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Phänomen Boygroup
Nervig oder beeindruckend?
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Boygroups = Klone?
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO [1]
Boygroups! Es ist davon auszugehen, dass alle Leser sich darüber im Klaren sind, was der Begriff „Boygroup“ bedeutet. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, hier ein schnelles Briefing, damit wir auf dem gleichen Stand sind: Eine Boygroup oder Boyband, ist eine Gruppe von meist vier oder fünf zusammengewürfelten jungen Männern im Teenager- und/oder Twen-Alter. Jetzt könnte man denken, das sind doch Bands wie die Beatles damals oder so. Aber der Unterschied besteht darin, dass die Mitglieder einer Boygroup so unterschiedlich wie möglich sein sollen, damit auch für jedes Groupie mindestens einer der Jungs es Wert ist, angehimmelt zu werden. Aber das wohl wichtigste Merkmal einer Boygroup ist, dass die Jungs nahezu synchron singen und tanzen. Sie könnten ebenso gut Klone mit zumindest unterschiedlichen Haarfarben sein. Wollen wir uns mal erinnern, wer denn so in den letzten zehn bis zwanzig Jahren unsere Popwelt begeistert hat und sämtliche junge Frauen zum Ausflippen brachte. Kennt ihr noch diese hier:
  • Die smarten Jungs von The Backstreet Boys. Für einen 2. Pop-Frühling nie zu schade.
  • Die absoluten Schmusesänger von Boyz II Men.
  • Die Stehaufmännchen von New Kids on the Block, die übrigens dieses Jahr ein Comeback starten wollen und mit Bands wie den Pussycat Dolls und Timbaland starten. Außerdem gelten die Jungs als die Boygroup ever. Sie haben in den 1990ern dieses Phänomen überhaupt erst ausgelöst.
  • Die Boys von ‘NSYNC. Ohne Justin würde sich heute kaum noch jemand an die Jungs erinnern.
  • Die Dauerbrenner Take That. Sie können es einfach nicht lassen. Betrachtet man die Verkäufe ihrer Platten und Konzerttickets sind auch eine ganze Menge Menschen froh darüber. Auch wenn man diese Band eigentlich nicht mehr als Teenieband bezeichnen kann, denn sie sind mittlerweile alle in den 30ern und ohne Robbie ist es auch nicht so wie vor zehn Jahren.
Und nein, die Band, die alle jungen Mädchen heutzutage zum Kreischen bringt und von der man behauptet, dass sie die Plattenverkäufe der Beatles übertroffen haben, ist natürlich nicht vergessen worden. In vielen Toplisten des Internets werden sie als schlechteste Band in der Geschichte des Plastik-Pops betitelt, Tokio Hotel. Es ist davon auszugehen, dass diese Listen von Männern und Frauen unseres Alters erstellt worden sind, denn bei Bills, Toms, Gustavs und Georgs Zielgruppe handelt es sich um weibliche Fans im Alter von 10-16 Jahren.
Aber der Grund, warum Tokio Hotel nicht in der Liste aufgeführt wurde, ist ein ganz naheliegender. Sie gelten der Definition nach nicht zu den Boybands. Obwohl alle Mitglieder vermeintlich Jungs sind, so besagt eine Definition, dass die Mitglieder einer typischen Boyband singen und tanzen, aber ihre Instrumente nicht selber spielen. Demzufolge ist Tokio Hotel eine Band, aber keine Boyband.
Doch wieso gibt es so viele Boybands und warum verfallen junge Mädchen in eine Art Hysterie, wenn sie dieselben live auf einer Bühne sehen oder bei manchen auch bereits im Fernsehen?
Eine genaue Erklärung, die auf empirischen Daten basiert, kann hier leider nicht gegeben werden, aber es bestehen seit geraumer Zeit ein paar interessante Theorien zu diesem Phänomen. Eine ist, dass das Kreischen und Weinen aus der Urzeit stammt. Die Mädchen stehen laut dieser Theorie unter einem so enormen Druck, der durch überaus hohe Erwartungen an den Liebling entsteht, dass das Kreischen beim Anblick desselben als ein Energieausgleich anzusehen ist. Sie machen sich im wahrsten Sinne des Wortes Luft.
Eine zweite und wahrscheinlichere Theorie besteht darin, dass überschüssige Hormone bedingt durch die Pubertät verrückt spielen und somit leicht außer Kontrolle geraten. Beim Anblick des Angebeteten kompensieren sich diese Hormone und äußern sich in Form einer Hysterie, eines Schrei- oder Weinkrampfes. Könnte dies gesundheitsschädlich sein? Diese Frage lässt sich ebenso nicht ganz eindeutig beantworten, denn obwohl eine Boyband eine Lebenserwartung von maximal zwei Jahren am Pophimmel (Comeback ausgeschlossen) hat und somit die Hysterie kurzweilig sein sollte, sorgen die USA dafür, dass immer ausreichend Nachschub besteht. Für eine Teenieband, die dem Popzenit Lebewohl gesagt hat, werden drei bis vier Neue gecastet. Dieses auch gerne publik im Fernsehen, womit die Wartezeit bis zur ersten Single überbrückt werden kann.
Abschließend ist zu sagen: Keine Angst, meine Lieben, Boybands wird es immer geben.
Und an unsere Generation gerichtet: Wer sich über Boygroups lustig macht, sollte mal überlegen, warum er sämtliche Texte auswendig mitsingen kann. Denkt mal drüber nach.
von Jessica Barbato
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Phänomen Boygroup
Datum: 27. April 2009
Rubriken: Artikel,Jessica Barbato,Musik,No 12 - April 2009
Adresse: http://www.univista.de/2009/04/27/phaenomen-boygroup/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de