Geschlechtertausch
Ein Tag im Körper des anderen Geschlechts
Ich hätte Brüste. Und der Rest des Tages? Ich könnte es mal mit Schuhe kaufen versuchen. Eigentlich etwas, dass ich furchtbar finde und auch nur mache, wenn es unbedingt nötig ist. Normalerweise gehe ich in ein Schuhgeschäft, stelle fest, dass das einzige Paar, was mir passt und halbwegs gut aussieht, 179 Euro kostet, gehe genervt wieder raus und kaufe bei Karstadt mal wieder ein Paar Adidas Samba. Billig, robust und ich weiß auf Anhieb, welche Größe ich brauche. Aber als Frau? Vielleicht würde es mir Spaß machen? Dann könnte ich mir einen Mehrjahresvorrrat anschaffen. Herrenschuhe natürlich, schließlich wäre ich ja nur für einen Tag Frau. Außerdem gibt es Damenschuhe in meiner Größe nur im Sexshop, und so etwas gibt es in Vechta nicht, schließlich sind wir eine anständige Stadt. An meinem Tag als Frau würde ich dann einfach meine Sambas tragen, die stehen jedem – ja, ich gebs zu, ich trage sie sogar zum Anzug.
Mir stünden jede Menge Türen offen, die einem als Mann verschlossen bleiben. Es wäre mir zum Beispiel möglich, herauszufinden, ob Freundinnen sich tatsächlich über die sexuelle Kompetenz ihres Partners unterhalten. Soll ja angeblich so sein, obwohl eigene Freundinnen immer behaupten, dass sie das nie machen würde. Und ich könnte eine Handtasche tragen und bräuchte mir nicht mehr Autoschlüssel, Wohnungsschlüssel, Handy, Taschentücher und Portemonnaie in die Hosentaschen stopfen, was irgendwie der größte Nachteil am Sommer ist. Ich denke, ich würde mich für eine gefälschte Louis-Vuitton-Handtasche entscheiden. Die sind zwar stillos und seit einigen Jahren aus der Mode, aber weiß nicht, ich finde die Dinger irgendwie lustig.

Außerdem könnte ich mich in einem Frauen-Fitness-Center zu einem Probetraining anmelden, mich bei pro familia bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs beraten lassen, meine Kumpels fragen ob mein Hintern zu fett und wer ihre Lieblingsfigur bei Twilight ist und auf eine von diesen Flatrate-Partys gehen, die für Frauen 11 und für Männer 28 Euro Eintritt kosten. Ob da wohl Männer mit mir flirten würden? Wahrscheinlich nicht, schließlich wäre ich sehr schlecht geschminkt, ich hab da schließlich keine Erfahrungen mit, und statt Stiefeln mit hohen Absätzen würde ich Sambas tragen. Glück gehabt. Wenn ich keine Lust mehr hätte, würde ich jedenfalls nach Hause gehen. Allein. Denn: Ich hätte Brüste.
von Stefan Hirsch
Mh… so ein Tag als Mann, wie würde der wohl aussehen? Beim Blick in den Spiegel bekäme ich wahrscheinlich einen gehörigen Schreck, angesichts der Stoppeln in meinem Gesicht. Also erstmal rasieren. Das ist ganz schön lästig. Gut, dass ich das morgen nicht mehr machen muss.
Mein Kleiderschrank sähe plötzlich so voll aus. Eine Jeans und ein T-Shirt reichen doch vollkommen aus, oder? Oh Mann, so viele Schuhe, aber für heute gehen wohl nur die Turnschuhe.
Mein Kleiderschrank sähe plötzlich so voll aus. Eine Jeans und ein T-Shirt reichen doch vollkommen aus, oder? Oh Mann, so viele Schuhe, aber für heute gehen wohl nur die Turnschuhe.
Auf geht’s, erstmal in die Mensa, was essen. Es fühlt sich ganz schön komisch an, wie so ein Mann läuft. Oh, wer kommt denn da? Mädels! Wow, ich wusste nicht, dass Hintern und Brüste so anziehend sein können.
Bevor ich mich anstelle, gehe ich dorthin, wo Frauen sonst nicht hin dürfen, in die Toilette für Männer.
Irgendwie ist das aber doch nicht so spektakulär, wie ich erhofft hatte. Also zurück zum Essen.
Worüber reden Männer so unter sich? Ist die Standardbegrüßung wirklich: “Hey Alter, was geht?” Ich probier es aus und ernte komische Blicke. Anscheinend ist es doch nur so ein Klischee.
Was jetzt? Was macht ein Mann so den ganzen Tag? Ich versuch es mit einem Ego-Shooter. Ich spiel sonst eher Anno oder die Sims.
Abends geh ich auf eine Party, ohne mich vorher extra noch mal umzuziehen. Die Sachen sind ja noch gut. Es ist echt praktisch, wenn ein Kamm fürs Styling reicht und ich nicht soviel Zeit mit dem Make-up verschwende.
Bevor ich mich anstelle, gehe ich dorthin, wo Frauen sonst nicht hin dürfen, in die Toilette für Männer.
Irgendwie ist das aber doch nicht so spektakulär, wie ich erhofft hatte. Also zurück zum Essen.
Worüber reden Männer so unter sich? Ist die Standardbegrüßung wirklich: “Hey Alter, was geht?” Ich probier es aus und ernte komische Blicke. Anscheinend ist es doch nur so ein Klischee.
Was jetzt? Was macht ein Mann so den ganzen Tag? Ich versuch es mit einem Ego-Shooter. Ich spiel sonst eher Anno oder die Sims.
Abends geh ich auf eine Party, ohne mich vorher extra noch mal umzuziehen. Die Sachen sind ja noch gut. Es ist echt praktisch, wenn ein Kamm fürs Styling reicht und ich nicht soviel Zeit mit dem Make-up verschwende.
Ich will doch mal sehen, ob ich als Mann den Überschuss an Frauen hier in Vechta nicht nutzen kann. Also stell ich mich an die Tanzfläche, mein Bier in der Hand und sondiere die Lage. Mir gefällt, was ich sehe. Aber jetzt bin ich in Zugzwang. Männer müssen ja traditionell den ersten Schritt machen. Mir fällt jetzt zum ersten Mal auf, was für ein blödes Ritual das ist. Denn Mann soll ja nicht nur den ersten Schritt machen, sondern dabei auch noch intelligent und kreativ sein. Boah, darauf habe ich keine Lust. Ich bleib lieber bei meinem Bier, echtes Bier, nicht dieser Mixkram.
Dann geh ich, ohne es versucht zu haben, zu Bett. Morgen bin ich glücklicherweise ja wieder eine Frau.
Dann geh ich, ohne es versucht zu haben, zu Bett. Morgen bin ich glücklicherweise ja wieder eine Frau.
von Stefanie Bruns
