Klausuren, von Bologna zum Spicker
Was hat sich nach dem Bildungsstreik wirklich geändert?
![]() Foto: Jenniffer Malenz
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2010, das letzte Jahr des Bologna-Prozesses. Viel ist passiert seit dem Aufkommen der Idee einheitliche Standards für den europäischen Hochschulsektor zu schaffen. Die grundlegende Idee der internationalen Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen ist gut, aber die praktische Umsetzung lässt einige Wünsche offen. Auch hier in Vechta haben sich die Studenten gegen diese Missstände erhoben, wie bereits in der letzten Ausgabe (uniVista No. 14) berichtet. Doch was hat sich geändert? Die Erinnerungen an die AP-Jagd verblassen und die Post-its, die man noch vereinzelt findet, sind die letzten Überbleibsel dieser Tage.
Nach allen Versprechungen und geglückten bzw. weniger geglückten Reden in der Aula fand sich schnell wieder der Alltag ein. Die Klausuren standen an, ohne dass sich große Änderungen ergeben hätten. Jedoch bestimmen gerade diese maßgeblich die Vergleichbarkeit eines Hochschulabschlusses. Immerhin zeigen sie an, dass man in einem speziellen Modul den Unterrichtsstoff sehr gut, gut bis hin zu ausreichend verstanden hat und wiedergeben kann. Sie sind also Messinstrumente. Aber wie kann man internationale Vergleiche anstellen, wenn es selbst innerhalb eines Studienganges große Spielräume zur Gestaltung einer Klausur gibt?
Eine Klausur beispielsweise kann aus verschiedenen Komponenten aufgebaut sein.
Den größten Anteil stellen meist die Multiple-Choice-Fragen, aber auch Rechnungen sowie offene Fragen können enthalten sein. Vergleicht man Multiple-Choice-Fragen mit offenen, so zeigt sich, dass neben der Abfrage von Wissen auch das Ausdrucksvermögen mit geprüft wird bei letzteren. Jemand, dem es nicht gelingt Sachverhalte präzise darzustellen, hat es hier oft schwerer als andere. Eine Rechenaufgabe wiederum stellt neben den erst genannten Fragetypen eine besondere Kategorie dar, denn sie verlangt außer dem Wiedergeben von Wissen auch das Anwenden. Dies kommt zwar auch in den anderen Fragetypen vor, aber in geringerem Ausmaß.
Eine Modulabschlussklausur kann also erheblich im Schwierigkeitsgrad und in den Anforderungen variieren. Die APs hingegen variieren nicht unter diesen Aspekten.
Eine Klausur beispielsweise kann aus verschiedenen Komponenten aufgebaut sein.
Den größten Anteil stellen meist die Multiple-Choice-Fragen, aber auch Rechnungen sowie offene Fragen können enthalten sein. Vergleicht man Multiple-Choice-Fragen mit offenen, so zeigt sich, dass neben der Abfrage von Wissen auch das Ausdrucksvermögen mit geprüft wird bei letzteren. Jemand, dem es nicht gelingt Sachverhalte präzise darzustellen, hat es hier oft schwerer als andere. Eine Rechenaufgabe wiederum stellt neben den erst genannten Fragetypen eine besondere Kategorie dar, denn sie verlangt außer dem Wiedergeben von Wissen auch das Anwenden. Dies kommt zwar auch in den anderen Fragetypen vor, aber in geringerem Ausmaß.
Eine Modulabschlussklausur kann also erheblich im Schwierigkeitsgrad und in den Anforderungen variieren. Die APs hingegen variieren nicht unter diesen Aspekten.

Foto: Jenniffer Malenz
Selbst wenn man dies außer Acht lässt, so kommt man zum nächsten Problem der Klausuren: Manche Module müssen mit einer Prüfung beendet werden, die für 3 Teilmodule übergreifend ist. Bei anderen muss man lediglich eine Prüfung in einem Teilmodul machen. Dennoch sind die APs gleich.
Auch der anfallende Workload ist keineswegs vergleichbar, da unterschiedliche Dozenten unterschiedlich schnell durch den Stoff gehen und somit Qualität und Quantität der Themen variieren. Einige Teilmodule können außerdem lediglich durch Anwesenheit abgeschlossen werden, da man in nur einem Teil-modul eine Prüfung schreiben muss. Was folgt, ist die obligatorische körperliche Anwesenheit in diesen Veranstaltungen.
Zu guter Letzt gibt es noch das Problem, dass es neben Klausuren auch mündliche Prüfungen und Referate sowie Hausarbeiten gibt. Diese unterscheiden sich ebenfalls stark in Schwierigkeit und Umfang. Wer jetzt denkt, dass sich aufgrund der hohen Anzahl an Prüfungen während eines Studiums die einzelnen Ungerechtigkeiten gegenseitig aufheben, sollte bedenken, dass jede Note in den Klausuren hinterher mit darüber entscheidet, ob man einen Arbeitsplatz erhält oder ein Masterstudium beginnen darf.
Auch der anfallende Workload ist keineswegs vergleichbar, da unterschiedliche Dozenten unterschiedlich schnell durch den Stoff gehen und somit Qualität und Quantität der Themen variieren. Einige Teilmodule können außerdem lediglich durch Anwesenheit abgeschlossen werden, da man in nur einem Teil-modul eine Prüfung schreiben muss. Was folgt, ist die obligatorische körperliche Anwesenheit in diesen Veranstaltungen.
Zu guter Letzt gibt es noch das Problem, dass es neben Klausuren auch mündliche Prüfungen und Referate sowie Hausarbeiten gibt. Diese unterscheiden sich ebenfalls stark in Schwierigkeit und Umfang. Wer jetzt denkt, dass sich aufgrund der hohen Anzahl an Prüfungen während eines Studiums die einzelnen Ungerechtigkeiten gegenseitig aufheben, sollte bedenken, dass jede Note in den Klausuren hinterher mit darüber entscheidet, ob man einen Arbeitsplatz erhält oder ein Masterstudium beginnen darf.
Aus dieser Sicht wird es sogar fast unverantwortlich gegenüber der eigenen Zukunft nicht in einer Klausur zu betrügen, wo es nur geht. Gerade die Massenklausuren bieten allerlei Anlass zu Unterhaltungen, Spickern oder Internet-Handy-Suche aus gutem Grund.
Wenn man all dies abrechnet, so bleibt letztlich noch die Frage, wie gut man durch so eine Prüfung auf das Berufsleben vorbereitet wird. Lerne ich etwas für meinen Arbeitsplatz als Lehrer, Sozialarbeiter oder Manager?
Häufig erhält man nicht einmal die Gelegenheit die Klausur einzusehen und seine Fehler eventuell nachzubereiten. Aber darüber hinaus muss man sich fragen, was es mir bringt Definitionen von 1990 auswendig gelernt und die Bescheinigung darüber in Form einer Note erhalten zu haben, wenn es um das echte Anwenden von Wissen in Form von kritischen Entscheidungen geht, die das Leben von Menschen beeinflussen. Langfristig stellt das sogar den höheren Qualifizierungsgrad durch ein Studium infrage, da man sehr häufig lediglich nachweist, dass man ein gutes Gedächtnis hat, anstelle der Kompetenz mit dem gelernten Stoff Probleme lösen zu können.
Häufig erhält man nicht einmal die Gelegenheit die Klausur einzusehen und seine Fehler eventuell nachzubereiten. Aber darüber hinaus muss man sich fragen, was es mir bringt Definitionen von 1990 auswendig gelernt und die Bescheinigung darüber in Form einer Note erhalten zu haben, wenn es um das echte Anwenden von Wissen in Form von kritischen Entscheidungen geht, die das Leben von Menschen beeinflussen. Langfristig stellt das sogar den höheren Qualifizierungsgrad durch ein Studium infrage, da man sehr häufig lediglich nachweist, dass man ein gutes Gedächtnis hat, anstelle der Kompetenz mit dem gelernten Stoff Probleme lösen zu können.
Es darf also nicht mit dem Protest enden, nun müssen Lösungen gefunden werden.
von Matthias Christ

