Bestandsaufnahme
Der „Dies academicus“ der Studierenden war eine stressige, aber auch produktive und nicht zuletzt erfolgreiche Zeit. Die Arbeit der zuständigen Gremien, die Resonanz der Studenten und die abschließende Diskussion sollen daher auf jeden Fall gewürdigt bleiben.
Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, der das Thema „Gutes Studieren – Studierendenwellness“ begleitet. Bereits zu Beginn wurden die Fachräte in der Vollversammlung der Fachräte erst am 3.11. über die am 17.11. anstehenden organisatorischen Maßnahmen informiert. Viele der Fachräte aber beispielsweise befanden sich gerade in dieser eh schon kurzen Zeit von 14 Tagen noch in der Neuformierung bzw. mussten erst noch neugewählt werden. Dass die Ergebnisse trotz dieser Widrigkeiten doch so positiv waren, lässt auf eine gute Organisation innerhalb der einzelnen Fachschaften schließen. Die Frage, warum gerade die Studentenschaft, als zahlenmäßig größter Anteil nur so wenig Zeit bekam, bleibt dennoch im Raum und nach Verursachern zu suchen, scheint wie immer in einem Spiel „Schwarzer Peter“ zu enden. Zu gutem Studieren sollte eben auch gehören, genug Zeit zu haben, sich angemessen vorbereiten zu können. Die Folgen dieses Organisationsengpasses sind deutlich spürbar. Aufgrund mangelnder Resonanz sind keine aussagekräftigen Rückmeldungen gekommen. Das Resultat: Der zuvor angekündigte offene Gesprächsaustausch wurde abgesagt. Nun würde es zu weit gehen eine strukturell gewollte Benachteiligung der Studenten zu unterstellen. Dennoch hätte man derartige Dinge vor der Organisation des Ganzen sicherlich überschauen können.
Die Verwertung
Wie aber geht es nun weiter? Die Diskussion war im Vorfeld als konstruktiv und kooperativ angekündigt worden, um Studienbedingungen aktiv zu verbessern. Was geschieht nun aber mit den eingebrachten Vorschlägen, Anmerkungen und Protesten? Viele der Themen, die die Fachschaften gesammelt haben, sind häufig sehr speziell und gehen in einer breiten Podiumsdiskussion verloren. Gerade diese kleinen Schrauben sind es jedoch häufig und nicht die besprochenen eigentlich eh schon bekannten Themen wie das Semesterticket, Anwesenheitslisten und Modulprüfungen, die das Wohl des Einzelnen ausmachen. Es ist darüber hinaus noch kontrovers, was mit den gefundenen Ressourcen „Dinge, die bereits gut sind“ passieren soll. Im Sinne der Qualität sollten gerade diese bereits geschaffenen Kompetenzen als zukünftige Felder der Optimierung angesehen werden. Zu hoffen ist, dass sie daher nicht zu bloßen Marketingzwecken à la „Unsere Studenten bescheinigen: Wir sind gut in den und den Sachen“ werden. Wer einen solchen Tag der Lehre macht, muss sich darüber im Klaren sein, dass damit eine Politik des Vertröstens unvereinbar ist und Resultate umso mehr zählen, da Argumente ressourcen-orientiert, kooperativ und sachlich vorgetragen wurden.
Nachdem also Probleme angesprochen worden, müssen nun Lösungen gefunden, finanzierbar gemacht und durchgeführt werden. Terminierte Zusagen von verbindlicher Qualität sollten das Hauptziel sein. Es ist zu hoffen, dass die besprochenen Dinge nicht am Ende erst beim nächsten Studentenprotest auftauchen.
Zumindest in Sachen Transparenz der Studiengebühren sind schon erste Erfolge zu erkennen und so beispielsweise eine genauere Aufschlüsselung in dieser Ausgabe zu finden. Auch wenn dieser Erfolg mehr die Einlösung eines Versprechens aus dem vergangen Jahre darstellt. Im Sinne der Studienbedingungen können wir nur hoffen, dass alle Beteiligten die Vorarbeit nicht versanden lassen.
von Matthias Christ