Staatsfeind Nr. 1?
Kein Grund auf Party zu verzichten!

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Geneigter Leser, Du bist Staatsfeind Nr. 1! Oh ha. Ja, das kommt jetzt überraschend, ich weiß. Aber gehen wir nur mal so zum Spaß davon aus, dass man herausgefunden hat, dass beim Uni-Bäcker letztens mal ein KitKat auf dem Kassenzettel „zu wenig aufgetaucht“ ist (Liebe Leserinnen, an dieser Stelle sei übrigens erwähnt, dass Süßigkeiten auch dick machen, wenn gesehen wird, dass Frau sie kauft), oder Du wiederholt von wahnsinnigem Übermut getrieben in Ullas Bistro gekippelt hast und heimlich morgens Elmex statt Aronal benutzt. Wie dem auch sei, verfolgt Dich nun Polizei, GSG 9, FBI, DLRG, CIA und alles, was sonst noch Rang und Namen hat, um Dein hübsches Popöchen durch die Republik zu jagen. Will Smith würde sich jetzt einen kauzig-grenzdebilen Opi im Kupferkäfig suchen, um mit ihm und ein paar markigen Sprüchen gegen diese Ungeheuerlichkeit in den Kampf zu ziehen. Wäre nicht mein Stil.
Viel spaßiger ist es doch, sich mit allerlei psychoaktiven Substanzen (Kaffee soll hier empfohlen sein) die Birne wegzublasen und mit der geilsten Mucke der Welt auf dem Vechtapferd seine allerletzte Überparty zu feiern. Man stelle sich vor, wie die Beamten gucken würden, wenn man auf dem bronzenen Rücken des stolzen Warwick Rex (so heißt der freakige Gaul) mal so richtig abgehen würde, nur um einfach der grünweißen Front die absolute, unüberbietbare Iss-mir-scheiß-egal-lichste Ignoranz entgegenzuschleudern, die man zu bieten hat. Das Megaphon-Geplärre wird zur tanzbaren Symphonie, das Blaulicht beleuchtet Deine Tanzfläche und die Warnschüsse geben den Takt. Wenn man dann im Kugelhagel eingeht, geht man wenigstens mit Stil. Vorhang, Applaus.
Wem bei dieser Option (nachvollziehbarerweise) ein bisschen das Understatement fehlt, kann auch einfach in die Schuberta gehen und an der ein oder anderen Stelle fallen lassen, dass man polizeilich gesuchter Untergrundkämpfer wider unseren faschistoiden Stasi-Staat sei. Bei halbwegs charismatischem Auftreten wird man Dich sicher – zumindest bis der Spuck vorbei ist – gut verstecken und mit reichlich Billigbier und Büchsenravioli versorgen.
Ich würd´ trotzdem das mit dem Pferd machen.
von Thomas Hülsmann
Ehrlich gesagt habe ich diesen Film mit Will Smith nie gesehen. Auch Bushidos Album habe ich nie gehört. Vielleicht hätte ich mich auf diesem Gebiet mehr bilden sollen, denn plötzlich bin ich Staatsfeind Nr. 1 und weiß nicht so recht warum. Die paar Farbbeutel auf ein paar Politiker? Jedenfalls flimmert mein Gesicht nun über den Bildschirm und Peter Klöppel verkündet dazu, ich sei gefährlich. Ich schalte den Fernseher aus (als Peter an Ulrike abgibt; ich konnte diese beiden eh nie leiden) und frage mich, was ich tun soll.
Anscheinend bin ich gefährlich. Anscheinend werde ich polizeilich gesucht. Mein Gesicht findet sich in den Nachrichten, in den Zeitungen, in den Blogs und selbstverständlich auf der Homepage des BKA.
Der einzige Ausweg, den ich jetzt noch sehe, ist so unauffällig wie möglich in den Zug zu steigen, an die Küste zu fahren und mir ein Segelboot zu kapern. Eine Hochseeyacht. Dann heißt es: “Tschüß Vechta, hallo Dominikanische Republik!” Um den ganzen weiten Weg segeln zu können, habe ich mir natürlich vorher einen umfassenden Vorrat an Büchsenravioli besorgt. Das von Thomas erwähnte Billigbier passte leider nicht mehr in die Kajüte. Ravioli scheinen eine gute Grundlage für einen Hochseetörn zu sein: Tomatensoße gegen Skorbut und reichlich Kohlenhydrate fürs Segeln.
Kaum in dem kleinen Inselstaat angelangt, schmiede ich Pläne für mein weiteres Leben. Wenn ich so böse sein soll, wieso verhalte ich mich nicht einfach so? In der Uni nannte man das Labeling Approach. Aber das ist egal. Ich bin jetzt nicht mehr Sozialarbeiterin, sondern kriminell. Nein, ich meine nicht kriminell im Sinne von Waffen- und Drogenschmuggel. Ich meine: richtig böse. Richtige Bösewichte betreiben Atomkraftwerke und verdunkeln die Sonne. Oder entführen Prinzessinnen. Oder ziehen sich grüne Strumpfhosen an und schweben mit einem grünen Surfbrett durch die Luft, um dann von Spinnenmenschen bekämpft zu werden. Hm. Dieses Schweben ist schwer umzusetzen. Ich könnte mir ein Jetpack besorgen. Ich könnte es aber auch lassen. Stigmatisierung ist eh nicht mein Fall und so viel Geld für ein Jetpack hab ich auch nicht. Der Dominikanische Peso ist eben nichts mehr wert. Egal, ich bleib einfach auf der Insel und verkaufe Strandgut an Touristen. Damit mich trotz meiner politischen Vergangenheit keiner erkennt, kleb ich mir einen falschen Schnurrbart an. Klingt doch solide, oder?
von Pia Klein

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