Welche Themen werden in einem religionspädagogischen Seminar eigentlich behandelt? Diese und andere Fragen werden häufig an einen Theologiestudenten gerichtet. Da dieses eine pädagogische Ausgabe ist, soll auch gerade die Religionspädagogik näher in den Blick genommen werden. Wohl kaum jemand der Leser würde vermuten, dass StudiVZ, Dailysoaps, Talkshows, Familienstrukturen, Gewalt in der Schule, Mediation, Gottesbilder in der Kunst oder Frieden in der Musik dem Bereich der Theologie zuzuordnen sind. Um einen kleinen Eindruck zu gewinnen, soll explizit auf den Punkt der Funktion der Musik im Religionsunterricht näher eingegangen werden.
Einerseits werden Jugendliche durch die Musik mit einem Medium angesprochen, dessen Benutzung ihnen selbstverständlich ist, anders als wohlmöglich bei einem Bibeltext. Andererseits wird dem Schüler vor Augen geführt, dass in der heutigen Zeit religiöse Fragen immer noch einen hohen Stellenwert haben. Es wäre jetzt natürlich ein Trugschluss, der Meinung zu sein, dass Musik als eine Art Allheilmittel eingesetzt werden kann. Die in der Musik angesprochenen religiösen Inhalte können aber gleichzeitig eine neue Ebene darstellen, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Die Darstellungsskala beschreibt verschiedene Phänomene wie Stimmungsregulierung, emotionaler Stimulus, Symbol für Gruppenzugehörigkeit, Möglichkeit der Abgrenzung und Distanzierung von der Erwachsenenwelt, Mittel der Identitätssuche, Sozialisationsinstanz sowie Protestpotential. Ebenso dienen sie dazu, sich abzulenken, als eine Art Ersatzerlebnis. Musik kann dabei behilflich sein, die religiöse Sprachlosigkeit zu überwinden, da es einigen Textpassagen gelingt, im Ansatz das auszudrücken, was viele zwar emotional erleben, gleichzeitig aber nicht verbalisieren können.
Literaturtipps:
Böhm, Uwe, Buschmann, Gerd (2000): Popmusik – Religion – Unterricht. Modelle und Materialien zur Didaktik von Popularkultur.
Schwarze, Bernd (1997): Die Religion der Rock- und Popmusik. Analysen und Interpretationen.
Einige Anreize bezogen auf das Thema Frieden in der Musik sollen exemplarisch genannt werden. Lieder, die Frieden thematisieren, finden sich in der Klassik, der Rock- und Popmusik, der Reggaemusik sowie der Schlagermusik. Diese Lieder richten sich gegen Rechtsradikalismus, Gewalt in verschiedenen gesellschaftlichen Konstrukten und setzen sich mit häufig tabuisierten Themen auseinander. Songs wie „War“ von Bob Marley, „Friedenspanzer“ von den Ärzten oder „Peace on Earth“ von U2 widmen sich dem Frieden. Solche Songtexte beinhalten ein großes Potential für den Unterricht und lassen sich gut darin einbetten. Dadurch wird bei den Schülern eine Grundsehnsucht der Menschen angesprochen, die leider noch nicht umgesetzt wurde: ein friedvoller Umgang, der durch gegenseitigen Respekt und Anerkennung gekennzeichnet ist. Da Frieden in allen Religionen als erstrebenswertes Ziel und nicht nur als Gesinnung betrachtet wird, sondern sich auch auf der interaktionalen, zwischenmenschlichen Ebene ereignet, kann dies einen Ansatzpunkt für die Religionspädagogik bedeuten.
von Thomas Deters