Und da ist es passiert
Klack! "Oh, nein!" Und so beginnt eine Herausforderung, die der ein oder andere sicher schon einmal erlebt hat. Es ist die alte Geschichte. Der Schlüssel ist nicht zur Hand und die Tür im Schloss. Ob er nun im Zimmer liegt, verloren ging oder gar entwendet wurde. Das Unheil nimmt nun also seinen Lauf. Natürlich ist niemand aus der WG zu Hause und es geht so langsam aufs Wochenende zu. Eigentlich sollte ja das längst überfällige Referat bearbeitet werden, doch nun schießen unzählige Gedanken durch den Kopf.
Schlüsselengel
Ein Schlüsseldienst könnte das Problem elegant lösen. Es ist nicht abgeschlossen, daher muss das Schloss nicht aufgebohrt oder die Tür aufgebrochen werden. Dennoch spukt einem noch die Geschichte eines Kommilitonen im Gedächtnis, der über 200 € bezahlen musste für zwei kleine Handgriffe. Aber ohne Telefonnummer und mit dem Telefonbuch sicher hinter der Tür, fällt das eh weg. Kompliziert!
Verbotene Künste
Da gab es doch aber mal einen Trick. Irgendwann hieß es mal im Fernsehen, dass Türen ganz einfach mit einer Kreditkarte zu öffnen seien. Rein in den kleinen Spalt zwischen Tür und Rahmen, runterziehen und schon sei sie offen. Nachdem der Zugriff aufs Konto nach erfolglosem Versuch nun auch nicht mehr funktioniert, ist die nächste Station das Fenster. Dummerweise war die letzte Handlung selbige zu schießen, bevor die Wohnung so leichtsinnig verlassen wurde. Eines verblieb zwar auf Kipp, aber so einfach wie immer erzählt wird, ist das mit dem Aufdrücken auch nicht. Die Nummer mit dem Dietrich bleibt außerdem lieber nur ein Gedanke, bevor das Schloss auch mit Schlüssel nicht mehr zu öffnen ist.
Kommunikation
Alleine geht es nicht weiter. Hilfe ist jetzt bitter nötig. Am besten wäre einen Mitbewohner zu erreichen, um zu klären, ob irgendwer noch vor dem Wochenende da ist. Doch dann der Schreck. Kein Geld mehr auf dem Handy. Wer jetzt ein w-lan-fähiges Gerät hat, ist definitiv im Vorteil. Nicht nur, dass das Uni-Netzwerk eine Chance bietet, auch die heimische Verbindung ist nutzbar direkt vor der Haustür. Per Mail, facebook, ICQ oder Skype gibt es gute Chancen für eine Kontaktaufnahme. Gerade heute ist jedoch keiner der Mitbewohner online. Die einzige Hoffnung ist nun ein freundlicher Nachbar, der einen telefonieren lässt. Aber es ist wie verhext, es will keiner rangehen.
Innere Dämonen
Langsam wird es auch ein Kampf gegen die Zeit und sich selbst, vor allem da das geplante Mensa-Essen ausfiel aufgrund der Schlüsselmisere. Da im Moment eh nichts weiter zu unternehmen ist, empfiehlt es sich erstmal Luft zu holen und eine Kleinigkeit zu essen. Während der Stärkung in einem nahen Restaurant, wird es jedoch beständig dunkler und Wolken ziehen auf. Es beginnt zu nieseln, wie könnte es auch anders sein. Ein wenig Verzweiflung keimt auf, aber zumindest ist es für den Moment warm.
Aufstieg
Gerade noch geschafft. Bevor es richtig anfing zu regnen, war die sichere, wohl bekannte Wohnungstür erreicht. Ein weiterer Versuch per Internet jemanden zu erreichen, bleibt jedoch erfolglos. Keiner der Mitbewohner meldet sich zurück. Wenigstens ein guter Freund ist da, dem man natürlich alle Einzelheiten der Sach- und Gefühlslage in aller dramatischen Kürze schildern kann. Da es mittlerweile immer später wird, kommt die Einladung bei ihm zu Übernachten mehr als recht. Leider muss noch der Weg durch halb Vechta zurückgelegt werden und die Laternen gehen gerade aus. Augen zu und durch!
Erlösung
Am nächsten Morgen gibt es erstmal ein kräftiges Frühstück. Dann erreicht man sogar endlich eine Mitbewohnerin. Diese schlägt vor, den Vermieter anzurufen und tut dies auch gleich. Ein paar Stunden später ist man wieder zu Hause! Der Alptraum ist beendet. Wenn man also in so eine unangenehme Situation kommt, sollte man ruhig bleiben. Der teure Schlüsseldienst sollte eine Notlösung bleiben. Der „Schlüssel zum Erfolg“ ist viel mehr in den sozialen Netzwerken zu suchen oder für die extrem Vergesslichen in einer Schlüsselkopie, die beispielsweise bei Wessel in Vechta zu erhalten ist. Man sollte dies jedoch dem Vermieter mitteilen und um Erlaubnis fragen. Zumindest eines ist sicher, der Schlüssel wird in Zukunft auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit bekommen.
von Matthias Christ