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2051
Das Jahr der begrenzten Möglichkeiten schon heute?
Wenn man das Studium beginnt, so hört man meist dies: “Kind, das ist für deine Zukunft!” Mama, Papa, Oma, Opa und wer sonst noch das Beste für einen will, alle sagen, wie wichtig Ausbildung für das spätere Leben sei. Aber was denken die Studenten eigentlich, wo es hingehen soll? Wo stehe ich in 20, 30 oder 40 Jahren? Was habe ich für Aufgaben, wie sieht mein Alltag aus im Jahr 2051? Viele gehen ins Studium ohne klares Ziel. Einige haben zumindest eine Richtung, andere lassen alles auf sich zukommen. Nicht selten werden diese Pläne jedoch während des Studiums komplett umgeworfen. Der Studiengang, das Praktikum und das Thema der Abschlussarbeit sind Wegweiser, aber keine Sicherheiten, sollten aber dennoch gut bedacht werden. Wie die Zukunft aussieht ist jedoch völlig offen.
© Gerd Altmann / PIXELIO [1]
Verantwortung
Die kleinen Verspätungen von 30 Minuten in der Vorlesung sind nicht mehr möglich. Zehn Minuten nach Beginn klingelt der Chef das erste Mal durch: “Frau/Herr zukünftige/r Arbeitnehmer/In, wo stecken Sie?” Beim zweiten Mal kommt dann schon kein Anruf mehr, sondern gleich das Kündigungsschreiben indem man sehr bedauert, dass die Kooperation nicht weiter fortgesetzt werden kann. Der ein oder andere mag sich in dieser Zeit gerne an die schönen Zeiten der Anwesenheitspflicht erinnern.
Mutti und Vati sind auch mittlerweile tot und man muss sich um seinen Kram selber kümmern. Die eigene Wohnung, die man nahe an seinem neuen, mittlerweile sechsten, Arbeitsplatz bewohnt, will auch ab und an gereinigt werden. Die Mensa ist auch schon lange vergessen, aber die Küche mit den neusten Fertigprodukten von Maggi lädt zum Verweilen ein und nicht selten wird in kochkünstlerischer Manier das Wasser im neuen Mikro-Wasserkocher erhitzt. Alles alleine, natürlich! Das alles auch noch neben der mittlerweile üblichen 50-Stunden-Woche, in der man täglich mit dem Schicksal anderer Menschen jongliert.
Hoffnung
Wenigstens hat man seine Liebe von damals noch. Zumindest das Gefühl, da sie/er leider doch mehr Freiraum braucht und sich noch nicht binden will. Bestimmt ändert sich das nach der Amerika-Tour. Aber es gibt ja auch genug neue Optionen! Ob es die nette Inderin oder der ansprechende Puerto Ricaner ist, beide wären ein guter Fang als ausländische Fachkräfte, die zu gutverdienenden Zugpferden der deutschen Wirtschaft geworden sind.
Alternativ könnte man mal wieder ein Blinddate auf dem allgegenwärtigen Facebook machen. Online – versteht sich – per Videokonferenz. So schlimm ist es ja auch gar nicht, immerhin hat man so genug Zeit all den Dingen nachzugehen, die man schon immer machen wollte. Obwohl die auch nicht günstig sind und die Miete ist auch schon wieder im Rückstand …
Begrenztheit
Doch nicht alles ist schlecht! Der Freigeist von damals ist man immer noch. Nur feiern ist eher was für die jungen Leute. Man kann ja nicht jeden Monat rausgehen! Vor allem das Aufstehen ist nicht mehr so einfach wie früher, also lieber mal einen Abend ruhig verbringen. Die Technik ist leider im Gegensatz zu früher auch viel weniger anwenderfreundlich. Häufig benutzt man daher noch sein altes Smartphone, anstelle der Bildschnittstelle des weltweiten Datennetzes oder genießt einen faulen Fernsehabend. Ah, Entspannung!
Wenn man später einmal Kinder hat, wird man ihnen auf jeden Fall raten zu studieren. Sonst wird nichts aus ihnen und ihr Leben wird trist und grau. So haben sie alle Möglichkeiten der Welt, ihr Leben lebenswert zu gestalten.
von Matthias Christ
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: 2051
Datum: 23. Juni 2011
Rubriken: Artikel,Gesellschaft,Matthias Christ,No 19 - Juni 2011
Adresse: http://www.univista.de/2011/06/23/2051/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de