Artikel drucken
Geht nicht, gilt nicht
Porträt eines Künstlers, Gestalters und Pädagogen
Foto: Karl-Eckhard Carius
Wieder einmal schneit es, wie an so vielen Tagen dieses Winters. Der Weg, den ich gehe, ist halb von Schnee und Eis bedeckt. Es ist fast mittags, nur noch wenige Stunden trennen mich von der bis dahin einzigen Mahlzeit des bisherigen Tages. Aber dennoch bin ich nicht auf dem Weg in die Mensa. Mein Weg führt mich ins N-Gebäude, welches direkt hinter meinem vermeintlichen Ziel liegt: 1. Stock.
Um 10 Uhr dieses 28. Januars findet dort ein Treffen statt, von dem ich nicht weiß, was mich erwartet.
An diesem bewölkten Januartag traf ich das erste Mal auf Karl-Eckhard Carius, der derzeit in der von ihm geleiteten Arbeitsstelle für intermediäre Gestaltung forscht und künstlerisch tätig ist. Es hieß, er wolle seine Website der Presse vorstellen. Jedoch hatte ich noch nie an einem derartigen Pressetermin teilgenommen und war gespannt und auch ein wenig aufgeregt, wie es ablaufen würde. Zunächst erwartete ich jedoch nicht viel, da derartige Homepages meist selbsterklärend sind und man den Inhalt lediglich lesen muss. Ich sollte jedoch überrascht werden und einige interessante Dinge herausfinden.
Wer ist Prof. Carius nun? Vor dem Termin war er für mich ein Unbekannter. Einer von vielen, denen man gewiss irgendwo schon einmal begegnet ist. Aber das ist er nicht. Vielmehr ist es jemand, der das tägliche Leben eines jeden Studenten mit beeinflusst. Sei es, wenn wir den Studentenausweis mit dem von ihm designten Logo in der Mensa vorlegen oder über die von ihm designte Homepage der Uni Vechta Informationen einholen. Aber auch auf dem Campus hinterlässt er sein Zeichen, nämlich eines im Wind. Ich meine damit natürlich den Himmelsstürmer auf dem W+K-Gebäude der Uni, der dort seit Jahren als Symbol des Wandels und vor allem der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden steht. Denn das Projekt entstand im Rahmen eines von ihm geleiteten Seminars unter der Mitwirkung von Studenten. Auch das Studienangebot der Uni wurde durch ihn verändert. Als einer der ersten Unis in Deutschland führte Vechta das Fach Design unter der Aufsicht von Prof. Carius ein, der das Institut für intermediäre Gestaltung (IMEG) leitete. Somit behält seine Website recht: Er ist Künstler, Gestalter und Pädagoge.
Seine Internetpräsenz vereint diese drei Rollen in sich und richtet sich an ein Fachpublikum. Es wird dabei jedoch nie die Grenze hin zur bloßen Selbstdarstellung überschritten. Vielmehr sollen dem interessierten Besucher Denkanstöße gegeben werden. Dies gelingt auch, da die ganze Website von der Botschaft der zahlreichen Bilder lebt, die mal schön, mal kurios, mal trivial erscheinen, aber dennoch nicht leichtfertig abgetan werden sollten. Ein Bild beispielsweise zeigt Menschen am Strand. Diese Urlaubsidylle wird jedoch von Brandlöchern, die in das Bild mit einer Lupe eingebrannt wurden, zerrissen und die uns allen so wohl bekannte Sonne wirkt auf einmal fast feindlich auf dem Hintergrund dieses Sonnenbrand II genannten Bildes.
Es gibt aber auch Bilder, die Carius beim Spielen der Geige im Wasser zeigen, aufgenommen in Leningrad. Dass er sich damit dem KGB widersetzte, erahnt man jedoch nicht bei diesem so friedlich wirkenden Bild.
Bild: Karl-Eckhard Carius
Was mich an diesem vormittäglichen Treffen besonders faszinierte, war jedoch seine Art über die Pädagogik zu sprechen. Für ihn ist Erziehung gleichzusetzen mit Inspiration, mit dem Herausführen in eine Freiheit des Denkens, die Raum für eigene Ansätze schafft.
Denn wie sollen Innovationen in der Pädagogik geschehen, wenn wir den Pädagogen von morgen das Wissen von gestern beibringen?
Dies war daher auch nie sein Ziel. Er verstand sich eher als Türöffner, als Begleiter. Damit sei jedoch keineswegs gesagt, dass er es seinen Schülern und Studenten deswegen leicht machte. Im Gegenteil, Projekte unter seiner Leitung bezogen die Studenten stets mit ein und beteiligten sie an jeder Stufe des Prozesses. Von der Idee, über die Beschaffung der Materialien und der Finanzierung bis hin zur letztendlichen Realisation. Dadurch entstanden dann unser Zeichen im Wind oder die Giganten auf dem Dach auf der deutschen Schule in Lissabon, die u.a. großes internationales Interesse der Presse erhielten. Besonders herausragend ist das Goethe-Pessoa-Projekt, welches als Vorbild für interdisziplinäre Arbeit gesehen werden kann, aber auch als Zeichen seines interkulturellen Engagements. Die Plastik stellt die beiden großen Dichter Goethe und Pessoa einander gegenüber und befindet sich, wie auch die Giganten, in Lissabon.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der klare Überblick und die interessanten Themen die Seite zu einer zum Denken anregenden Sightseeing-Tour durch Carius’ Leben und Schaffen machen und garantiert einen Blick wert sind.
www.ke-carius.de [1]
von Matthias Christ
1 Kommentar (Anzeigen | Verbergen)

Nr. 1 von kirschke am 10. Mai 2010 @ 16:47 Uhr

Ich kann den Aussagen des autors nur zustimmen.Professor carius ist ein außergewöhnlicher Lehrer
und pädagoge, der mir sehr gute und hilfreiche anregungen und impulse gegeben hat. die webseite ist sehr zu
empfehlen.

uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Geht nicht, gilt nicht
Datum: 3. Mai 2010
Rubriken: Artikel,Kunst,Matthias Christ,No 15 - Mai 2010,Portrait,Uni
Adresse: http://www.univista.de/2010/05/03/geht-nicht-gilt-nicht/
Links im Artikel:[1] www.ke-carius.de - http://www.ke-carius.de