Und unsere Kinder werden begeistert sein!
Blick nach vorn und zurück

© khv24 / PIXELIO
Wohlmöglich mit übereinander gelegten Beinen und Pfeife im Mund werden einige von uns ganz nostalgisch vor dem offenen Kaminfeuer sitzen und ihren Kindern erzählen, wie es damals war vor 20 Jahren in einem unbekannten Ort namens Vechta. Das Bild scheint etwas abwegig, zumal es mehr an die Wohnzimmeratmosphäre des Biedermeier-Zeitalters erinnert, als an das Jahr 2030. Und nichtsdestotrotz, ob nun familiäre Gemütlichkeit wiederbelebt wird, oder fliegende Autos am Fenster vorbei zwitschern, irgendwann werden die eigenen Kinder, falls sie denn das Recht auf Leben in unserer verkappten demografischen Zeit finden, uns fragen: “Was ging denn damals ab? Zu Eurer Zeit, in den wilden 2010ern?”
Wehmut und Stolz?
Eine Mischung aus Wehmut und Stolz wird dann unsere Augen zum Leuchten bringen, gepaart mit Mundwinkeln, welche sich leicht nach oben ziehen. Es wird sich geräuspert, in die Hände geklatscht und eine aufrechte Position eingenommen. Die Augen träumerisch abwesend auf die Kinder gerichtet, was soviel bedeuten wird, wie: “Haltet Euch fest: die folgenden Schilderungen aus den Zeiten, als es noch Bachelor und Master zu erkämpfen gab, als die Studienbeiträge noch recht günstig waren und die Studenten halbherzig den Straßenverkehr lahm legten, um gegen die Missstände zu demonstrieren, werden Euch umhauen.”
Harmonie statt Action!
Es wird weit ausgeholt werden, denn Vechta hatte ja 2010 viel zu bieten und die Vergangenheit wird rückblickend immer besser geschildert, als sie wohl tatsächlich war.
Die Zeit, als sich die Studierenden zu Beginn des Jahrzehnts unglaublich vermehrten und den begrenzten Platz zu sprengen drohten, klingt doch sehr erzählenswert. Wenn die Kinder mit neugierigen Ohren lauschen, wird sicherlich auch vertuscht werden, dass jeder zweite Studierende an Vechta etwas auszusetzen hatte, da es wohl zu klein und zu langweilig war. Nein, es wird heißen, dass genau die Studierende die treibende Kraft gewesen ist, welche diesem Nest unglaubliches Leben eingehaucht hat. Die geringe Größe
des Studiums-Ortes hatte sich zwar auch auf den Geist Einzelner niedergelegt, doch meistens wurde wohl die Etikettierung “Nichts los” nicht einfach hingenommen. Nein, Vechta hatte geniale Möglichkeiten für den Zeitvertreib. Vielleicht nicht wie in Berlin, Hamburg, Köln oder München, dafür jedoch umso einzigartiger. Komische Studiengänge und komische Menschen. Hier konnte man sich noch einen Namen machen und die außergewöhnlichsten Gestalten grenzten sich einzigartig von der grauen Masse ab. Die Prüfungen waren leicht zu meistern und die Aufnahme ein Witz. Austauschstudenten sorgten damals für ein multikulturelles Miteinander und das Motto von Vechta hätte “Harmonie statt Action” heißen können. Ja, Vechta hatte unglaublichen Charme. Der immense Frauenanteil gestaltete ein Schlaraffenland für Männer und das Mensa-Essen wurde noch mit Liebe zubereitet.
Die Zeit, als sich die Studierenden zu Beginn des Jahrzehnts unglaublich vermehrten und den begrenzten Platz zu sprengen drohten, klingt doch sehr erzählenswert. Wenn die Kinder mit neugierigen Ohren lauschen, wird sicherlich auch vertuscht werden, dass jeder zweite Studierende an Vechta etwas auszusetzen hatte, da es wohl zu klein und zu langweilig war. Nein, es wird heißen, dass genau die Studierende die treibende Kraft gewesen ist, welche diesem Nest unglaubliches Leben eingehaucht hat. Die geringe Größe
des Studiums-Ortes hatte sich zwar auch auf den Geist Einzelner niedergelegt, doch meistens wurde wohl die Etikettierung “Nichts los” nicht einfach hingenommen. Nein, Vechta hatte geniale Möglichkeiten für den Zeitvertreib. Vielleicht nicht wie in Berlin, Hamburg, Köln oder München, dafür jedoch umso einzigartiger. Komische Studiengänge und komische Menschen. Hier konnte man sich noch einen Namen machen und die außergewöhnlichsten Gestalten grenzten sich einzigartig von der grauen Masse ab. Die Prüfungen waren leicht zu meistern und die Aufnahme ein Witz. Austauschstudenten sorgten damals für ein multikulturelles Miteinander und das Motto von Vechta hätte “Harmonie statt Action” heißen können. Ja, Vechta hatte unglaublichen Charme. Der immense Frauenanteil gestaltete ein Schlaraffenland für Männer und das Mensa-Essen wurde noch mit Liebe zubereitet.
Fragen?
Wenn wir dann nach gefühlten 2 Tagen fertig sind mit unseren euphorischen Ausführungen, ja dann werden die Kinder uns genervt anschauen und sicherlich ein paar Fragen stellen, auf die uns dann eventuell nicht die richtigen Antworten einfallen werden:
“Warum war denn damals der katholische Anteil noch so hoch? Wie, Euch ist 2010 das Streusalz ausgegangen? Es gab damals noch Schnee und Eis? Musstet Ihr denn immer so viel trinken? Was heißt hier Stadt des Pferdes? Und warum hat es stets nach Gülle gerochen? Was kann denn daran schön gewesen sein? Warum wart Ihr denn alle so komisch?”
“Vechta, liebe Kinder, Vechta! Das könnt Ihr nicht mehr verstehen!”
“Warum war denn damals der katholische Anteil noch so hoch? Wie, Euch ist 2010 das Streusalz ausgegangen? Es gab damals noch Schnee und Eis? Musstet Ihr denn immer so viel trinken? Was heißt hier Stadt des Pferdes? Und warum hat es stets nach Gülle gerochen? Was kann denn daran schön gewesen sein? Warum wart Ihr denn alle so komisch?”
“Vechta, liebe Kinder, Vechta! Das könnt Ihr nicht mehr verstehen!”
von Tobias Kunz
