Die Sonnenkamp-Party
Ein Nachruf voll Larmoyanz, aber mit Recht.
Verehrte Freunde, Bekannte, Verwandte und Angehörigen,
wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von etwas, was uns viele Jahre in unserem Leben als Student begleitet hat. Lange Zeit bildete sie den Höhepunkt des Sommersemesters, auf den man sich freuen, auf den man hinarbeiten konnte. Viele fröhliche Stunden haben wir dort zusammen verbracht. Viel zu früh ist sie nun als mutmaßliches Opfer ihrer eigenen Popularität von uns gegangen.
Auf private Zwistigkeiten, Liebesgeplänkel und sonstigen Soap-Stoff im Dozentenkreise soll an dieser Stelle verzichtet werden. Und ganz ehrlich: Solche Gärtner- und Wer-mit-wem-und-wie-gut-oder-schlecht-Geschichten ändern sich ja doch täglich, so dass man Gefahr läuft, nicht nur längst Gewesenes zu veröffentlichen, sondern dafür auch noch eine Verleumdungsklage zu kassieren. Unschön!

Geboren wurde sie vor vielen Jahren aus der hehren Idee einiger junger Sonnenkampbewohner, den Mitstudenten einen schönen Abend zum Semesterausgang zu bereiten. Selbstlos und rein ehrenamtlich tätig gelang es ihnen, durch die einzigartige Open-Air-Atmosphäre im Innenhof mit Lampions, guter Musik und niedrigen Bierpreisen bei freiem Eintritt eine Kultfeier zu etablieren, welche von einer großen Mehrheit als „die beste Party des Semesters“ bezeichnet wird. Es waren sorgenfreie Jahre voll der Blüte und Prosperität, stets mit dem Wohlwollen des Wettergottes bedacht. Nicht einmal die Einführung des Eintrittentgeltes ab 2005 konnte ihrer Beliebtheit einen Abbruch tun. Mit den Jahren zog die beliebte Feier jedoch Mitbürger an, deren Anliegen nicht hundertprozentig dem reinen Feiern galt. Mehr und mehr häuften sich die Zwischenfälle und kleineren Diebstähle (u.a. sogar ein Laptop). So mußte der Heimrat traurigerweise eine weniger professionelle Truppe an dunkel gedressten Männern an den Eingängen postieren. Diese konnte nicht verhindern, dass sich im Jahr 2007 ein unfreundlicher Genosse durch Eintreten der Tür Zutritt zu einem Apartment im Sonnenkamp verschaffte und 2 gefüllte Kassen mit einem Teil der Einnahmen entwendete. Nur durch viel Glück erwischte derjenige nur die Kassen mit dem Kleingeld (Wenn du von damals das hier liest: In der mittleren Kasse waren die großen Scheine. Sehr viele große Scheine. Und du Trottel schleppst dich mit… egal.) Durch den Missgriff des Diebes konnte der Heimrat doch noch sämtliche Löhne und Rechnungen für Getränke und Kühlcontainer bezahlen. Trotz allem war dadurch der Moral der Veranstalter recht zugesetzt worden. Und so hoffte man für das Jahr 2008 auf eine ruhigere Nacht. Eine Hoffnung, die sich wieder nicht erfüllen sollte. So entdeckten ein paar geistige Tiefflieger die Feuerlöscher in Haus 9b als Mittel zur Verwirklichung einer privaten Schaumparty. Unsere des größten Dankes würdige Putzfrau hat natürlich Luftsprünge vor Freude gemacht. Zudem gab es wieder Beschädigungen, u.a. erneut eine kaputte Tür. Wieder gab es Sauereien auf den Toiletten (Was ist so witzig daran, NEBEN die Schüssel zu kacken?), bei denen man nicht weiß, ob dort Mensch oder Tier die Notdurft verrichteten. Ein Spezialist konnte gerade noch davon abgehalten werden, in ein Treppenhaus zu urinieren. Hinzu kommen die unzähligen achtlos in Gebüsche geworfenen Flaschen, Berge von Müll, weil kein Schwein sich die Mühe macht, mal eben 2 Meter zu einem der vielen Mülleimer zu laufen und und und.
Wir, der Heimrat, wissen, dass die Ausrichtung einer Feier Arbeit macht. Arbeit, die wir gern gemacht haben. Mit den letzten Jahren haben wir jedoch beobachtet, dass diese Arbeit nicht nur immer öfter herabgewürdigt, sondern mit den Füßen getreten wurde. Mit diesen Erfahrungen scheinen wir nicht allein zu sein. Auch die B1-Partys sind seit vielen Jahren etabliert, aber noch nie standen sie so oft und so grundlegend zur Debatte wie in letzter Zeit. Aus bekannten Gründen wurden die B1-Partys für das laufende Sommersemester sogar komplett gestrichen. Und auch unser Hausmeister hat verständlicherweise keine Lust, als erste Amtshandlung am Morgen nach der Party irgendwelche Schäden mit dem Studentenwerk zu regulieren. Wenn sich jetzt irgendwelche Zweitsemester fragen: „Das ganze selbstmitleidige Gejammer – wegen einer Party?!“ Denen können wir nur antworten, dass es uns um den traurigen Prozess an sich geht, dass Unifeten ohne Türsteher und ohne irgendwelche Sachschäden Geschichte sind. Und stattdessen einige wenige Idioten die Legitimation des studentischen Feierns in Frage stellen lassen. Wir wissen nicht, woran all das liegen kann. Zuviel Alkohol und zuwenig Katharina Saalfrank? Die Konsequenz kennen wir jedoch sehr wohl:
Keine Sonnenkamp-Party 2009!
von Christopher Vielhaber
