Ich bin ein Befürworter von Fragen und halte es auch ganz sprichwörtlich: Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten. Vielleicht muss man auch ein wenig so denken, wenn das Ziel der Lehramtsberuf sein soll. Aber zunächst noch einige weitere Informationen über den Verfasser: Der Studiengang Master of Education ist nach nunmehr zwei Semestern absolviert. Das impliziert so einiges: Etwa einen vorherigen Bachelorabschluss mit mastergemäßem Schnitt, insgesamt acht Semester Studieren und eine Menge an Prüfungsleistungen, dass beim nachträglichen Durchlesen der Leistungsnachweise die Augen immer größer werden. Wie man das geschafft hat? Die erste Frage verrät ein wenig Ungläubigkeit und Staunen. Man sollte es auch: Studieren ist ein Wahnsinnsakt. Immerzu denken. Nachdenken, überdenken, neu denken, um dann endlich in den Händen das lang ersehnte Zeugnis zu halten: Welch ein Andenken!
Und es impliziert ferner ein ganzes Bündel an aufgekommenen Fragen, mitunter auch die nicht unwichtige Grundsatzfrage: Warum werde ich Lehrer? Die Antwort verschiebe ich auf später.
Die Berg- und Talfahrten hinter den Noten lassen sich oftmals nur erahnen. Ein wenig rastlos geht es von Station zu Station. Am Ende wirst du sie alle besucht haben und mindestens gut bestanden haben müssen, um weiter zu kommen und den Anschluss nicht zu verpassen. Und um ganz sicher zu gehen, solltest du am besten auf 1 lernen, denn man glaubt ja gar nicht, wie viele sehr gute Abschlüsse es hierzulande gibt.
Zeit finden für Fragen ans und im Studium
Aber noch einmal zurück zu dem Bild mit den Stationen. Ein Ziel der neueren Studiengänge gilt der gleichmäßigeren Verteilung der Prüfungsleistungen über das gesamte Studium. Was im Bachelor noch relativ gut funktioniert, stellt sich als Farce für den Master heraus. Ist es wirklich sinnvoll, den Master of Education auf nur zwei Semester anzulegen? Ein Blick in den Aufgabenkatalog für dieses professionalisierte Kurzstudium sollte genügen, um eine halbwegs realistische Einschätzung zu bekommen: 22 Stationen inklusive Fachpraktikum, mündliche Prüfung und Masterarbeit. Wenngleich hier und da in den Anforderungen zurückgerudert wird, bleibt ein weiterer Aspekt zumindest fragwürdig, wenn man sich das hehre Ziel der Verteilung vor Augen führt: Allein die Masterarbeit macht ein Viertel der Abschlussnote aus! Im ohnehin zu kurz geratenen Studium kommt spätestens hiermit der nötige Druck auf, damit es ihn auf jeden Fall weiterhin gibt: den Abschlussstress.
Einige Fälle sind mir in meinem Freundeskreis bekannt. Jene, die das gute alte Staatsexamen gemacht haben. Die fielen dann immer nach ihrem Examen in das berühmtberüchtigte schwarze Loch, weil sie ein ganzes Semester nonstop Prüfungen hatten. Wie wird das mit den Bachelor- und Masterabsolventen sein? Nach mindestens vier Jahren Studium, der Reise von einer Station zur nächsten, der permanenten Konfrontation mit Prüfungsleistungen? Das Beste, was einem dann passieren kann, ist es wohl, unmittelbar ins Referendariat zu flüchten, vorausgesetzt die Eins vor dem Komma steht. Hauptsache das Stresslevel hoch halten.
Es war selten im Studium so einfach, Zeilen zu füllen wie hier und jetzt. Hier darf und soll es kürzer und knapper sein, steht keine Note am Ende, aber natürlich eine Leserschaft, die sich fragt: Ja und, was wolltest du uns eigentlich sagen? Diese Frage ist wie jede andere berechtigt. Die Antwort darauf ist hoffentlich nicht dumm: Jedes Studium sollte Fragen aufkommen und hinterlassen. Viele Fragen habe ich an dieser Stelle nicht gestellt und Antworten auch nur unzureichend gegeben. Dabei hätte ich einige Vorschläge, die gar nicht so neu und originell sein wollen, sondern in ihrem schlichten Verlangen vielmehr dem Unmut vieler Studierenden Rechnung tragen wollen, etwa zur Neustrukturierung zumindest des Masterstudiengangs: Warum nicht den Master auf die Regelstudienzeit von drei Semestern anheben? Warum die Bachelornote nicht anteilig in die Masterabschlussnote einfließen lassen?
Ach ja, hier spricht im übrigen keiner, der seine Abschlussarbeit vergeigt hat oder der befürchten muss, das Referendariat erst in zwei Jahren machen zu können, weil die Note nicht mehr hergibt. Einzig und allein spricht hier jemand, der hofft, viele Fragen im Studium gestellt zu haben und der sie auch jetzt noch stellt. Jemand, der seinen Schülerinnen und Schülern später gerne erzählen möchte, dass das Studium mehr als nur Mittel zum Zweck ist.
Und auf die Frage, warum ich Lehrer werden will, kann ich nur antworten: Eine gute Frage, aber noch bin ich keiner. Aber ich habe eine Vorstellung und werde es herausfinden, neue Fragen stellen und die eine oder andere brauchbare Antwort finden.
von René Kohn
Nr. 1 von Konik, J am 20. Mai 2009 @ 11:36 Uhr
… Herr Krohn möchte also lehrer werden?! schon interessant was so aus dem einen oder anderen Mitschüler geworden ist (werden soll). Vieleicht machen wir doch noch mal ein Klassentreffen der RSB,…. könnte interesannt werden…
Grüße