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Pädagogik – eine unterschätzte Profession?
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Gemeinsam statt gegeneinander
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO [1]
Wenn ich in meiner Verwandtschaft erzähle, dass ich Pädagogik studiere, ist die erste Reaktion: „Ach, du wirst Lehrerin?“ Wenn ich das dann genervt verneine und erkläre, dass ich den Schwerpunkt auf Sozialpädagogik gelegt habe, blicke ich meist in fragende Gesichter und muss erklären, was man denn damit überhaupt machen kann. Diese alltägliche „Aufklärungsarbeit“ spiegelt das Bild dieser Profession in unserer Gesellschaft gut wider. Sie wird nicht wahrgenommen oder unterschätzt.
Dies hat viele Ursachen: In unserer Gesellschaft, welche auf einen gesunden, in den Normen funktionierenden Menschen ausgelegt ist, ist es nicht schick, sich einzugestehen, dass man ohne professionelle Hilfe nicht weiter kommt. Dies wird dann als „Versagen“ angesehen und nicht als da, was es ist, nämlich Kompetenz (siehe Diskussion über die Super Nanny, als sie veranlasst hat, dass ein Kind in Obhut genommen wurde und die Medien es so darstellten, als sei sie gescheitert). Diese Einstellung macht es dann Hilfebedürftigen natürlich schwer, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die Hemmschwelle ist also mitunter sehr hoch. Es ist allerdings wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen und es ist richtig, sich dann geeignete Hilfe zu holen.
Mittlerweile ist bekannt, wie komplex die menschliche Psyche ist, wie differenziert die menschliche Entwicklung (Erziehung, Sozialisation) verläuft und wie groß die Zahl der Faktoren für diese ist. Gleichwohl werden
Professionen, welche sich damit beschäftigen und versuchen, darauf positiv Einfluss zu nehmen, eher belächelt.
Die Notwendigkeit wird nicht gesehen. Bei Zahnweh wird jeder einen Zahnarzt aufsuchen, wenn auch mit Zähne knirschen. Doch wenn ich mein Leben nicht auf die Reihe kriege, gehe ich nicht automatisch in eine Beratung oder zum Psychologen…
Der Bedarf wird also so lange nicht wahrgenommen oder ignoriert, dass Pädagogen u. a. oft erst zum Einsatz kommen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. In der Eskalationssituation sollen diese professionellen Helfer das Eisen aus dem Feuer holen. Wenn sie daran scheitern (siehe zum Beispiel den Fall „Kevin“ in Bremen), gibt es nicht nur eine empörte öffentliche Diskussion, sondern die Helfer müssen sich auch noch vor Gericht verantworten.
Pädagogische Maßnahmen sind, gerade im öffentlichen Bereich (Jugendämter etc.), oft nicht viel mehr als ein lästiger Kostenfaktor, welcher minimiert wird, bis
es wirklich nicht mehr geht. Dann sitzt ein Case Manager im Jugendamt und muss 70 und mehr Fälle allein(!) bearbeiten.
Bei der Frage, warum das alles so ist, habe ich zwei Hypothesen:
Zum einen sind pädagogische Interventionen (in welchem Bereich auch immer) in ihrem Nutzen für einen Außenstehenden nicht sofort erkennbar. Es gibt kein fertiges Produkt, nichts was zählbar oder messbar wäre. Wenn ich also nicht weiß, was bei so einer Intervention entsteht, fällt es mir schwer, erstmal für diese zu bezahlen, in der Hoffnung, dass es sich rentiert.
Zum anderen sind wir Pädagogen nicht gut darin, Berufspolitik zu betreiben. Die Profession spaltet sich auf in einzelne Fachbereiche, in denen dann jeder sein Ding macht, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Es fehlt öffentliche Präsenz und Aufklärungsarbeit. Es fehlt die Botschaft „Was wir können, ist wichtig. Unsere Kompetenzen haben einen großen Nutzen für die Gesellschaft.“
Es fehlt ein selbstbewusstes Auftreten nach dem Motto: Ich kann das, das und das und damit kann ich so, so und so handeln. Weg von dieser „Ich kann alles, aber eigentlich nichts“-Mentalität und die, meines Erachtens, falsche sozial aufopfernde Einstellung. Wer neun Semester studiert hat, der sollte sich nicht mit Erziehergehalt abspeisen lassen.
von Stefanie Bruns
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Pädagogik – eine unterschätzte Profession?
Datum: 26. Januar 2009
Rubriken: Artikel,Gesellschaft,No 11 - Januar 2009,Stefanie Bruns
Adresse: http://www.univista.de/2009/01/26/paedagogik-eine-unterschaetzte-profession/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de