der fantastischen Freundin neben uns nie vergessen. Also nehmt uns das nicht so krumm, liebe Damen der Schöpfung!
von Sebastian Dargel