Da der Begriff des “Hipsters” in den letzten Jahren für optisch grausame und anstrengend künstlerisch betuliche Szenegestalten verwendet wurde, lohnt es sich den eigentlichen Ursprung des Begriffes näher zu betrachten. Jack Kerouac beschrieb 1958 auf 160 Seiten in seinem Prosawerk “The Subterraneans” (Krampfhafte deutsche Übersetzung: “Bebop, Bars und weißes Pulver”) eine berauschende Welt innerhalb der Straßen von San Francisco, angereichert mit vernebelten Alkoholgemütern und verschrobenen Weltanschauungen. Er schildert mit gewaltigen Wortschöpfungen die ausufernden Partys der damaligen Beat Generation (wie schon in seinem früheren Werk “Unterwegs”) sowie von mitreisender Jazzmusik heraufbeschworene Ekstasen. Hauptsächlich dreht sich alles jedoch um eine simple Geschichte: Mann findet Frau, Mann verliert Frau.
Die ist jedoch mit einem solch mitreisendem, aggressivem Schreibstil verfasst, dass man schnell selbst das Bedürfnis verspürt zur Flasche zu greifen oder dem Protagonisten die Leber zu retten. Da Kerouac stets einen autobiografischen Schreibstil pflegte, sollte die Identifikation mit den geschilderten Tatsachen nicht schwer fallen. Diese sind nach fünf Jahrzehnten noch immer aktuell für eine jede halbwegs gescheiterte Gestalt. Dass die Figuren der Geschichte Proust zitieren, statt studiVZ-Gruppen, vermindert keineswegs das Lesevergnügen. Vielleicht bleibt nach der Lektüre auch stets ein Lächeln auf den Lippen, wenn man einem “Hipster” im restaurierten Szeneviertel begegnet.
Jack Kerouac: The Subterraneans
Signatur: 46658
von Tobias Kunz