Vampire, Drachen und Magie
Tintenherz, Eragon, Bis(s) zum Morgengrauen – Fantasy-Geschichten stehen z.Z. ganz oben in den Bestsellerlisten. Und nicht nur dort: Fanseiten im Internet widmen sich einzelnen Romanen bzw. Filmen, Foren und Blogs beschäftigen sich mit dem gesamten Genre. Fantasy-Fans wurden nicht nur als Leser, sondern auch als Merchandising begeisterte Konsumenten entdeckt: Wer es mit einem Roman wie Tintenherz ernst meint, bekommt vom Brettspiel, einer Tintenherz-Schreibfeder, bis hin zum Taschenbuch, in dem die für den Film verkürzte Geschichte wiedergegeben wird, mehr, als er wollen könnte: Man kann von einem regelrechten Fantasy-Boom sprechen.
Begonnen hat es Anfang der 2000er Jahre mit dem Medienrummel um Harry Potter. Dem 1995 vollendeten ersten Teil der Heptalogie, Harry Potter und der Stein der Weisen, wurde zunächst kein großes Erfolgspotential unterstellt. Er erschien in einer Auflage von lediglich 500 Exemplaren (nein, ich habe keine Null vergessen) bei Bloomsbury Publishing, einem englischen Verlagshaus. Später nahm sich der Hamburger Carlsen Verlag der Romanreihe an. Rowlings Erfolg begann 1999 mit dem dritten Teil, Harry Potter und der Gefangene von Askaban. Mittlerweile ist die 43jährige Rowling die kommerziell erfolgreichste Schriftstellerin der Welt, die Finanz-Zeitschrift Forbes schätzt ihr Vermögen auf eine Milliarde US-Dollar.
Der Erfolg von Rowlings Romanen sorgte nicht nur für dreiste Plagiate wie Harry Potter and Leopard-Walk-Up-to-Dragon oder Harry Potter in Calcutta. Es kamen zahlreiche Romanreihen für Kinder- und Jugendliche heraus, die gerne mit den Geschichten um Rowlings Nachwuchs-Zauberer verglichen werden, sich zum Teil aber deutlich von ihnen unterscheiden. So zum Beispiel Artemis Fowl von Eoin Colfer.
Begonnen hat es Anfang der 2000er Jahre mit dem Medienrummel um Harry Potter. Dem 1995 vollendeten ersten Teil der Heptalogie, Harry Potter und der Stein der Weisen, wurde zunächst kein großes Erfolgspotential unterstellt. Er erschien in einer Auflage von lediglich 500 Exemplaren (nein, ich habe keine Null vergessen) bei Bloomsbury Publishing, einem englischen Verlagshaus. Später nahm sich der Hamburger Carlsen Verlag der Romanreihe an. Rowlings Erfolg begann 1999 mit dem dritten Teil, Harry Potter und der Gefangene von Askaban. Mittlerweile ist die 43jährige Rowling die kommerziell erfolgreichste Schriftstellerin der Welt, die Finanz-Zeitschrift Forbes schätzt ihr Vermögen auf eine Milliarde US-Dollar.
Der Erfolg von Rowlings Romanen sorgte nicht nur für dreiste Plagiate wie Harry Potter and Leopard-Walk-Up-to-Dragon oder Harry Potter in Calcutta. Es kamen zahlreiche Romanreihen für Kinder- und Jugendliche heraus, die gerne mit den Geschichten um Rowlings Nachwuchs-Zauberer verglichen werden, sich zum Teil aber deutlich von ihnen unterscheiden. So zum Beispiel Artemis Fowl von Eoin Colfer.

© Marco Barnebeck / PIXELIO
Insgesamt wurden mehr Leser für das Genre gewonnen, was dazu führte, dass mittlerweile mehr Fantasy-Romane verlegt werden. Viele von ihnen sind gut geschrieben, spannend, angenehm zu lesen und kommen ohne peinliche Parallelen zu den Geschichten um den Zauber-Schüler aus.
Ein anderer Grund für den Fantasy-Boom ist der Erfolg der dreiteiligen Herr-der-Ringe-Verfilmung, die zwischen 2001 und 2003 in den Kinos zu sehen war. Hier gelang es Regisseur Peter Jackson (von ihm übrigens auch die Splatterfilm-Parodie Braindead stammt, in der der Protagonist mit einem Rasenmäher das wohl größte Zombie-Massaker der Filmgeschichte anrichtet), den bis dahin als nicht verfilmbar geltenden Fantasy-Klassiker auf die Leinwand zu bringen. Er schaffte es nicht nur, die argwöhnischen Herr-der-Ringe-Fans zu überzeugen (es gibt Websites, auf denen man bis ins letzte Detail nachvollziehen kann, wo der Film von der Romanvorlage abweicht), sondern machte das über 1300 Seiten starke Werk auch für neue Leser interessant.
Viele der Fantasy-Romane, die in den letzten Jahren erschienen sind, haben gemeinsam, dass sie alte literarische Motive aufgreifen, und diese mit Themen verbinden, die für Jugendbücher typisch sind. So begegnet man immer wieder Drachen, Vampiren und Zauberern. Figuren, die schon vor Jahrhunderten in Märchen, Mythen oder Heldenepen ihren Platz hatten. Handlungsmotive sind hingegen oft Freundschaft, Liebe oder das Erwachsen werden. So zum Beispiel in den Bis(s)-Romanen von Stephenie Meyer. Hier geht es um die erste Liebe der High-School-Schülerin Bella. Ziel ihrer Schwärmereien ist ihr geheimnisvoller Mitschüler Edward – ein Vampir.
In der Tinten-Trilogie steht mit Meggie eine sehr junge Protagonistin im Vordergrund. Im zweiten und dritten Teil der Romanreihe müssen sie und ihre Gefährten sich in einer mittelalterlich anmutenden Parallelwelt gegen bösartige Herrscher behaupten, auch das ist typisch Fantasy.
Jene archaischen fiktiven Welten, die zum Teil recht einfach aufgebaut sind, sind es auch, die der Fantasy den Vorwurf der Realitätsferne – manche reden sogar von Wirklichkeitsflucht oder Eskapismus – eingebracht haben. Klar, wo (wie zum Beispiel in Eragon) auf Drachen reitend gegen machtgierige Könige gekämpft wird, bleibt kein Platz für die Schwierigkeiten des Alltags. Und der – zugegeben seltsam glatt geföhnt wirkende – Vampir Edward Cullen lässt nicht gerade Rückschlüsse auf den Alltag amerikanischer Teenager zu.
Aber so etwas wird wohl kaum ein Fantasy-Autor ernsthaft versuchen. Hier geht es darum, den Leser für einige Stunden in eine fremde Welt zu entführen. Und das ist doch auch okay, oder?
Ein anderer Grund für den Fantasy-Boom ist der Erfolg der dreiteiligen Herr-der-Ringe-Verfilmung, die zwischen 2001 und 2003 in den Kinos zu sehen war. Hier gelang es Regisseur Peter Jackson (von ihm übrigens auch die Splatterfilm-Parodie Braindead stammt, in der der Protagonist mit einem Rasenmäher das wohl größte Zombie-Massaker der Filmgeschichte anrichtet), den bis dahin als nicht verfilmbar geltenden Fantasy-Klassiker auf die Leinwand zu bringen. Er schaffte es nicht nur, die argwöhnischen Herr-der-Ringe-Fans zu überzeugen (es gibt Websites, auf denen man bis ins letzte Detail nachvollziehen kann, wo der Film von der Romanvorlage abweicht), sondern machte das über 1300 Seiten starke Werk auch für neue Leser interessant.
Viele der Fantasy-Romane, die in den letzten Jahren erschienen sind, haben gemeinsam, dass sie alte literarische Motive aufgreifen, und diese mit Themen verbinden, die für Jugendbücher typisch sind. So begegnet man immer wieder Drachen, Vampiren und Zauberern. Figuren, die schon vor Jahrhunderten in Märchen, Mythen oder Heldenepen ihren Platz hatten. Handlungsmotive sind hingegen oft Freundschaft, Liebe oder das Erwachsen werden. So zum Beispiel in den Bis(s)-Romanen von Stephenie Meyer. Hier geht es um die erste Liebe der High-School-Schülerin Bella. Ziel ihrer Schwärmereien ist ihr geheimnisvoller Mitschüler Edward – ein Vampir.
In der Tinten-Trilogie steht mit Meggie eine sehr junge Protagonistin im Vordergrund. Im zweiten und dritten Teil der Romanreihe müssen sie und ihre Gefährten sich in einer mittelalterlich anmutenden Parallelwelt gegen bösartige Herrscher behaupten, auch das ist typisch Fantasy.
Jene archaischen fiktiven Welten, die zum Teil recht einfach aufgebaut sind, sind es auch, die der Fantasy den Vorwurf der Realitätsferne – manche reden sogar von Wirklichkeitsflucht oder Eskapismus – eingebracht haben. Klar, wo (wie zum Beispiel in Eragon) auf Drachen reitend gegen machtgierige Könige gekämpft wird, bleibt kein Platz für die Schwierigkeiten des Alltags. Und der – zugegeben seltsam glatt geföhnt wirkende – Vampir Edward Cullen lässt nicht gerade Rückschlüsse auf den Alltag amerikanischer Teenager zu.
Aber so etwas wird wohl kaum ein Fantasy-Autor ernsthaft versuchen. Hier geht es darum, den Leser für einige Stunden in eine fremde Welt zu entführen. Und das ist doch auch okay, oder?
von Stefan Hirsch
