“Guck mal Mama!”
Über das, was wir nicht sehen

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Foto: Jenniffer Malenz
Alleinerziehend und studierend betrachtet man das Leben doch ein ganzes Stück anders, als wenn man eben nicht dieser „Randgruppe“ angehört. Man organisiert. Den lieben langen Tag läuft man von A nach B und hat 1000 Sachen im Kopf, die erstaunlicherweise wirklich dort bleiben. Mütter sind regelrecht unheimlich, könnte man sagen. Allein die Tatsache, dass man offenbar laufen und gleichzeitig denken kann, mag manche von uns schon überfordern. Doch habe ich nicht vor, uns Mütter als Supermenschen darzustellen.
Und so versuche ich für Euch einmal das Denken größtenteils sein zu lassen und mit Kinderaugen durch die Uni zu laufen. Warum? Ich bin eben kein Supermensch und mache gerne Quatsch.
Das beschließe ich, als ich mit meinem vierjährigen Töchterchen die Mensa betrete. Freudig geht sie mit mir hinein und ist temperamentvoll wie immer, bis sie die ganzen Menschen vernimmt und ich direkt weiß, was sie denkt: “Ich sehe nichts!”
Wie auch? Wenn ich nur Pobacken sehen würde, würde ich auch Angst bekommen und nicht mehr ausmachen können, wo ich bin. Ja, auch die Mini-Uni Vechtas kann riesig sein. Und so nehme ich sie an die Hand. Dann begebe ich mich auf ihre Höhe und stellte fest, dass es kaum einen Unterschied macht, denn ich bin wahrlich nicht die Größte.
Wie dem auch sei. Bestimmte Dinge stechen Kindern sofort ins Auge und so betrachten wir in der Mensa nicht nur die Hochstühle, bei denen meine Tochter sofort stolz sagt: “Da pass ich nicht mehr rein! Das ist für kleine Kinder!” und damit wohl zum Ausdruck bringen will, dass eben nicht alle größer sind, als sie, wie es gerade den Anschein machte.
An der Ausgabe 2 steht der Kinderteller, den allerdings nicht meine Tochter sieht, sondern ich. Und genau an dieser Stelle möchte ich Euch darauf aufmerksam machen, dass Ihr, sofern Ihr ein Kind unter 10 Jahren habt, einen Ausweis beantragen könnt, der Euer Kind, im Zusammenhang mit einem Gericht für Erwachsene, berechtigt, diesen mit einem Hauptgericht zu befüllen und es genüsslich zu verspeisen. Vollkommen kostenlos natürlich. Meldet Euch einfach telefonisch unter 0541 3307-41 oder schickt für weitere Informationen diesbezüglich eine E-Mail an annelen.trost[at]studentenwerk-osnabrueck.de.
Doch heute brauchen wir diesen Ausweis nicht. Wir werden in der Mensa schon freudig erwartet und erhalten hier im Rahmen des Studentendinners der uniVista ein Kindermenü, das Ihr unter unserer gleichnamigen Rubrik finden könnt und nur zu empfehlen ist.
Danach machen wir uns weiter auf den Weg durch die Uni und sehen vor dem Bistro eine kleine Lese- und Spieleecke, bei der ich mich sofort frage, wieso sie mir bisher nie aufgefallen ist. Ich denke, dass es daran liegt, dass ich diesen Bereich immer gemieden hatte, weil ich nicht von diesen Leuten angesprochen werden wollte, die dort manchmal an einem Tisch standen und mir irgendwas „andrehen“ wollten. Eigentlich richtig gemein von mir, denke ich. Schließlich wollen wir ja auch nur etwas Gutes, wenn wir uns unten an der Mensa zum Verteilen der uniVista aufstellen. Also beschließe ich, beim nächsten Mal die Uhr zu prüfen und den Leuten eine Minute zu geben.
Meine Tochter findet diese Ecke nicht mehr interessant und möchte weiter. Deshalb schlage ich ihr vor, in die Bibo zu gehen. Sie fängt an zu lachen und pflichtet mir bei, dass es aber “Bibliothek” heißt. Irgendwie scheint mein Studentendasein schon richtig auf sie abzufärben. Jedenfalls ist sie begeistert von dieser Idee und so leihen wir direkt noch ein, zwei Büchlein aus. Eis gibt es im Bistro heute leider noch nicht, sonst wäre auch das sicherlich drin gewesen.
Also beschließen wir nach Hause zu gehen. Doch kommen wir immer noch nicht von diesen komischen Gebäuden weg, in denen die Mama Tag für Tag verschwindet und sich so tolle Sachen von klugen Menschen anhört, die vor ihr stehen – in großen Sälen, die mit vielen Studierenden befüllt sind. “Schön lernen” soll ich dort. Ja, da hat sie recht.
Doch ist es gerade nicht so interessant, wo genau ich lerne, sondern wie ich da hinkomme.
Diese Übergangsbrücke hat es meiner Tochter angetan, obgleich sie sich beim Betreten sofort fest an mich klammert. Ich vermute, dass sie sich fürchtet, täusche mich aber. Denn ein Zurück kommt für sie nicht infrage. Gleich nochmal und nochmal geht es nun über die Brücke und jedes Mal mit einer gehörigen Portion Nervenkitzel und Freude.
Wie toll muss studieren sein, wird sie jetzt denken. Und nicht einmal einen Tag später offenbart sie mir freudestrahlend: “Mama, wenn ich groß bin, werde ich Studentin. Und Ärztin.”
von Jenniffer Malenz

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