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Die Leipziger Buchmesse 2010
Hören, sehen, lesen und fühlen
Foto: Jenniffer Malenz
Dank meiner Tätigkeit in der uniVista-Redaktion, war es mir möglich dieses Jahr – erstmalig – zur Leipziger Buchmesse zu reisen. In der sächsischen Stadt findet jährlich das bekannte Lesefestival Leipzig liest statt, das viele Leute von nah und fern anzieht. Sie besuchen Veranstaltungen in der ganzen Stadt, die sich rundum mit Literatur beschäftigen, und natürlich auch die Buchmesse selbst, auf der ich mich hingegen ausschließlich befand. Viele Eindrücke habe ich dort gewonnen und das ein oder andere aus diesen Tagen gezogen, was ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte.
In einer Welt, in der die Neuen Medien immer angesagter sind, nehmen die Besucherzahlen der Buchmesse nicht etwa ab, wie man daraus hervorgehend vermuten könnte. Nein, im Gegenteil. Wie die regionale Tageszeitung in Leipzig berichtete, steigt die Zahl der Buchinteressierten von Jahr zu Jahr an. Deshalb sei es sinnvoll frühzeitig Fahrt und Unterkunft zu buchen und sich somit ohne Stress auf die 4 Tage des Ausnahmezustands Leipzigs zu freuen.
Außerdem bietet sich die Bahnfahrt schon allein deswegen an, weil man mit der Messeeintrittskarte kostenlos den Nahverkehr in Leipzig und Umgebung (bis nach Halle) am Besuchstag nutzen kann. Auch das Messegelände ist wohl am besten mit der Bahn zu erreichen.
Das Gelände selbst besteht aus mehreren großen Hallen sowie einer gewölbten Haupthalle aus Glas. Das ist sehr schön anzusehen und macht einen ungemein freundlichen und hellen Eindruck. Allerdings wird es dort auch im recht kühlen März extrem warm, was sicherlich auch mit den Scheinwerfern, Kameras und der hohen Besucheranzahl zusammenhängt.
Falls es einem zu warm wird und man zusätzlich zu viel Ballast zu tragen hat, kann man für einen geringen Preis die Garderobe in Anspruch nehmen oder aber ergattert sich bei diversen TV- und Verlagsständen Papptüten, in denen man alles verstauen
kann.
Cosplayer in Action
Foto: Jenniffer Malenz
Die gewölbte Glashalle ist hauptsächlich mit Ständen von TV-Sendern belegt, während die Halle 2 befüllt ist mit Kinderbuchverlagen, der Kinderbuchhandlung sowie Fantasy, Anime usw. Außerdem befindet sich dort die sog. Cosplay-Halle, in der sich jährlich die Cosplayer (Personen, die einem japanischen Verkleidungstrend folgen) zusammenfinden, um dort am Fotowettbewerb teilzunehmen und somit evtl. für das beste Kostüm prämiert zu werden. In Halle 3 befindet sich die Buchhandlung für Erwachsene. Außerdem ist diese hauptsächlich mit Verlagen anderen europäischer Länder gefüllt, was beim Durchqueren dieser äußerst interessant ist, da man von allen Seiten Lesungen und Interviews hört, teilweise mit Übersetzung. In den Hallen 4 und 5 befinden sich wiederum eher deutsche Verlage, die Autoren-Arena der Leipziger Volkszeitung, die Autorenbuchhandlung sowie die Signierstände.
Des Weiteren sind vor und hinter der Messe kleine Wasserflächen, die ebenfalls dazu einladen, sich gemütlich hinzusetzen und zu verschnaufen. Insgesamt also eine wirklich sehr schöne Atmosphäre.
Donnerstag, der 18. März
Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse 2010
Direkt nach der Ankunft in Leipzig fuhr ich zur Messe, um die diesjährige Verleihung mitzuerleben. Da bis dahin noch etwas Zeit war, entschloss ich mich währenddessen einem Interview von Michael Mittermeier zu lauschen, der sein Buch Achtung Baby vorstellte und Anekdoten daraus erzählte. Ein sympathischer Mensch, der im Anschluss an das Interview noch für all seine Fans, die auf ihn warteten, signierte.
Der Preis der Leipziger Buchmesse wurde bis dahin schon fünfmal vergeben und zeichnet Autoren für ihre Bücher in den Kategorien Sachbuch und Belletristik sowie den Autor einer besonders gelungenen Übersetzung aus, die von der Jury am ersten Tag der Buchmesse veröffentlicht werden. Viele waren für diesen Preis nominiert, einige Autoren schon Wochen zuvor in den Medien vertreten. Und so fieberte man jenem Moment entgegen, in dem die Sieger bekannt gegeben werden würden.
Die Hallen waren ca. zur Hälfte mit Presse gefüllt, die sich gegen 16 Uhr in der großen Glashalle sammelte. Auch ich fand mich dort ein, um nun das folgende Ergebnis zu erfahren:
Der Preis in der Kategorie Belletristik ging an Georg Klein mit seinem Buch Roman unserer Kindheit, zu dem Ihr weitere Informationen innerhalb unserer Rubrik Perlen der Bibo [1] entnehmen könnt. Des Weiteren gewann Ulrich Raulff mit Kreis ohne Meister in der Kategorie Sachbuch. Ulrich Blumenbach erhielt für die Übersetzung des Buches Unendlicher Spaß von David Foster Wallace den Preis in der gleichnamigen Kategorie.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nun zum einen weiß, wie viele Orte ich kostenlos mit der NWB erreichen kann, wie es in Niedersachsen aussieht und wo ich ungestört Zugfahren kann. Zum anderen habe ich meine beiden Mitredakteure besser kennengelernt sowie umgekehrt, was doch immer eine tolle Sache ist und zum Zugfahren einfach dazugehört! Thank you for travelling! .
Jury des Preises der Leipziger Buchmesse 2010
Foto: Jenniffer Malenz
Freitag, der 19. März
Da nun die Gewinner des Leipziger Buchpreises bekannt waren, wurden sie hier und dort natürlich zu Interviews geladen. So auch Georg Klein am Freitagvormittag bei 3sat. Dort beantwortete er bereitwillig einige Fragen bezüglich seines Preises und las noch einige Minuten aus dem Anfang seines Buches vor, was die Menschen um ihn herum ganz aufmerksam werden lies.
Nachdem ich nun etwas mehr Überblick auf dem Gelände hatte, besuchte ich im Anschluss diverse Veranstaltungen.
Aus meinem Programmheft entnahm ich, dass in der „Textbox“ poetische Texte vorgetragen werden. Und so begab ich mich zum Stand in der Glashalle, in der die Sprecher in einer kleinen Box vor einem Mikrofon standen. Allerdings konnte man ihre Stimmen nur hören, wenn man sich einen der davor hängenden Kopfhörer nahm und ihren Worten lauschte, die kritisch und poetisch zugleich waren.
Der Tag endete für mich schließlich mit einer Recherche über die Eulenspiegel Verlagsgruppe, die mir während der Messe auffiel. Die von ihr vorgestellten Bücher greifen häufig Themen der ehemaligen DDR auf. Teilweise auch aus persönlichem Interesse stöberte ich in diesem Sortiment herum und empfehle Euch, euch ebenso die Zeit dafür zu nehmen, nach Büchern zu stöbern und sich darin zu verlieren.
Katy Karrenbauer
Foto: Jenniffer Malenz
Samstag, der 20. März
Ganz verloren fühlte ich mich am Samstagmorgen, als ich schon auf der Fahrt zum Hauptbahnhof kaum in die Züge kam, weil es überall von verkleideter Menschen wimmelte. Der gesamte Hauptbahnhof war gefüllt mit Cosplayern, die ein Gefühl einer anderen Welt vermittelten, und somit natürlich auch die Messe selbst.
Da an diesem Tag jedoch viele Prominente vor Ort waren, lies ich mich von dem Getümmel nicht abschrecken und fuhr auch wieder zur Messe. Günter Grass, der Autor von Die Blechtrommel, signierte Bücher und fand vor sich eine lange Schlange, die bis in die nächste Halle hineinreichte. Jostein Gaarder, der das philosophische Buch Sophies Welt schrieb, sollte ebenfalls zum Signieren kommen, fiel aber leider wegen Krankheit aus. Dies nahm mich wirklich mit, da ich ein begeisterter Fan von diesem Buch bin. Wenigstens weiß ich nun, welchen Geschlechts Jostein Gaarder angehört. Mir war es bislang aufgrund des undeutlichen Namens nicht ganz einleuchtend gewesen, dass er männlich ist.
Weitere Freude bereitete mir Katy Karrenbauer, die zunächst in der LVZ-Autoren-Arena für ein Interview zur Verfügung stand, das sie äußerst sympathisch erscheinen lies, und anschließend zum Signieren bei der Eulenspiegel Verlagsgruppe war. Auch ich konnte glücklicherweise ein Autogramm erhalten. Lustigerweise sollte man erwähnen, dass auf ihrem Tisch ein Stapel mit Autogrammkarten bereitstand, der nach einigen Minuten und dem Kommentar von Karrenbauer „Was? Wie sehe ich denn darauf aus? Das geht nicht mit dem Doppelkinn“ plötzlich nicht mehr bereitlag. Auch Thomas M. Stein war zum Signieren anwesend und schenkte mir für ein Foto ein Grinsen.
Doch damit nicht genug. Paul Maar, Erfinder der Kinderbuchfigur Das Sams, war freudestrahlend und sympathisch am Signiertisch für seine jungen Leser bereit, ihnen mit einem Autogramm und einer kleinen und hübschen Zeichnung das Buch zu signieren. Und wie bereits erwähnt, war auch Michael Mittermeier einer der anwesenden Prominenten.
Nach der Autogrammstunde von Frau Karrenbauer besichtigte ich noch eine sehr interessante Fotoausstellung, die Bilder aus dem Jahr 1989 zeigte. Dies macht deutlich, wie vielseitig die Buchmesse verschiedenst interessierte Leute anspricht. So auch die in Unmengen verkleideten Leute, die leider auch einen großen Haufen Müll in der Cosplay-Halle hinterließen. Ein wohl rundum buntes Treiben, wie man sagt.
Sonntag, der 21. März
Auch der Sonntag war ein sehr gut besuchter Tag, an dem es sich dennoch gelohnt hat auf der Messe anwesend zu sein und die Bücher, die man am Donnerstag oder Freitag besichtigt hat, nun günstiger und direkt an den Verlagsständen zu ergattern.
Diese Gelegenheit habe auch ich genutzt, bis ich dann wieder in Richtung Vechta aufbrach.
Zusammenfassend kann ich für das nächste Jahr nun raten, den Donnerstag dafür zu nutzen, um in Ruhe nach Büchern zu stöbern, da man aufgrund der hohen Presseanzahl genügend Plätze erhält, um in diese hineinzulesen. Des weiteren ist es, aufgrund der allgemein geringeren Besucherzahlen im Vergleich zu Samstag und Sonntag, sehr gut, sich allgemein erst einmal zu orientieren und umzusehen. Auch der Freitag bietet sich im Allgemeinen dafür an, obwohl sich auch gegen Nachmittag die Hallen mehr und mehr mit Besuchern füllen.
Der Samstag hingegen ist extrem voll und eignet sich wohl eher dazu, die Stadt und Umgebung kostenlos zu erkunden. Der Aufenthalt auf der Messe ist dem nur vorzuziehen, wenn man den Cosplayern oder aber Prominenten unbedingt begegnen möchte.
Sonntag, wie bereits erwähnt, stellt die beste Gelegenheit dar, die Bücher, die man haben möchte, kostengünstiger beim Verlag selbst zu erwerben.
Insgesamt bin ich sehr froh, auf der Leipziger Buchmesse gewesen zu sein und lege es jedem von Euch ans Herz, diese Tage im März 2011 zu erleben.
Weitere Fotos und Informationen zur Buchmesse Leipzig findet Ihr im Bilderalbum [2] und auf www.leipziger-buchmesse.de [3].
von Jenniffer Malenz
Foto: Jenniffer Malenz

Bilderalbum
uniVista No. 15: Leipziger Buchmesse 2010 [5]
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Die Leipziger Buchmesse 2010
Datum: 3. Mai 2010
Rubriken: Artikel,Jenniffer Malenz,Literatur,No 15 - Mai 2010
Adresse: http://www.univista.de/2010/05/03/die-leipziger-buchmesse-2010/
Links im Artikel:[1] Perlen der Bibo - http://www.univista.de/2010/05/03/worte-der-vergangenheit-aus-dem-herz-eines-kindes/
[2] Bilderalbum - http://www.univista.de/2010/05/03/die-leipziger-buchmesse-2010/?shashin_album_key=3#album
[3] www.leipziger-buchmesse.de - http://www.leipziger-buchmesse.de
[4] direkt zum Picasa-Webalbum - http://picasaweb.google.de/115273602157157978866/UniVistaNo15LeipzigerBuchmesse2010?feat=directlink
[5] Bild - https://picasaweb.google.com/115273602157157978866/UniVistaNo15LeipzigerBuchmesse2010