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Was macht die Uni mit den Studiengebühren?
“Dagegen” ist beinahe jeder, der studiert, Du höchstwahrscheinlich auch: Bei einer Umfrage unter vechtaer Studenten gaben gerade mal drei Prozent an, Studiengebühren ohne Wenn und Aber zu befürworten. Doch welchen Mehrwert bringen die umstrittenen Beiträge eigentlich? Was hat sich durch sie zum Positiven entwickelt? uniVista hat nachgefragt und weiß jetzt, wofür die Gelder verwendet werden.
Damals, als Studierende noch “StudentInnen” waren und lange Haare auf dem Kopf und unter den Armen hatten, reichten bereits um wenige Pfennig erhöhte Mensapreise, um die Massen vom Hörsaal auf die Straßen zu bringen.
Heutige Studentenproteste sind dagegen unambitioniert und zahnlos – sagen die Einen – oder stumpf, und Notwendigkeiten negierend – sagen die Anderen.
Die Wahrheit muss wohl irgendwo dazwischen liegen. Als vor geraumer Zeit die Einführung von Studiengebühren beschlossen wurde, waren die Gegenstimmen laut, die Kontra-Argumente vielschichtig und durchdacht. Gebracht hat es – zumindest in Niedersachsen – trotzdem nichts. Anders als in elf anderen Bundesländern werden Studierende im Nordwesten Deutschlands zur Kasse gebeten.
Dass wir Beiträge entrichten müssen, haben mittlerweile die meisten – mehr oder weniger zähneknirschend – akzeptiert. Doch Wofür zahlen wir eigentlich?
uniVista ist der Frage nachgegangen, und hat sich mit Vizepräsidentin Dr. Marion Rieken und Katharina Genn-Blümlein aus der Pressestelle getroffen, um über die Verwendung von Studiengebühren zu reden.
Studiengebühren und Semesterbeitrag
Derzeit sind pro Semester 634,20 Euro an die Uni zu überweisen. Davon sind 134,20 Euro ein sogenannter Semesterbeitrag, mit dem AStA, Studentenwerk und das Semesterticket für die NordWestBahn bezahlt werden. Dieser Posten ist auch an Unis fällig, an denen keine Studiengebühren erhoben werden, er wird von den meisten als angemessen empfunden, Proteste richten sich nahezu ausschließlich gegen die restlichen 500 Euro.
Nicht jeder muss zahlen
Momentan studieren ungefähr 3300 Leute an der Uni Vechta. Die Zahl der Gebührenzahler ist etwas geringer, im letzten Wintersemester überwiesen 2754 Studis an das Immatrikulationsamt. Es gibt einige Ausnahmefälle: Wer ein Kind hat oder Angehörige pflegen muss, ist von der Gebührenpflicht befreit. Für Studierende, die als Opfer einer Straftat schwer verletzt wurden, oder unter chronischen Krankheiten leiden, gelten Härtefallregelungen.
Ein Sonderfall sind auch die Langzeitstudiengebühren-Zahler. Bei ihnen sind je nach Semesterzahl sogar bis zu 934,20 Euro pro Halbjahr fällig. Die Uni sieht davon jedoch nur einen Bruchteil, das meiste muss sie an das Land Niedersachsen abführen.
Im Sommer sind deutlich weniger Leute eingeschrieben. Klar, manch einer ist nach dem Wintersemester mit seinem Studium fertig, Erstis hingegen können nur im Oktober anfangen. 2009 hat die Uni insgesamt 2,68 Mio. Euro eingenommen.
Verwendung vor allem für zusätzliches Personal
Der größte Teil der Einnahmen geht für Personalkosten drauf. Vor allem Dozenten mit dem Titel “Lehrkraft für besondere Aufgaben” werden sowohl komplett als auch teilweise von Studiengebühren bezahlt. Sie werden zusätzlich zu den anderen Lehrenden eingestellt, so dass mehr und kleinere Seminare angeboten werden können. 2009 wurden insgesamt 12,61 Dozentenstellen auf diese Weise geschaffen, die Kosten hierfür beliefen sich auf rund 708.000 Euro.
Darüber hinaus wird auch nebenberufliches Personal, d. h. Lehrbeauftragte und Tutoren mit den Mitteln der Studenten finanziert, dies ließ sich die Uni vorletztes Jahr ca. 999.000 Euro kosten. Auch hiermit wird dem Wunsch nach weniger überfüllten Seminaren und besserer Betreuung Rechnung getragen.
Weitere 391.000 Euro wandte die Uni für Personal im Verwaltungsdienst auf. Hierzu zählen Mitarbeiter in Studienzentrum, Service-Einrichtungen und Qualitätsmanagement. Insgesamt wurden 2009 78,2% der Studiengebühren ausgegeben, um mehr Angestellte zu beschäftigen.
Ein anderer großer Posten sind die Ausgaben, die für bauliche Maßnahmen anfielen. Über 554.000 Euro investierte die Uni 2009 unter anderem in den Umbau der Bibliothek, die Modernisierung von Laboren und die Schaffung von Arbeitsflächen. Von den Studiengebühren werden nur Baumaßnahmen bezahlt, die den Studierenden unmittelbar zugute kommen. Rechnungen für die Erneuerung der Fassade oder den Umbau des R-Gebäudes werden aus anderen Töpfen beglichen.
Wünsche der Studierenden werden berücksichtigt
Wünsche, Vorschläge und Kritik von Studierenden werden vom Präsidium ernst genommen. Von 2006 bis 2008 gab die Uni insgesamt knapp über 40.000 Euro für Stipendien aus. Dies wurde eingestellt, weil sich in einer Umfrage abzeichnete, dass der Großteil der Befragten dagegen war. Auch mit den verlängerten Bibliotheksöffnungszeiten, die vorletztes Jahr Mehrkosten von fast 75.000 Euro nach sich zogen, reagierte man auf Anregungen der Studenten.
So muss man doch, unabhängig davon, ob man für oder gegen Studiengebühren ist, sie bloß für lästig oder aber für einen Sargnagel des deutschen Bildungssystems hält, eins zugeben: Zumindest hier in Vechta werden sie sinnvoll, durchdacht und vor allem so eingesetzt, dass die Allermeisten davon profitieren. Gerüchte, denen zufolge die Gelder verschwendet würden, oder aber auf dunklen Konten vor sich hin schimmelten, weil die Uni es nicht schaffe, sie auszugeben, sind falsch.
Dass es hingegen immer noch zu Seminarausfällen und überfüllten Veranstaltungen kommt, Bibliotheksbücher vergriffen oder veraltet sind, und Dozenten zu wenig Zeit für ihre Studierenden haben, ist dennoch unvermeidlich. Der Gesamt-Etat der Universität liegt bei ungefähr 18 Mio. Euro. Die Studiengebühren sind zwar eine willkommene Finanzspritze, vervielfacht hat sich das Budget durch sie jedoch nicht.
Und trotzdem, auch wenn die Gelder so verwendet werden, dass sie dem Großteil der Studierenden nützen, ein unguter Nachgeschmack bleibt. Die meisten von uns würden wahrscheinlich gerne auf die zusätzlichen Dozenten, den Bibliotheksumbau und andere Annehmlichkeiten verzichten, wenn dafür auch die 500 Euro Kosten pro Semester wegfielen. Der Schaden hielte sich vermutlich in Grenzen, die besten Universitäten sind nicht automatisch die, an denen Studiengebühren erhoben werden, das verrät beispielsweise die Ranking-Seite des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE).
Doch die Uni ist nicht schuld an den Gebühren, verabschiedet wurden sie vom Niedersächsischen Landtag. Die Hochschulen setzen die Vorschrift lediglich um, über Ja oder Nein entscheiden sie nicht. Ein Regierungswechsel könnte dafür sorgen, dass Niedersachsen das zwölfte Bundesland wird, in dem das Erststudium kostenfrei ist.
von Stefan Hirsch
Verwendung der Studiengebühren 2009
(Prozentuale Verteilung gemessen an Gesamtausgaben, gerundet)
Gesamtausgaben 2009: 3.237.844 Euro; Gesamteinnahmen 2009: 2.681.889 Euro
Diagramm: Alexander Dressler; Quelle: AG Studiengebühren der Universität Vechta
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Ausgegeben
Datum: 17. Januar 2011
Rubriken: Artikel,mit Aktualität,No 18 - Januar 2011,Stefan Hirsch,Studium
Adresse: http://www.univista.de/2011/01/17/ausgegeben/