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Lehrer vs. Pädagogen
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Lehrer und Pädagogen – ein ungleiches Paar?
© Klaus-Uwe Gerhardt / PIXELIO [1]
Was Lehrer und Lehrerinnen nicht alles sind oder besser sein sollen…
Als eine Art berufliches Sammelbecken vereinigt sich gleich ein ganzes Sammelsurium an möglichen Berufsbezeichnungen in ihren Spiegelbildern, die man nur zu gerne sieht, blickt man in eben dieses Becken. Verzerrungen werden scheinbar übersehen. Allein das bemühte Bild gibt bereits zu bedenken. Lehrer, das ist „ein“ Beruf. Soviel vorweg. Steigen wir dennoch ein in dieses Sammelbecken möglicher Berufszuschreibungen. Wer kennt sie nicht, diese Kinder aus Pädagogen-Familien? Und welche Berufe verbergen sich dahinter? Natürlich, ein Lehrer-Ehepaar. Lehrer sind also Pädagogen. Hierfür gibt es zwar einen eigenen Studiengang, aber gehen wir diesem Bild nach. Anteile des Lehrerstudiums beschäftigen sich klar mit Fragen aus der Erziehungswissenschaft. Jeder Lehramtskandidat hat denn auch zu lernen, was unter „Pädagogik“ zu verstehen ist. Aber heißt das späterhin auch, dass man Pädagoge ist? Wohl nicht. Es ist eine Zuschreibung. Der Lehrer mutiert damit, wie so oft, zu einer Art Projektionsscheibe einer kränkelnden Gesellschaft. Diagnose: Verdrängung, etwa von Aufgaben, die primär in der Familie zu leisten sind und meinetwegen auch von ausgebildeteten Pädagogen. Diesen Ansprüchen kommen Lehramtskandidaten dann mit Idealismus entgegen, der schnell bröckelt. Lehramtskandidaten tun sich dann auch besser, wenn sie sich selbst weniger als angehende Pädagogen als vielmehr eben als angehende Lehrer sehen. Dieser handelt zwar späterhin in bestimmten Situationen und Institutionen, in denen es auch auch um Persönlichkeitsentwicklung geht; das ist bereits dem simplen Umstand bei aller geachteten Komplexität zu verdanken, dass Menschen immer aufeinander einwirken und sich entsprechend beeinflussen, prägen etc. Es ist aber vorrangig nicht das Ziel des Lehrers, erzieherisch und damit pädagogisch zu handeln, sondern es ist seine Aufgabe, Wissen vermitteln zu können. Oder er schafft Situationen, in denen Wissen aufgebaut werden kann. Diese Tätigkeit ist weniger eine pädagogische als vielmehr eine didaktische. Dahinter stehen neben grundlegenden Techniken und Methoden der Vermittlung gleichsam ein fachwissenschaftliches Studium von zwei Fächern. Ohne eine solche Ausbildung kann ein Lehrer, selbst wenn er noch so pädagogisch handeln und wirken will, kein adäquater Berater oder Begleiter sein. Dass Kinder und Jugendliche in dieser Zeit und auch in Lernprozessen neue Erkenntnisse hinzugewinnen, zu lernen lernen und sich nicht zuletzt weiter entwickeln oder eben auch manchmal verharren, stehen bleiben und erst einmal zurückrudern müssen, das alles mag zu der verqueren Aussage führen, Lehrer seien Pädagogen. Nein, sie sind Lehrer, wenngleich sie das Studiensystem derweil als Meister der Erziehung entlässt.
von René Kohn
Lehrer sind keine Pädagogen, sollten es aber werden!
Lehrer sind in meinen Augen keine Pädagogen, aber sie sollten es sein. In der Schule ging es noch nie nur um bloße Wissensvermittlung, dennoch liegt der Schwerpunkt der Lehrerausbildung auf den Fachwissenschaften und die Pädagogik findet nur am Rande statt und meist in Form der alten Klassiker. In Zeiten, in denen Lehrer reihenweise das Handtuch schmeißen (Bsp. Rütli- Schule), in der Verarmung (wirtschaftlich und seelisch) in der Gesellschaft zunimmt, sind Lehrer mehr denn je mit verhaltensauffälligen und vernachlässigten Kindern konfrontiert. Die Schule ist in einem Land mit Schulpflicht für jeden eine wichtige und prägende Institution.
Es sind also vielfältige Aufgaben und Problematiken, welche ein Lehrer zu bewältigen hat, wohlgemerkt neben dem Anspruch, dem Lehrplan gerecht zu werden. Dennoch wird an den Universitäten nicht auf diese Herausforderungen reagiert. Es fehlen Angebote für die Studierenden, welche sie befähigen, im Klassenzimmer zu agieren und angemessen zu reagieren. Es fehlt pädagogisches Handwerkszeug, welches die Lehrer auch die Selbstsorge lehrt. Steigende Burnout-Zahlen bei Lehrern zeigen die Notwendigkeit von Strategien zur Psychohygiene, welche durch eine umfassende pädagogische Ausbildung erlernt werden können.
Didaktik und Pädagogik sind keine Gegensätze und sollten Hand in Hand gehen.
Noch sind Lehrer keine Pädagogen, aber sie sollten es werden!
von Stefanie Bruns
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Lehrer vs. Pädagogen
Datum: 26. Januar 2009
Rubriken: Artikel,Gesellschaft,No 11 - Januar 2009,René Kohn,Stefanie Bruns
Adresse: http://www.univista.de/2009/01/26/lehrer-vs-paedagogen/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de