Auf dem Weg in die Aula kreuzte man vor einiger Zeit unweigerlich die Werke von Kommilitoninnen und Kommilitonen, die diese während des Semesters in harter Arbeit erdacht und geschaffen haben. Doch halt! Mitten unter ihnen befanden sich auch Bilder, die nicht unter Anleitung entstanden sind, auch nicht die Beschreibung “schön” oder “hübsch” verdienen, sondern vielmehr ins Auge stechen, im Gedächtnis bleiben und zum Denken anregen. “Was will der Künstler uns damit sagen?”, fragten wir uns hier tatsächlich einmal doch.
Wer ist eigentlich dieser Künstler?
Kseniya Kupenova ist ihr Name, sie ist zwanzig Jahre alt und hat für ein paar Monate ihre Heimat Burgas (Bulgarien) verlassen, um in Deutschland neue Erfahrungen zu sammeln. Um das Kennen und Kennenlernen von Menschen geht es auch in ihren Bildern und schon im Gespräch mit ihr merke ich, dass sie ein Talent dazu hat, in die Menschen hineinzusehen.
Bei vielen Deutschen zum Beispiel sei ihr aufgefallen, dass diese eine “Maske” tragen, wie sie sagt, die Menschen würden nichts von sich preisgeben wollen und wenn sie fragen, wie es einem gehe, interessiere es sie eigentlich gar nicht.
“Das trifft wohl ins Schwarze”, denke ich mir und setze das Interview fort, nur um noch einige Male mehr vom eigentlichen Thema abzuschweifen.
In ihren Bildern zum Thema “Kinderspiele für Erwachsene” fällt schnell auf, dass Kseniya einen Blick für die Menschen hat. Vielen werden die Bilder von den unbekleideten, hockenden Personen aufgefallen sein, die ihren Kopf mit Zeitung bedeckt haben.
“Die Menschen möchten anonym sein, aber trotzdem gefunden werden”, erklärt Kseniya auf meine Nachfrage hin und gibt mir kurz darauf ihre Mappe mit weiteren ihrer Bilder, die ich staunend und ehrlich beeindruckt durchblättere.
Eines der Bilder seht Ihr in unserem
Kreativen Forum [1], die Auswahl ist nicht leicht gewesen. Weitere Bilder sind auf
kseniya.carbonmade.com [2] in ihrem Onlineportfolio zu bewundern.
Kseniya selbst kam in der 12. Klasse zum professionellen Zeichnen und Malen. Sie nahm hierbei schon an mehreren Ausstellungen teil und verkaufte auf einem Kulturfestival eines ihrer Bilder, was natürlich gebührend gefeiert wurde. Überhaupt feiere man in Bulgarien viel häufiger und ausschweifender als in Deutschland, und man trinke viel mehr Bier, sagt sie, was ich natürlich nicht so ganz glauben kann und mag.
In Bulgarien sei es aber auch seltener, dass man Bilder verkauft. Verkaufte Werke würden hauptsächlich ins Ausland verschickt, erzählt sie und begründet auch hiermit wieder ihre Lust durch die Welt zu reisen. Unsere Künstlerin ist der Meinung, alle Menschen seien im Grunde gut und deshalb möchte sie sie
kennenlernen.
Auf diesen Reisen kann man ihr deshalb nur viele neue und gute Erfahrungen wünschen, in der Hoffnung, dass sie weiterhin ihre Erkenntnisse über die Art der Menschen in ihren Bilder auf diese beeindruckende Weise zum Ausdruck bringt.
Ich bedanke mich für das tolle und spannende Gespräch.
von Freya Kuhn