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Offener Brief an die Kinder von morgen
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© Jessi / PIXELIO [1]
Liebe Kinder von morgen,
ihr seid unsere Zukunft!
An euch liegt es, das deutsche Kulturgut weiterzuführen. Knüpft also an Goethe, Kant und Schiller an! Dass euch dafür Ausdrucksmöglichkeiten und die nötige Rechtschreibung fehlen… nun gut, das macht ihr doch mit eurem dafür um so größeren Kommunikationstalent (sprich Internet) wieder wett, nicht wahr?
Da ihr aber nicht nur für unseren Freigeist, sondern auch für unsere Altersvorsorge aufkommen müsst, wäre es nett von euch, einen gewinnbringenden Job zu finden. Da die meisten Berufe, die früher mit Hauptschulabschluss erlernt werden konnten, nun mindestens Mittlere Reife erfordern, ihr aber schon Probleme beim Erlangen vom ersteren habt und es eh nicht genug Ausbildungsplätze für euch alle gibt… bleibt euch wohl nur das Studium. Gut, erstmal heißt es natürlich, Arschbacken zusammenkneifen und das Abi machen. In 12 Jahren müsst ihr das schaffen, wofür wir noch 13 Jahre Zeit hatten. Und dann einen Platz an der Uni ergattern (aber vielleicht habt ihr ja Glück und es ist wieder zufällig irgendein Studiengang zulassungsfrei hier in Vechta!). Wenn ihr denn das nötige Großgeld habt (denn von Kleingeld ist bei einem Studium, wo allein die Studienbeiträge schon mindestens 4000 Euro betragen, wohl nicht mehr zu sprechen).
Möglich ist das alles, wenn überhaupt, nur deutschen Kindern ohne Migrationshintergrund. Denn da es nicht für jeden von euch einen Kindergartenplatz gibt und in eurer Familie mit Migrationshintergrund zumeist nicht (gut) deutsch gesprochen wird oder ihr in ghettogleiche Wohngebiete abgeschoben werdet, wo ihr auch sonst kaum Kontakt zu deutschen Muttersprachlern habt, ist eure Chance selbst auf einen Hauptschulabschluss… siehe oben.
Aber dann gibt es ja noch uns, die Lehrer und Pädagogen (ein Sorry an alle in Vechta, die was anderes studieren/werden. Ich weiß, ihr werdet auch schon in den Lehrveranstaltungen diskriminiert). Wir sollen all das ersetzen, was euch fehlt und all das möglich machen, was unmöglich scheint. Und das auf Stellen, die gestrichen oder gekürzt werden. Hm…
Liebe Kinder von morgen, wenn ihr also gar nicht erst auf die Welt kommen wollt, könnten wir das zwar verstehen, aber es würde uns arbeitslos und arm im Alter machen. Deswegen eure Devise: Opfert euch auf!
Viele Grüße,
eure Lehrer und Pädagogen von morgen
von Julia Stock
offenerbrief11b
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO [1]
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Offener Brief an die Kinder von morgen
Datum: 26. Januar 2009
Rubriken: Artikel,Gesellschaft,Julia Stock,No 11 - Januar 2009
Adresse: http://www.univista.de/2009/01/26/offener-brief-an-die-kinder-von-morgen/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de