Nein Danke!
Liebe Studierende,
Hand aufs Herz! Was ist aus diesem Studium geworden? Eine Schule? Ein enger, akademischer Käfig, der uns keine Luft zu freiem Lernen lässt? Der Bachelor aus der Hölle, der uns seine eisigen Finger um den Hals legt! Ja, ist es so schlimm? Ich glaube, so schlimm kann es nicht sein, wenn wir uns jedes mal an den “How I Met Your Mother”-Folgen auf dem Laptop des Vordermannes ergötzen können oder wir uns an dem arhythmischen Stakkato der Leertaste laben dürfen, das die freundliche Kommilitonin aus der hinteren Reihe erschallen lässt, wenn sie sich neue Solitair-Karten gibt. Oder wenn man einem ausladenden Gespräch über den wochenendlichen Alkoholexzess beiwohnen darf . Oder wenn wir den verehrten Mitstudenten, die sich während der Vorlesung der “höheren Literatur” widmen, über die Schulter schauen können. Natürlich bevorzugt nichts aus den aktuellen Veranstaltungen. Am liebsten liest man dicke Wälzer mit möglichst buntem Einband. Oder “Twilight”. An solchem Lesen kann man sich zwar nicht irgendwie passiv beteiligen, hat aber wenigstens die nötige Absolution selber bei studiVZ oder Facebook neue Freunde zu adden und irgendeinem geistreichen Online-Game nachzugehen, in dem man einen virtuellen Bauernhof verwaltet. Hauptsache ist, der Dozent quasselt gegen eine Wand aus surfenden Zombies, deren einziger Höhepunkt des Seminars das Krakeln der eigenen Unterschrift in die Anwesenheitslisten ist. Tja, es ist nicht so, dass der Autor dieses Textes im Bezug auf vieles davon ein Kind von Traurigkeit ist, doch passen die gemachten Schilderungen für meinen Geschmack einfach zu oft . Die Wahrheit liegt vermutlich auf der Mitte. Aber ich glaube manchmal – in seltenen Momenten – dass ein bisschen Struktur und Disziplin den meisten von uns eigentlich ganz gut täte, nähme man sie ernst. Vielleicht ist es ja nicht die Struktur des Bachelors, die uns am lernen hindert, sondern eher die eigene Motivation? Vielleicht sollten wir einfach erst schauen, was wir (an uns?) selbst verändern können, um das Studieren für uns und andere leichter und effektiver zu gestalten, statt gleich die große Keule gegen das böse System zu schwingen.
von Thomas Hülsmann
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO [1]
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Tötet Struktur die Kreativität?
Nach 12 bis 13 Jahren Schule haben wir immer noch nicht genug? Wollen wir uns auch jetzt noch vorschreiben lassen, dass wir Mathe montags früh in den ersten beiden Stunden, Sport aber am Freitag Nachmittag haben?
Dank des Bachelors und Dank der damit verbundenen Ablaufpläne kommt es dem nämlich schon sehr nahe.
Als ich damals in die 1. Klasse kam, haben alle gesagt “Jetzt fängt der Ernst des Lebens an!” Davon spürte ich in den vier Jahren Grundschulzeit nichts.
Dann kam ich in die 5. Klasse auf einem Gymnasium, wieder mit gut gemeinten Ratschlägen und “Jetzt fängt der Ernst des Lebens an!” und wieder kann man von Ernst nicht reden. Natürlich wuchs der Notendruck und um meine Freizeit war es schlechter bestellt als noch zu Grundschulzeiten, aber tatsächlich ernst war es auch hier nicht.
Bereits schon vor der Zeugnisvergabe denkt man ja darüber nach, was man nun machen will. Studieren! Und natürlich, nach 2 Fehlschüssen fängt aber JETZT der Ernst des Lebens an!?
Kaum vorstellbar, bekommen wir doch nahezu vollständig vorgefertigte Stundenpläne, man bekommt genau gesagt, in welchem Semester man welchen Kurs, welches Seminar, welches Modul belegen soll. In den Kursen gibt es selbstverständlich eine Anwesenheitspflicht, natürlich gibt es zur Kontrolle dennoch eine Liste. Man muss sich also keine Sorgen machen, denn den Dozenten entgeht kein Fehltag!
Man sollte doch meinen, dass die Studenten erwachsen und selbstständig sind, aber nein, an der Uni sieht man das wohl anders. Wir werden nicht nur an die Hand genommen, sondern man legt uns gleich eine Kette an.
Freiheiten, die hat man als Bachelor-Student doch kaum. Wenn ich da höre, was Diplom-Menschen berichten, da kann ich nur neidisch zu hören.
Also bitte, etwas mehr Vertrauen wäre schon schön, schließlich wollen wir doch studieren, wir machen das freiwillig. Warum tut man also so, als sei das Zwang?
von Carola Hofmann