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Auf der Jagd nach APs
Wer in Vechta nicht auf Lehramt studiert (und sich auch nicht Sozialer Arbeiter schimpft) kommt sich manchmal wie ein Aussätziger, manchmal wie etwas Besonderes vor. Wenn mein Mitbewohner mal wieder über eine mehr als langweilige EW-Vorlesung gemeckert hat, konnte ich lachen und sagen: „Tja, ich muss da nicht hin!“ Andererseits konnte er dann am Ende des Studiums über mich lachen, weil ich verzweifelt alle APs, die ich irgendwann in irgendeinem Optionalbereichsmodul geholt hatte, zusammenrechnen durfte, und hoffen musste, dass ich auch wirklich die erforderliche Punktzahl erreicht hatte. Denn wer die Freiheit hat, alles zu wählen, was er möchte, verliert am Ende auch gerne den Überblick über das Geleistete. Oder, was noch schlimmer ist, man fühlt sich, als hätte man nur wenige Pflichten und lässt alles schleifen. Böser Fehler!
Ob man die Punkte aber überhaupt bekommt, hängt manchmal von purem Glück ab, denn zukünftige Nicht-Lehrer scheinen ab und an einfach nicht auf Listen drauf zu passen. Man fühlt sich als Sprachwissenschaftler von den Dozenten oft genug nicht ernst genommen, weil man das Gelernte ja nicht an Schüler weitergeben wird. Da frage ich mich, ob dieser Satz denn nun wirklich genau bedacht wurde, denn schließlich war der Dozent, der mir gegenüber stand, offensichtlich genau so ein Knallfrosch, wie ich einer bin.
Es sind aber nicht nur die Dozenten oder die schon angesprochene Qual der Wahl, die einen Nicht-Lehrämtler dazu veranlassen, sich öfter mal als etwas anderes zu sehen, sondern auch, dass man von der Hochschule ziemlich alleine gelassen wird. Ein jeder Lehramts-BA, Sozialer Arbeiter, Gerontologe oder weiß der Geier was, kann schön damit rechnen, dass er auch den Rest seiner studentischen Laufbahn wohlbehütet und geleitet von der Uni Vechta absolvieren kann. Ein Sozialwissenschaftler/Anglist kann das nicht. Und da haben wir auch schon den Fehler: Warum wird ein BA-Fach angeboten, zu dem es keinen ausgewiesenen MA an der Hochschule gibt? „Geldmacherei“, schreien die einen, „Pech gehabt“, die anderen, und man selbst denkt sich „Verdammt, die Vorzeigeumstellung auf das BA-Format in Vechta hat wohl doch irgendwo eine Macke.“
Und so kommt es dann, dass man nach 6 (oder manchmal auch 7 oder mehr) Semestern sich schleunigst eine neue Uni, eine neue Wohnung und neue Freunde suchen darf. Dafür bekommt man aber auch neue Dozenten, was gut sein kann, wenn man es sich mit den alten versiebt hat. Oder es kann schlecht sein. Wenn man gerne schleimt und nun wieder von vorne anfangen muss.
Ob man nun etwas Gutes oder Schlechtes in dieser Situation sehen will, sei jedem selbst überlassen. Ich als Ex-Vechteraner bin froh, es mitgemacht haben zu dürfen. Nach nun mehr 3,5 Jahren (jaja, 7 Semester, ich weiß!) freue ich mich aber auch, etwas Neues erleben zu dürfen.
von Sebastian Dargel
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Auf der Jagd nach APs
Datum: 26. Januar 2009
Rubriken: Artikel,No 11 - Januar 2009,Sebastian Dargel,Studium
Adresse: http://www.univista.de/2009/01/26/auf-der-jagd-nach-aps/