Thank you for travelling
Einmal im Kreis mit der NordWestBahn
![]() Foto: Jenniffer Malenz
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Es fährt ein Zug nach Nirgendwo
Irgendwann macht es dich einfach kirre, wenn du weißt, dass du eine 12-stündige(!) Zugfahrt vor dir hast und niemals eine der bereisten Städte von innen sehen wirst oder wenigstens ein Endziel vor Augen hast, statt am Ende nur wieder in Vechta (für mache schon tragisch genug) zu enden. Doch das alles war uns egal. Wir wollten das komplette Semesterticket an einem Tag ausnutzen, koste es, was es wolle. Da sind Einschnitte nötig!
Irgendwann hört man dann sogar auf, miteinander zu reden oder die Pferde zu zählen (es waren 26), sondern beendet auch das Hoffen darauf, dass etwas Spannendes passiert. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal eine längere Zugfahrt mitgemacht. Normalerweise passiert dort etwas. Irgendwas. Vielleicht sitzt man neben einem verrückten, komplett besoffenen Fußballfan, der versucht unter die Sitze zu erbrechen oder eine alte Omi führt Selbstgespräche über diese merkwürdigen Porzellanpuppen-Teleshops. Irgendwas halt. Bei uns war das nicht so. Es passierte nichts. Wir waren einfach gelangweilte Reisende neben gelangweilten Reisenden – mit dem Unterschied, dass sie in einem Zug saßen und wir in dem größten Karussell Niedersachsens, der NordWestBahn Vechta bis Vechta.
Irgendwann hört man dann sogar auf, miteinander zu reden oder die Pferde zu zählen (es waren 26), sondern beendet auch das Hoffen darauf, dass etwas Spannendes passiert. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal eine längere Zugfahrt mitgemacht. Normalerweise passiert dort etwas. Irgendwas. Vielleicht sitzt man neben einem verrückten, komplett besoffenen Fußballfan, der versucht unter die Sitze zu erbrechen oder eine alte Omi führt Selbstgespräche über diese merkwürdigen Porzellanpuppen-Teleshops. Irgendwas halt. Bei uns war das nicht so. Es passierte nichts. Wir waren einfach gelangweilte Reisende neben gelangweilten Reisenden – mit dem Unterschied, dass sie in einem Zug saßen und wir in dem größten Karussell Niedersachsens, der NordWestBahn Vechta bis Vechta.
Monoton rattert der Waggon los. Emotionslose Berufspendler gucken emotionslos in die emotionslose niedersächsische Tiefebene. Die Tonbandstimme irgendeiner Bahnangestellten erklärt mir, dass wir auf dem Weg nach Esens sind. Esens – ein Name, den man (wenn überhaupt) nur von der Rückseite seines Studentenausweises kennt. Das hat auch seinen Grund: Esens ist nicht nur ein verschlafenes ostfriesisches Dorf, sondern auch das nördliche Ende der NordWestBahn. Doch für mich bekam es noch eine dritte Bedeutung. Esens war ein Symbol für die gesamte Reise, denn tatsächlich endet die Schiene hier vor einem großen grauen Poller. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Wir saßen uns bereits fünf oder sechs Stunden gegenüber, machten nur „Pause“, wo der Plan es vorsah, und stiegen niemals aus, sondern nur um. Wenn wir nicht unsere „heilige Mission“ zu erfüllen hätten, wäre man hier wohl ausgestiegen und hätte an der Nordsee ein paar Flaschen (oder Kisten) Bier getrunken. Statt dessen gucke ich kurz raus, höre eine Möwe schreien und nehme ernüchternd wahr, wie sich derselbe Zug, mit dem wir gekommen waren, in die umgekehrte Richtung aufmacht, um uns nach Bielefeld zu bringen. Der Betreiber eines schmierigen Autoskooters hätte jetzt gesagt: “Und weiter geht die wilde Fahrt.”
Ich schließe mit einem Appell:
Liebe Studenten, das Semesterticket ist toll, aber macht so was nicht nach! Mit der NordWestBahn im Kreis fahren, ist wie Sterben. Wirklich! Nehmt lieber Drogen, fangt das Rauchen an oder lasst das Anschnallen sein, aber macht nicht nach, was die wahnsinnigen uniVista-Kaputten da wieder ausprobiert haben. Lasst es einfach. Wirklich. Eure Psychohygiene wird Euch dankbar sein. (Ausserdem sind wir dafür um fünf Uhr aufgestanden! Um fünf! Wie bekloppt kann man eigentlich sein?)
Liebe Studenten, das Semesterticket ist toll, aber macht so was nicht nach! Mit der NordWestBahn im Kreis fahren, ist wie Sterben. Wirklich! Nehmt lieber Drogen, fangt das Rauchen an oder lasst das Anschnallen sein, aber macht nicht nach, was die wahnsinnigen uniVista-Kaputten da wieder ausprobiert haben. Lasst es einfach. Wirklich. Eure Psychohygiene wird Euch dankbar sein. (Ausserdem sind wir dafür um fünf Uhr aufgestanden! Um fünf! Wie bekloppt kann man eigentlich sein?)
von Thomas Hülsmann
![]() Foto: Thomas Hülsmann
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Zwischen Hüten und Zügen
“Was mach ich hier nur?”, war die erste Frage, die sich mir stellte, als sich an meinem freien Tag, morgens um fünf Uhr, der Wecker mit seinem schaurigem Piepton meldete, um damit den wohl merkwürdigsten Tag meiner Semesterferien einzuleiten. Wer bitte kam auf diese geistreiche Idee? Und was würde ich 12 Stunden lang mit den anderen anfangen? Fragen über Fragen, aber ich war bereit. Also traf ich alle Vorbereitungen, die für einen solch ereignisreichen Tag eben zu treffen sind, und begab mich auf den Weg zum Vechtaer Bahnhof, nachdem ich mit großer Genugtuung meinen Zauberbesen an meinem Fahrrad festgeklemmt hatte. Lange musste ich nicht warten an diesem Morgen, da bewegten sich auch schon zwei dunkle Gestalten auf mich zu. Die eine von ihnen rief laut: “Der Besen!” und lachte. Es war Thomas, der mit Tobias die Straße überquerte. Ich hatte wirklich befürchtet, dass sich keiner außer mir aus den Federn bewegen würde. Aber weit gefehlt.
So warteten wir gemeinsam noch kurze Zeit auf den Zug und stellten erstaunt fest, wie viele Leute so früh schon von A nach B unterwegs waren. Die NWB war gut befüllt, doch fanden wir einen Vierer-Platz, an dem wir uns gegenseitig unsere Habseligkeiten für den Tag zeigten und uns fragten, warum so viele
Harry-Potter-Dinge dabei waren. Nun ja, das nehme ich dann mal auf meine Kappe. Und es sollte ja auch noch seinen Zweck erfüllen. Tobias zeigte uns, wie stylish er mit Hut und uniVista-Shirt sein kann und Thomas präsentierte sich mit meinem tollen
Hogwarts-Outfit vor der Kamera.
So warteten wir gemeinsam noch kurze Zeit auf den Zug und stellten erstaunt fest, wie viele Leute so früh schon von A nach B unterwegs waren. Die NWB war gut befüllt, doch fanden wir einen Vierer-Platz, an dem wir uns gegenseitig unsere Habseligkeiten für den Tag zeigten und uns fragten, warum so viele
Harry-Potter-Dinge dabei waren. Nun ja, das nehme ich dann mal auf meine Kappe. Und es sollte ja auch noch seinen Zweck erfüllen. Tobias zeigte uns, wie stylish er mit Hut und uniVista-Shirt sein kann und Thomas präsentierte sich mit meinem tollen
Hogwarts-Outfit vor der Kamera.
Schon bald lugte die Sonne hervor und wir trafen in Bremen ein. Dort frühstückten wir bei einem Bäcker, posierten abermals vor der Kamera und begaben uns dann auf den Weg nach Wilhelmshaven. Welch ein schöner, weiter, flacher aber auch etwas trister Landesabschnitt. Und weil es sich anbot, haben wir die Gelegenheit genutzt, unsere intimsten Geheimnisse preiszugeben und über Gott und die Welt zu sprechen. Doch damit nicht genug. Es muss so zwischen Wilhelmshaven und Sande gewesen sein, als wir das Glück hatten, den kompletten Zug für uns alleine zu haben, als mein Hogwarts-Outfit und Tobias’ Quidditch-Ball zum Einsatz kamen. Ich habe tatsächlich den Schnatz gefangen und sogar einen Quaffel in den Torring bekommen. Welch ein Erfolg! Ravies rocken!
Nachdem wir uns also in Ostfriesland völlig verausgabt hatten, fuhren wir fröhlich weiter nach Osnabrück. Um die Reise noch extremer zu gestalten, diesmal stehend, so Tobias‘ Vorhaben, woran uns dann leider eine Schaffnerin hinderte und uns Plätze zuwies. Daher war diese Fahrt relativ unspektakulär. Bis auf den jungen Herrn neben mir, der das Bedürfnis hatte, während seines Schlafes mit dem Kopf auf meiner Schulter zu liegen. Daher nahm ich automatisch eine wenig rückenschonende Haltung ein, um ihm dies nicht zu ermöglichen. Tobias und Thomas fanden das sicher sehr amüsant.
Da dies aber nicht der Höhepunkt des Tages sein sollte, beschlossen wir dann eine Gemeinschaftsgeschichte zu schreiben und gingen diesem Vorhaben auch direkt auf dem Weg in Richtung Bielefeld nach. Nie war ich so kreativ, nie so reich an wohlgeformten Wörtern. Und weil nach diesem literarischen Meisterwerk unsere Köpfe leer und unsere Körper schlapp waren, nutzen wir die restliche Fahrt nach Vechta nur noch dafür, um in der Gegend herumzustarren oder auch um zu schlafen.
Nachdem wir uns also in Ostfriesland völlig verausgabt hatten, fuhren wir fröhlich weiter nach Osnabrück. Um die Reise noch extremer zu gestalten, diesmal stehend, so Tobias‘ Vorhaben, woran uns dann leider eine Schaffnerin hinderte und uns Plätze zuwies. Daher war diese Fahrt relativ unspektakulär. Bis auf den jungen Herrn neben mir, der das Bedürfnis hatte, während seines Schlafes mit dem Kopf auf meiner Schulter zu liegen. Daher nahm ich automatisch eine wenig rückenschonende Haltung ein, um ihm dies nicht zu ermöglichen. Tobias und Thomas fanden das sicher sehr amüsant.
Da dies aber nicht der Höhepunkt des Tages sein sollte, beschlossen wir dann eine Gemeinschaftsgeschichte zu schreiben und gingen diesem Vorhaben auch direkt auf dem Weg in Richtung Bielefeld nach. Nie war ich so kreativ, nie so reich an wohlgeformten Wörtern. Und weil nach diesem literarischen Meisterwerk unsere Köpfe leer und unsere Körper schlapp waren, nutzen wir die restliche Fahrt nach Vechta nur noch dafür, um in der Gegend herumzustarren oder auch um zu schlafen.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nun zum einen weiß, wie viele Orte ich kostenlos mit der NWB erreichen kann, wie es in Niedersachsen aussieht und wo ich ungestört Zugfahren kann. Zum anderen habe ich meine beiden Mitredakteure besser kennengelernt sowie umgekehrt, was doch immer eine tolle Sache ist und zum Zugfahren einfach dazugehört! Thank you for travelling! .
von Jenniffer Malenz
![]() Foto: Jenniffer Malenz
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Meine persönlichen Lowlights
Mal so was richtig Extremes machen. Das war das Motto. An die Grenzen gehen. Das Licht am Ende des Tunnels sehen und dann schnell abbiegen. Dass die NordWestBahn ein Zug des schleichenden Wahnsinns sein kann, wusste ich aus Erfahrung. Dass das karge Flachland im Norden reichlich Halluzinationen zutage bringt, auch. Ich war eingestellt auf Verspätungen, quälende Nahverkehrsschaffner und tobende Schulklassen, die einem die fröhliche Gesinnung nehmen. Doch dann das: Es passierte absolut gar nichts! Nicht ein Hauch von Abenteuer oder näher kommendem Nervenzusammenbruch. 12 Stunden geregeltes Beieinandersitzen in Harmonie und Geselligkeit. Mal reichlich abschweifend, dann wieder intensiver. Ist das extrem? Ja! Wieso? Schon allein das ganze Vorhaben ist von extremer Stumpfheit, dass die Schilderung der Erlebnisse einen Platz in dieser Rubrik finden darf. Hier meine persönlichen Lowlights.
Beginnen wir mit dem ersten extremen Akt.
05:30 Wenn man zu einer Zeit aufsteht, an der die letzten Gäste im Blue ein Bier bestellen, kann das keineswegs gesund sein. Motivation ist reichlich wenig vorhanden, dem kommenden Tag mit positiver Energie entgegenzutreten, da er doch dafür reserviert ist, die Zeit in Zügen der NWB abzusitzen, welche sogar Ortschaften anfährt, an dem kein Wunsch präsenter ist, als zu fliehen oder zu sterben.
05:30 Wenn man zu einer Zeit aufsteht, an der die letzten Gäste im Blue ein Bier bestellen, kann das keineswegs gesund sein. Motivation ist reichlich wenig vorhanden, dem kommenden Tag mit positiver Energie entgegenzutreten, da er doch dafür reserviert ist, die Zeit in Zügen der NWB abzusitzen, welche sogar Ortschaften anfährt, an dem kein Wunsch präsenter ist, als zu fliehen oder zu sterben.
06:01 Bahnhof Vechta. Ich mag diesen Ort eigentlich. Er ist stets der Beginn einer Reise zu aufregenderen Orten als eben dieses Vechta. Heute soll er mich in exakt einer Tageshälfte wieder begrüßen. Gut, dass Hermine uns begleitet. Vielleicht kann sie uns allesamt hinweg zaubern.
Als Student hat man irgendwann vergessen, dass Arbeitszeit auch schon vor 8:30 Uhr beginnen kann. Die NWB war nämlich voll von müden Lohnjägern, was ich in meiner einmaligen Situation, in ihrer Gegenwart zu verweilen, extrem lustig fand.
Als Student hat man irgendwann vergessen, dass Arbeitszeit auch schon vor 8:30 Uhr beginnen kann. Die NWB war nämlich voll von müden Lohnjägern, was ich in meiner einmaligen Situation, in ihrer Gegenwart zu verweilen, extrem lustig fand.
11:00 Wenn ich Möwen kacken sehe, bin ich recht zufrieden, da ich mir darüber im Klaren bin, dass das Meer nicht weit sein kann. Die NWB hält am obersten Zipfel ihres Liniennetzes leider nicht direkt am Strand. So konnte ich mir etwas salzigen Geruch einbilden, bevor wir wieder in Richtung extremer Landwirtschaft und Tierzüchterei fuhren.
13:00 Um alles einen Grad extremer zu gestalten, gebot ich meinen Mitstreitern (Hermine kann übrigens nicht zaubern) zwei Stunden im Stehen zu verweilen. Ich hätte mich dafür allerdings gegen eine eifrige Schaffnerin auflehnen müssen, welche die Fahrgäste so verteilte, dass auch Quasimodo bequem gesessen hätte. Aus Erfahrungswerten weiß ich allerdings, dass es keine Mittel gibt, Kontrolleure in ihrem natürlichen Jagdgebiet von dem Glauben an eine gute Sache zu überzeugen. Zumindest nicht in unserem Fall. Das extreme Vorhaben scheiterte.
15:55 Bielefeld ist extrem hässlich. Ich möchte mir kein Urteil über die gesamte Stadt erlauben, aber alles, was sich um den Bahnhof befindet, ist eine Beleidigung für neugierige Augen. Außerdem rannten ständig Arminia-Fans über den Zuggang. Die sind auch nicht schön anzusehen. Aber sie verhielten sich sehr vorbildlich. Kein Grölen, kaum am Saufen. Fast schon extrem langweilig.
18:30 Vechta. Wir sind zurück. Nicht einmal die Knochen schmerzen. Ich fühle mich extrem ausgeruht. Der Tag kann endlich beginnen. Dennoch muss ich noch so einige extreme Sachen festhalten. Zum einen waren meine Mitstreiter extrem sympathisch. Zum anderen sollte man bedenken, dass Zug fahren und Bier trinken eine notwendige Mischung zur Aufrechterhaltung des ausgeruhten Reisestiles ist. Ich verzichtete! Und das war richtig extrem!
von Tobias Kunz



