Am 27. und 28. Januar 2009 wird wie jedes Jahr in der Hochschule Vechta fleißig gewählt. Neben der Wahl zum Studierendenparlament werden noch der Senat, die Zentrale Kommission für Lehre und Studium (ZKLS) und die Kommission für Frauenförderung und Gleichstellung (KFG) gewählt. Der AStA und die verantwortlichen Wahlleiter des Studierendenparlamentes versuchen, wie in jedem Jahr, durch gezielte Informationen, Werbung und die direkte Ansprache eine möglichst hohe Wahlbeteiligung unter den Studierenden zu erreichen. Im letzten Jahr konnte man eine Rekordwahlbeteiligung von stattlichen 21 Prozent verbuchen. Eine Zahl, die zum einen ausdrückt, dass hinter den Kulissen gute Arbeit geleistet wurde, aber zum anderen deutlich macht, dass 79 Prozent der fast 3400 Studierenden hier in Vechta nicht gewählt haben. Natürlich ist eine Studierendenwahl kein Pflichtprogramm und jeder kann selbst entscheiden, ob man wählt oder nicht, dennoch ist bei diesen Zahlen ein allgemeines politisches Desinteresse nicht zu übersehen. Die Zeiten, so wird argumentiert, haben sich halt geändert. Es ist schon fast zwei Generationen her, dass sich Studenten ihre Mitbestimmungsrechte erstritten haben und in den folgenden Jahren sehr beherzt an der Hochschulpolitik teilnahmen. Letztlich führte dieses politische Engagement in den achtziger Jahren in die Sackgasse. Gesellschaftspolitische Themen rückten immer mehr in den Vordergrund und verdrängten wichtige Aspekte, die sich mit den Interessen der Studierenden befassen sollten. Landesweit entfernten sich ASten und Studentenparlamente von der lebensweltlichen Wirklichkeit derjenigen, die sie eigentlich vertreten sollten. Abrüstung, Umweltschutz oder kapitalistische Ausbeutung der Dritten Welt wurden heftig diskutiert. Meist mit dem Ergebnis, die Studierenden aufzuklären oder Solidarität, mit wem auch immer, zu bekunden. In diesem Zusammenhang konnte man es verstehen, dass immer mehr Studenten einfach das Interesse an ihrer eigenen Studierendenvertretung verloren haben. Studierendenparlamente wurden als „Quatschbuden“ bezeichnet, in denen viel debattiert, aber wenig Konstruktives erreicht wurde. Natürlich veränderte sich auch die gesamte Gesellschaft gleichzeitig. Allgemeine Politikverdrossenheit ging Hand in Hand mit einer jüngeren Generation von Studierenden, welche ihr Studium und den dazugehörigen Abschluss an erster Stelle setzten. Studierendenparlamente und die ASten der Hochschulen galten als Sammelbecken für politische Gruppen, Selbstdarsteller oder Junior-Berufspolitiker. Regelmäßig blockierten sich Interessengruppen und hinterließen nach ihrer Abwahl den Amtsnachfolgern chaotische Zustände. ASten verschuldeten sich häufig oder verpulverten die Gelder der Studierenden mit Friedenskonzerten oder Demonstrationen, an denen niemand teilnahm. All diese Hintergründe lasten noch heute auf den studentischen Gremien, denn ein schlechter Ruf wirkt immer sehr nachhaltig.
Doch glücklicherweise veränderten sich die Studierendengremien langsam, aber stetig. Mitte der neunziger Jahre konnte man allgemein einen Paradigmenwechsel beobachten, weg von utopischer, politischer Agitation und hin zum Studenten und serviceorientierten Einrichtungen. Die Studierendenschaft rückte wieder in den Mittelpunkt und auch die Umstellung auf das
Bachelor-/Mastersystem sorgte dafür, dass Gremien sich mit Studieninhalten und Studienplanung beschäftigen mussten. In der Hochschule Vechta hat sich das Studierendenparlament jedoch immer in erster Linie als Interessenvertretung der Studierenden gesehen. Wichtige Entschlüsse und die große Möglichkeit, irgendwie auf Seiten der Studierenden einzugreifen, zeichneten immer das Studierendenparlament in Vechta aus.
Aber wie kommt man als normaler Student in das Studierendenparlament? Nun, man kann sich auf eine Wahlliste eintragen oder sich einer Liste anschließen. Unter diesen so genannten Listen stehen Interessengruppen, wie z.B. die Liste Geisteswissenschaft oder die Liste Soziale Arbeit. Jeder Bewerber hat danach die Möglichkeit, in dem Wahl Basta, einem Werbeheft, sich kurz vorzustellen und den Studierenden sein Konzept, Vorschläge oder Vision zu unterbreiten. Oft ist die Rede von dem allgemeinen Einsatz für die Studierenden im eigenen Fachbereich, dem ein Bewerber angehört, sowie natürlich auch in allen anderen Fachbereichen. Somit kann man theoretisch sein Wahlvolk erheblich vergrößern. Die Wahlwerbung der Listen ist immerhin schon deutlicher, wenn es um die Formulierung von angestrebten Zielen geht. Hier werden fachliche Belange und Änderungswünsche auf den Nenner gebracht, um so den Studierenden die Wahlentscheidung zu vereinfachen. Doch dies ist natürlich nicht immer der Fall, so hat sich letztes Jahr der größte Fachbereich sich als Liste aufgestellt und auf eine Angabe von Wahlversprechen, Zielen oder Vorhaben gänzlich verzichtet. Entweder wollte die Liste keine Versprechungen abgeben oder die Probleme des Fachbereiches waren so groß, dass sie sowieso eindeutig waren. Es gibt immer verschiedene Wahltaktiken und Wahlwerbungen und man kann sich, nachdem man selbst gewählt hat, fragen: „Warum habe ich meine Stimme Kandidat XY gegeben? Hat mich seine Erfahrung beeindruckt oder seine angegebenen Ziele und Wahlversprechen? Welche Liste hatte das beste Programm?“ Am Ende jedoch wählt man, wie in der „großen“ Politik, jemanden von der Liste, der den eigenen Fachbereich vertritt, oder noch einfacher, man wählt, wen man unter den Kandidaten persönlich kennt. Warum man wen wählt ist letztlich auch nebensächlich, Hauptsache man hat gewählt und sich somit ein Stück politisch engagiert.
Ehrenamt braucht…
… Ehre?! Nicht nur zum Wählen brauchen wir dich, sondern auch fürs Ehrenamt. Zwar ist es jetzt schon zu spät, sich noch für diese Legislatur für StuPa, ZKLS oder KFG aufzustellen, aber aktiv kannst du auch anders werden. Gerade zum Einstig bietet sich der Fachrat deines Studienganges an. Dieser kümmert sich um kleinere und größere Belange der Studierenden und wird auch kulturell aktiv – Uniparties vor B1 verdankst du immer dem Einsatz eines Fachrates! Und wenn du noch „höher hinaus willst“ in der Hochschulpolitik, bietet der Fachrat dir dafür ein geeignetes Fundament. Aber vor allem macht Fachratsarbeit Spaß und sieht auch später gut in der Bewerbung aus. Für Genaueres wendest du dich einfach an deine Fachvertreter (auf www.asta-vechta.de unter „Fachrat“).
Des Weiteren kannst du im Hochschulsport aktiv werden, dich im Mentoringprogramm Intermento um ausländische Studierende kümmern (auf www.uni-vechta.de unter „International“) oder natürlich bei der uniVista in der Redaktion oder als freier Mitarbeiter mitmachen. All das sind nicht nur tolle Freizeitbeschäftigungen, sondern geben dir die Möglichkeit, andere Leute kennenzulernen, neue Erfahrungen zu sammeln und praktische Kompetenzen zu erwerben.
Und wer weiß, vielleicht bist du bei der nächsten Wahl fürs StuPa dabei?
von Arnold Hobbacher und Julia Stock