Und genau das Gegenteil habe ich für diesen Artikel getan.
Wie ist es als Mann ein Frauenbuch zu lesen?
Diese Frage war das Leitmotiv für eine kleine Expedition in das ureigenste Territorium der holden Weiblichkeit. Eine hochhackige Safari zum Zentrum der femininen Gedankenwelt. Eine Cosmopolitan schlürfende Reise zum heiligen Gral der Emanzipation.
Kurz: Ich las ein Buch über eine Londoner Yuppi-Mittdreißigerin, die denkt, ihr Hintern sei zu dick.
Nachdem ich die Bis(s)-zum-Morgengrauen-Trilogie von Stefanie Meyer gelesen hatte, dachte ich (naiv wie ich war), mir in Sachen weiblicher Literatur schon eine gewisse Erfahrung und Schmerzfreiheit angeeignet zu haben. Dass ich den emotionalen Overkill, den Meyer nach fast jedem Absatz über mich ergossen hatte, locker überstand, stimmte mich optimistisch, dass auch die kommende Aufgabe für mich ein Klacks wäre.
Also lieh ich mir von einer Freundin ein Buch, was nun wirklich die Bezeichnung Frauenliteratur verdiente
Arabella Weir: „Ist mein Hintern wirklich zu dick? – Tagebuch einer empfindsamen Frau“
Was habe ich mich durch die läppischen 237 Seiten durchgequält!
Schon nach den ersten Seiten erwischte mich dieser literarische Östrogenvorschlaghammer frontal im Gesicht. Nach den ersten 30 Seiten geht Jacqueline M. Pane en détail auf ihre Periode ein, schildert ihre Bindenstärke und erläutert jede Kleinigkeit ihrer prämenstruellen Störungen, welche im Buch später wegen häufiger Verwendung(!) als PMS abgekürzt werden.
Aber über allem steht natürlich die titelspendende Frage nach den allesentscheidenden Dimensionen des werten Gesäßes.
„Hilfe, mir passt mein Rock in 38 nicht mehr, ich müsste jetzt eigentlich 40 tragen – deshalb kaufe ich einen neuen in 36 um mich reinzuhungern!“
Männer und Frauenlektüre: eine gute Kombi?
Die paranoiden Gedankenschnipsel der Protagonistin gehen später so weit, dass sie sich Taktiken ausdenkt, um beim Sex nicht zu unvorteilhaft auszusehen, was natürlich in allen Einzelheiten ausgekocht werden muss – Sex sells.
„Wenn ich mich entscheiden müsste: Ich würde eher meinen Po, als meine Muschi bedecken!“
Eine richtige Geschichte wird übrigens nicht erzählt (man möge mich korrigieren, ich habe jedenfalls weder Spannungsbogen noch Ziel ausmachen können).
Vielmehr soll das Buch auf „lustige Weise“ einen Einblick in ein Jahr der Protagonistin liefern.
Da geht es um die wahren Probleme der modernen Frau:
Wie man PNLs (Abk. potenzielle neue Liebhaber) gewinnt und Cellulitis sowie Körpergewicht los wird oder warum die Freundin des Nachbarn beim Sex zu laut ist und die „Makrobio-Fastenkur“ nicht anschlägt.
„Die Blackouts, die ich bei meiner Arbeit wegen des Hungerns bekomme, zeigen mir, dass ich abnehme.“
Als Füllmaterial zwischen den neurotischen 1.-Weltproblemen wird eine halbgare Beziehung zu ANA (Abk. Attraktiver neuer Andy) gereicht, die sich endlos hinschleppt und erst auf den letzten paar Seiten plötzlich zum Happy End gehetzt wird.
Fazit: Obwohl ich im gleichem Maße zu der Zielgruppe gehöre wie meine Omi auf ein Slipknotkonzert, hatte ich zum Teil, das sei zugegeben, schon ein Schmunzeln auf den Lippen. Lichte Momente, in denen ich den grundweiblichen Humor verstand, waren zwar selten, aber um so interessanter.
Die wirren Gedankenströme um alle möglichen Ecken, die ständige Panik, wie frau bei andern ankommt und das niedliche Hin-und-her-Gezicke wegen Frisur, Kleiderkombinationen und gut aussehenden Männern, hatten manchmal schon einen unerklärlichen Reiz, dem selbst ich mich nicht entziehen konnte.
Am Ende bleibt jedoch ein ungutes Gefühl zurück, ein nagendes Unwohlsein, welches die Freude überschattet, diese Aufgabe hinter sich gebracht zu haben…
Ich geh mir die Füße lackieren.
von Thomas Hülsmann