Meine erste eigene Wohnung ist etwas ganz Besonderes! Denn sie hat keinen Garten. Einst aufgewachsen im Brandenburgischen Dschungel, sozialisiert worden von Fliederbüschen, Fichten und Finken, finde ich mich nun an einem bisher unerforschten Ort wieder: Drinnen. Das Parkett ist nun meine Wiese, der Kaktus mein Nadelwald. Doch es besteht noch Hoffnung. Die Antwort auf das Fehlen der privaten Oase lieferten Städteplaner und Architekten schon längst. Sie legten städtische Parks an und das ist schön. Schön, im Sinne von “Wenn keine Schokolade im Haus ist, dann trinke ich eben einen Kakao.” Und da wird nun einmal gerade wieder Sommer, also greife ich zurück auf den Kakao unter den Grundstücken. Denn diese Jahreszeit gilt es zu nutzen! Ist sie doch in Mitteleuropa viel mehr der kurze und unauffällige Übergang vom Frühling in den gold-grauen Herbst. Nach vierwöchigem Park-Dasein hat man bereits eine Menge gelernt: Wo Blumen wachsen, nerven dich Bienen. Wo keine Blumen wachsen, erleichtern sich Hunde. Orange und gelbe Decken sind schlecht, dunkelblaue Decken sind gut. Wer auf Käfer und Minifliegen nicht verzichten möchte, bleibe bei Orange und Gelb. Ein Baum spendet Schatten, aber auch Überraschungen von oben. Power-Walker machen Staub, Gitarristen gute Laune. Es ist stets zu windig für Federball und immer zu hell zum Lernen. Ohne Sonnenbrille sieht man weiße Ringe, mit Sonnenbrille hat man abends weiße Ringe im Gesicht. Und so gehe ich stets schlauer aus dem Park heraus, als ich hinein ging, zurück in meine Wohnung, der der Garten fehlt. Mir fehlt er auch.
von Carolin Makus