Artikel drucken
Dreck – Ein Hoch auf die Putzlappen
Dreck wächst mit seinen Aufgaben. Dreck verweist auf Leben. Ja, Dreck reinigt sogar den Magen. Wieso also ein solch wunderbares Produkt unserer großzügigen Umwelt bekämpfen? Obwohl er alle Eigenschaften besitzt, der sich im Normalfall die Gesamtheit aller menschlichen Sinne entziehen möchte, bindet er vortrefflich die Charakterzüge eines Menschen zu einem Ganzen. Man möchte wissen mit welcher Person man es zu tun hat? Das Ausmaß der Verwüstung individueller Umfelde gibt darauf die Antwort. Nach dem Motto: Zeig mir deine Behausung und ich sage dir, wer du bist. Das Spektrum ist groß. Von psychisch gestörten Messies bis hin zu psychisch gestörten Ordnungswahnsinnigen. Oder unbrachial betrachtet: Von Menschen geregelter Verhältnisse bis hin zu Typen getriebener Planlosigkeit. Vielleicht sind solcherlei Betrachtungen wissenschaftlich relevant, vielleicht aber auch einfach nur: Müll.
Im Rahmen fortlaufender Emanzipation in allen sozialen Bereichen möchte ich auch sogleich das ausgelutschte Thema über die Unterschiede der Haushaltsführung zwischen den Geschlechtern verwerfen, entsorgen und pfandfrei niemals wiederverarbeiten.
Solange man angekündigten Besuch nicht als Gelegenheit auffasst, das vorläufig geplante Saubermachen tatsächlich umzusetzen, so bleibt zu sagen, das ein ungepflegtes Territorium eine Gelegenheit darstellt, um die Ernsthaftigkeit einer Beziehung zu Freund/Freundin oder Anderes auf die Probe zu stellen: Du willst mich? Du bekommst mich nur mit diesem und meinem Zimmer!
© Gisela Peter / PIXELIO [1]
Es ist doch auch so, dass ein monatelanges, dahinsiechendes räumliches Umfeld einen Bezug zu der persönlichen Vergangenheit darstellt. Überwindet man sich wirklich einmal, den Frühjahrsputz durchzuziehen, könnte man unter dem eigenen Bett Dinge entdecken, die einem in schöne frühere Tage zurückversetzen. Eine Budweiserflasche vielleicht? – Ach ja, die verrückte Tschechin auf der WG-Party von `97. Das waren noch Zeiten. Das eigene unordentliche Zimmer dient also auch leidlich als eine Art Tagebuch.
Im Endeffekt bleibt zu erwähnen: Ob ordentlich oder unordentlich. Solange der Teppich nicht anfängt zu leben, ist doch alles in recht geordneten Verhältnissen.
von Tobias Kunz
So! Ich bin dann vor ein paar Monaten umgezogen. Im alten Zimmer hatte ich Laminat… also keinen Teppich. Ich hatte mich gut auf meinen Umzug vorbereitet, aber eine stille Gefahr habe ich nicht gesehen. Als mir meine Freunde geholfen haben mein Bett auseinander zu bauen, da sprangen sie mir fast ins Gesicht. Sie haben mich ausgelacht und streckten mir ihre grauen Zungen entgegen. Staubhasen oder wahlweise auch Staubmäuse genannt. Sie sammelten sich gesellig auf dem Boden und lachten uns mit ihrem Staub an. Zugleich mussten wir alle bei diesem Anblick keuchen vor Entsetzen… Naja, eigentlich eher wegen dem Staub, aber so klingt es dramatischer. Frisch umgezogen habe ich mir geschworen mehr für mein Zimmer zu sorgen. Daraus wurde leider noch nicht so viel, aber jetzt putze ich wenigstens. Mein Zimmer aufräumen? Ja, schon, aber… seien wir doch mal ehrlich! Wie viele von Euch räumen ihr Zimmer auf, wenn sich nicht gerade die Eltern oder anderer Besuch angemeldet hat? Also, ich gestehe hiermit, dass ich mein Zimmer nur aufräume, wenn Besuch kommt. Das ist in meinen Augen aber auch völlig in Ordnung, denn ich muss schließlich darin schlafen und nicht mein Besuch (naja, im Regelfall ist das so). Zu meiner Verteidigung darf ich sagen, dass ich aber wenigstens einen Grund habe mal richtig aufzuräumen und Besuch ist doch immer schön, also räume ich dann auch gerne auf, um meine Gäste gut zu empfangen. Und da ja Ausnahmen immer die Regel bestätigen, muss ich hier noch hinzufügen, dass auch sehr gerne während der Klausurenzeit geputzt wird. Hand aufs Herz, das ist doch bei Euch auch so.
Also hoch mit Euch Studenten und an die Putzlappen. Versucht auch, ohne dass Besuch kommt, Eure Staubhasen zu fangen und bringt sie zum Stillschweigen, denn sie haben kein Recht auf Leben! Mögen die Putzmittel und -lappen mit Euch sein!
von Sarah Kotten
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Dreck – Ein Hoch auf die Putzlappen
Datum: 1. Februar 2010
Rubriken: Artikel,Kolumne,No 14 - Februar 2010,Sarah Kotten,Titel,Tobias Kunz
Adresse: http://www.univista.de/2010/02/01/dreck-ein-hoch-auf-die-putzlappen/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de